Mit dem Luxus-Geländewagen Cayenne peilen die Zuffenhausener deutlich mehr Umsatz und Ertrag an
Porsche wagt sich auf vollkommen neues Terrain

Ein neues Werk, ein neues Segment, ein neues Auto: Bei Porsche hat gestern eine neue Zeit begonnen. Mit dem Luxus-Geländewagen Cayenne machen die Stuttgarter einen Riesensprung.

brb/hof FRANKFURT/LEIPZIG. Klein aber fein: Von dieser Strategie hat sich Porsche ein kleines Stück entfernt. Fein wird die Sportwagenschmiede zwar auch in Zukunft bleiben - dafür sorgen allein die Verkaufspreise -, doch die erwarteten Absatzzahlen für den Cayenne lassen den Autobauer in eine neue Dimension wachsen. Von dem mindestens 60 000 Euro teuren Wagen, der im am Dienstag eröffneten Werk in Leipzig vom Band rollt, könnten jährlich bis zu 40 000 Exemplare gebaut werden, rechnen Branchenexperten. Zum Vergleich: Im letzten Jahr wurden insgesamt etwa 54 000 Porsche produziert.

Doch bei allem Neuen bleibt die Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG einer Tradition treu: In der Öffentlichkeit wird vorsichtig agiert, um die Börse mit übertroffenen Prognosen zu erfreuen. So rechnet das Unternehmen offiziell damit, jährlich "mindestens 25 000" der sportlichen Geländewagen zu produzieren. In einem Brief an Zulieferer soll jedoch von deutlich höheren Zahlen die Rede sein. Zumal mehr als 100 000 Interessenten ihre Kaufabsicht bekundet hätten, wie Porsche-Chef Wendelin Wiedeking bei der Eröffnung des 127 Mill. Euro teuren Werkes verkündete.

Mit dem Cayenne, der teilweise mit VW entwickelt wurde, tritt Porsche in Konkurrenz zu Massenanbietern. So gehören der X5 von BMW und die M-Klasse von Mercedes zu den Wettbewerbern. Dennoch wird dem Porsche-Sprössling viel zugetraut, zumal der Markt für geländetaugliche Luxus-Gefährte weiter wächst. So nennt Georg Stürzer, Autoanalyst bei der Hypovereinsbank das offizielle Produktionsziel "eine nette Untertreibung". Der Cayenne wird seiner Meinung zur Triebfeder des Porsche-Geschäfts. Der Umsatz werde von geschätzten 4,7 Mrd. Euro im Geschäftsjahr 2001/02, das am 31. Juli endete, auf mehr als 6 Mrd. Euro in diesem steigen. Noch stärker könne der Vorsteuergewinn auf deutlich mehr als 900 Mill. Euro anziehen. Bei aktuellen Kursen von 485 Euro sieht Stürzer daher Potenzial bis 630 Euro. Henrik Lier, Autoexperte der WestLB, argumentiert ähnlich und traut Porsche in diesem Jahr einen operativen Ergebnissprung von 20 % zu. Überzeugt von Design und Absatzchancen warnt er aber davor, "Probleme in der Anlaufphase eines neuen Modells in einem neuen Werk zu unterschätzen." Erst wenn sich die Vorsicht als unbegründet herausstellen sollte, will er sein ansonsten positives Urteil mit einer Höherstufung (aktuell: "neutral") dokumentieren.

Dagegen wirken die Äußerungen Wiedekings übervorsichtig. Mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr zeigt er sich "gut zufrieden": "Wir werden ein gutes Ergebnis und gute Absatzzahlen präsentieren", sagte er dem Handelsblatt. Im aktuellen Bilanzjahr setzt Wiedeking auf den Erfolg des Cayenne, ohne dass die Modelle 911 und Boxster zurückfallen. "Wir rechnen auch von der Sportwagenseite mit einem sehr ordentlichen Ergebnisbeitrag." Eine Notierung der Porsche-Aktie in New York strebt Wiedeking aktuell nicht an: "Wir schauen uns an, was die SEC diskutiert und warten das Ergebnis ab. Einen Eid auf die Bilanz zu leisten, ist keine wirkliche Lösung", sagte er dem Handelsblatt.

Leicht getrübt wurde die Feststimmung in Leipzig durch eine Diskussion mit der IG Metall. Porsche ist dem sächsischen Arbeitgeberverband nicht beigetreten, um sich höchste Flexibilität bei der Produktion zu bewahren. Mit den 300 Beschäftigten hat die Firma eine Wochenarbeitszeit von 38 plus 2 Stunden mit dem Samstag als normalem Arbeitstag vereinbart, - zum Missfallen der Gewerkschaft ohne Zuschläge. Doch Gunter Kohlbacher von der IG Metall in Leipzig glaubt, dass "sie bald mit Porsche doch noch einen Anerkennungstarifvertrag abschließen kann". Wiedeking erwartet dafür Zugeständnisse.

Quelle: Handelsblatt

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