Mit Basel II wird der Markt für Unternehmensanleihen bedeutsamer
Unternehmen entdecken Fremdkapital

Immer mehr Unternehmen beschaffen sich in Deutschland Fremdkapital über die Finanzmärkte. Bei der Finanzierung wird der klassische Bankkredit von Unternehmensanleihen abgelöst. Die neuen Eigenkapitalvorschriften für Banken nach Basel II werden diesen Prozess weiter beschleunigen.

FRANKFURT/M. Der Kapitalbedarf deutscher Unternehmen steigt. Ein wesentlicher Grund: die Globalisierung und der wachsende Wettbewerbsdruck aufgrund von Übernahmen und Fusionen. Da Kredite an Unternehmen von den Banken stets mit einer Eigenkapitalquote von 8 % hinterlegt werden müssen, nutzen immer mehr Unternehmen die Finanzierungsmöglichkeiten der Kapitalmärkte, sagte Rolf Crux von der Commerzbank im Rahmen der vom Deutschen Aktieninstitut (DAI) ausgerichteten Konferenz "Corporate Bonds".

Jürgen Berblinger von der Ratingagentur Moody?s Investor Services ergänzte, dass die Zahl der Unternehmensanleihen in Deutschland in den vergangenen Jahren auch deshalb kräftig gestiegen sei, weil die Banken Kredite inzwischen sehr restriktiv vergeben. Das Jahr 2001 markierte ein Rekordjahr bei der Ausgabe neuer Unternehmensanleihen am Eurobondmarkt. Im ersten Quartal 2002 ist das Volumen der Neuemission allerdings um rund 35 % geschrumpft.

Bis zum Jahr 1998 wurde der europäische Kapitalmarkt von der Emissionswährung US-Dollar dominiert. Seit seiner Einführung hat der Euro den Dollar jedoch abgelöst. Inzwischen entfallen rund 73 % der am europäischen Kapitalmarkt aufgelegten Emissionen auf die gesamteuropäische Währung. Dass sich immer mehr deutsche Unternehmen durch die Ausgabe von Anleihen an diesem Markt Fremdkapital beschaffen, habe allerdings auch negative Seiten, sagte Thomas Hartmann-Wendels von der Universität in Köln. "Die Bandbreite dessen, was im Hinblick auf den Verschuldungsgrad von Unternehmen als vernünftig anzusehen ist, wurde bereits überschritten", kritisiert er das Absinken der Eigenkapitalquote in der deutschen Wirtschaft auf nur noch 17 %. Mit Ausnahme Italiens liege Deutschland damit unter den großen Industrieländern an letzter Stelle. Die vollständige Finanzierung von Unternehmen über Eigenkapital sei allerdings auch nicht optimal. Dies nicht zuletzt deshalb, weil dies mit einem starken Machtzuwachs der Firmenleitung verbunden sei.

Der Wissenschaftler erwartet, dass der Markt für Unternehmensanleihen weiter boomen wird. Die Entwicklung dieses Marktes sei in Deutschland hinter dem starken internationalen Wachstum zurückgeblieben, meinte Hartmann-Wendels. Jürgen Berblinger belegte dies mit Zahlen. Der Umlauf von Unternehmensanleihen im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt liege in Deutschland derzeit noch nicht einmal bei 2 %. In Großbritannien erreiche diese Quote dagegen beinahe die Marke von 10 %.

Als eine völlig neue Erfahrung für die Investoren bezeichnete Rolf Crux die Häufigkeit von Emittenten-Ausfällen. "Der Ausfall eines Kapitalmarkt-Instruments ist zwar kein gänzlich neues Phänomen, er hat für Europa jedoch bisher eher Seltenheitswert gehabt", sagte Crux mit Verweis auf die jüngsten Zahlungsschwierigkeiten von Kirch, Mühl, Herlitz, Holzmann und Enron. Mit der Einführung des Euro und der Bewährung des Euro-Kapitalmarktes könnten sich deutsche Emittenten nicht mehr länger darauf verlassen, dass institutionelle Anleger hierzulande ihre Emissionen aufkaufen, sagte Ami de Chapeaurouge, Leiter des Bereichs Corporate Finance bei der Kanzlei Wessing.

"Emittenten mit geringerer Bonität bleibt der Zugang zum inländischen Anleihemarkt verschlossen, so dass oftmals nur der Gang an den Eurobondmarkt bleibt", sagt der Experte. Die Beanspruchung des internationalen Marktes führe jedoch dazu, dass sich Unternehmen einer Bonitätsprüfung durch die bekannten Ratingagenturen unterziehen müssten. "Diese Bonitätsbewertungen gewinnen gerade auch bei deutschen Mittelständlern an Bedeutung", sagte er. Emissionen ohne Rating würden von Investorenseite kaum nachgefragt und könnten nur mit signifikanten Abschlägen platziert werden.

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