Mit dem Holzmann-Ende verschwindet ein Teil der Überkapazitäten
Pleite könnte Branche langfristig aus der Krise helfen

Die Pleite des Baukonzerns Holzmann könnte für die marode Baubranche auf längere Sicht durchaus gesund sein, meinen Volkswirte. Das Aus des zweitgrößten deutschen Bau-Unternehmens könnte den nötigen Abbau von Überkapazitäten beschleunigen.

DÜSSELDORF. "Unabhängig davon, ob Konkurrenten Teile von Holzmann übernehmen oder nicht, kommt es wohl zu einem Personalabbau", sagt Volker Rußig, Bau-Experte beim Münchener Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung. Die Frankfurter Traditionsfirma beschäftigt bislang 23 000 Menschen, rund 10 000 davon in Deutschland. Jeder einzelne, der durch die Pleite auf der Straße stehen wird, ist persönlich hart getroffen. Dennoch: "Für das deutsche Bauhauptgewerbe ist die Insolvenz positiv", sagt Markus Ilg, Bau-Experte der WestLB in Düsseldorf.

Seit Jahren leidet die Branche unter großen Überkapazitäten, die starken Druck auf die Preise ausüben. Die Holzmann-Rettung von Bundeskanzler Gerhard Schröder im November 1999 habe die Lage nicht besser gemacht: Vermutlich habe sie "eine ganze Zahl kleiner Unternehmen vom Markt verdrängt", sagt Jörg Hinze vom Hamburger Forschungsinstitut HWWA. "Der Eingriff des Staates war falsch."

Die Baukrise hat sich schon länger zu einem Bremsklotz des deutschen Wirtschaftswachstums entwickelt. 2001 brachen die Bauinvestitionen real um 5,7 % ein - dies kostete 0,7 Prozentpunkte Wachstum, schätzt das Institut für Wirtschaftsforschung Halle. Und ein Aufschwung ist nicht in Sicht: 2002 schrumpfen die Investitionen um 1,5 %, schätzt die Deutsche Bank - falls die Konjunktur nicht anspringe, könne das Minus sogar noch größer ausfallen. "Die Pleite ist Teil des Anpassungsprozesses auf dem Markt", sagt Tobias Just, Branchenexperte der Deutschen Bank.

Im Januar hat sich die Lage auf den ersten Blick etwas verbessert: Im Bauhauptgewerbe wuchs die Nachfrage gegenüber Dezember um 5,3 %, im Vormonat war sie um 9,5 % gefallen. Hauptgrund für das Januar-Plus ist ein starker Anstieg beim Tiefbau. Auch der seit langem schwache Wohnungsbau hat sich erholt. Der Jahresvergleich macht aber die nach wie vor schlechte Lage deutlich: Die Firmen bekamen Anfang 2002 5,2 % weniger Aufträge als im Januar 2001.

Durch das Holzmann-Aus verschwindet ein Teil der Ressourcen vom Markt. Zwar übernehmen Konkurrenten wohl die Sahnestückchen des Unternehmens. Ein Großteil des Deutschland-Geschäftes dürfte aber wegfallen.

Allerdings gibt es auch eine Gefahr: Es könnte zum Teil die falschen Firmen treffen - profitable Unternehmen, die als Zulieferer und Subunternehmer stark von Holzmann abhängen und wohl auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssen. "Es kann zu einer Verzerrung kommen", sagt Ifo-Experte Rußig. "Nicht die schwächsten gehen aus dem Markt, sondern die, die an Holzmann hängen."

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie bezweifelt grundsätzlich, dass mit dem Holzmann-Ende wirklich Kapazitäten verschwinden. "Es ist sehr fraglich, ob durch die Pleite die Bauwirtschaft saniert werden kann", sagt Geschäftsführer Heiko Stiepelmann. Die Kapazität falle nicht weg - "die Konkurrenz springt in die Lücke."

Sicher ist, dass die Konsolidierung mit der Holzmann-Pleite noch lange nicht zu Ende ist. "Der Kapazitätsabbau muss weiter gehen", sagt Ifo-Experte Rußig, "da darf man sich nichts vormachen."

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