Mit dem Privatkundengeschäft zufrieden
Ost-Sparkassen glauben an Ertragswende

Der Chef des Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverbands sieht verhalten optimistisch in die Zukunft. Das Einlagengeschäft und die Immobilienfinanzierung bescheren den Instituten im Osten gute Geschäfte.

BERLIN. Flutkatastrophe, Insolvenzwelle, schlechte wirtschaftliche Lage im Osten - die Kreditwirtschaft in den neuen Bundesländern scheint nicht gerade auf Rosen gebettet. Doch der Geschäftsführende Präsident des Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverbands (OSGV), Rainer Voigt, sieht Licht am Ende des Tunnels. "Beim Betriebsergebnis sehen wir Anzeichen für eine Trendwende", sagte Voigt in einem Gespräch mit dem Handelsblatt.

Während das Firmenkreditgeschäft nach wie vor das Sorgenkind der 72 Sparkassen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen ist, stimmt das Geschäft mit den Privatkunden zufrieden. "Unser Einlagengeschäft verläuft überaus freundlich und die Kredite für die Finanzierung selbstgenutzten Wohnraums verzeichnen erfreulich hohe Wachstumsraten", konstatiert Voigt. Doch nicht zu leugnen ist die Tatsache, dass die ostdeutschen Sparkassen seit Anfang der 90er Jahre im Firmenkundengeschäft ein zwei bis drei Mal so hohes Kreditrisiko wie die Schwesterinstitute im Westen tragen. Derzeit wird in diesem Segment kein Wachstum verzeichnet.

Doch die Kosten haben die ostdeutschen Sparkassen offenbar mehrheitlich im Griff. Jüngst listete der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) 30 Sparkassen auf, die bei der Aufwands/Ertragsrelation Vorbildliches leisten. Dabei kommen 13 aus dem Osten. Der DSGV strebt in seinem vor wenigen Wochen verabschiedeten Strategiepapier an, die Aufwands/Ertragsrelation, die jetzt bundesweit bei etwa 70% liegt, innerhalb von drei Jahren auf unter 60% zu drücken. Ende 2002 wird ein knappes Fünftel der ostdeutschen Institute dieses Ziel bereits erreicht haben. Knapp 40% der ostdeutschen Institute liegen derzeit unter der Marke von 65%. "Das ist ein gutes Ergebnis. Wir haben damit bewiesen, dass wir auch in einem schwierigen Umfeld positive Ergebnisse erzielen und als Benchmark dienen können", sagt Voigt.

Auch bei der Eigenkapitalrentabilität sehen sich die ostdeutschen Sparkassen vorn. Verbandsziel ist es, bundesweit die Eigenkapitalrendite vor Steuern innerhalb von drei Jahren auf mindestens 15% zu heben. Bereits jetzt erziele ein knappes Viertel der Sparkassen in den neuen Ländern eine Rentabilität von mehr als 15%, sagte Voigt.

Das Geheimnis des Erfolgs liege in der frühzeitigen Erkennung aufziehender Probleme. "Unsere Strategie, die wir 1999 in Rostock beschlossen haben, deckt sich mit den Vorstellungen des DSGV-Strategiepapiers", bemerkt der Verbandschef. Daher verfügten die ostdeutschen Sparkassen auch über einen Vorsprung im Vergleich zu den Schwesterinstituten im Westen, der allerdings schnell schmelzen könne. "Die ostdeutschen Sparkassen können bundesweit zu Spitzenkonditionen ihr Geschäft in den Zahlungsverkehrszentren von Dresden, Halle und Fürstenwalde organisieren lassen." Weitere Potenziale werden derzeit gehoben. So ist es möglich, im Rahmen des Projekts der "Kreditfabrik" eine Kostenersparnis von 40% durch eine Optimierung der Prozesse und Standardisierung zu erzielen.

Ein Achselzucken hat Voigt für die Vorschläge von Bankenverbandspräsident Rolf-E. Breuer übrig, auch über Fusionen von privaten mit öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten nachzudenken. "Unser einziger Partner in der Fläche sind die Volks- und Raiffeisenbanken." Die privaten Banken hätten sich schlicht zurückgezogen. Voigt bedauert dies. "Uns fehlt jetzt in der Fläche der Wettbewerb, der uns beweglich hält." Auch sei es eher ungesund, wenn ein Kreditinstitut die Risiken in der Region allein zu schultern hat. "Mit dem Rückzug der privaten Banken besteht die Gefahr, dass die Risikodiversifizierungen nicht mehr im notwendigen Umfang stattfinden können", sagt Voigt

.

Keine Sorge hat der Verbandschef, dass mit der Modifizierung der Anstaltslast und Abschaffung der Gewährträgerhaftung die Kämmerer der Kommunen in drei Jahren Kasse machen könnten, indem sie Sparkassen ganz oder teilweise verkaufen. "Uns schlägt eine Welle von Sympathie entgegen. Gerade in Krisenzeiten beweisen die Sparkassen, wie wichtig auch ihre strukurpolitischen Aufgaben sind."

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