Mit der Börse ist der Markt für Wirtschaftsbücher ins Stocken geraten
Wirtschaftstitel sind keine Selbstläufer mehr

Vorbei sind die Zeiten, in der jedes Buch zum Thema Börse ein Verkaufsschlager wurde. Nach dem Ende der Börseneuphorie sind die Anleger auch beim Buchkauf zurückhaltender geworden. Neue Themen sind gefragt, um diese Lücke zu schließen. Verleger von Wirtschaftsliteratur begegnen der neuen Situation mit unterschiedlichen Strategien.

DÜSSELDORF. Die Zahlen sprechen für sich: 4 486 neue Bücher zum Thema Wirtschaft kamen im vergangenen Jahr auf den deutschen Markt, knapp 8 % mehr als 1999. Das sind zwar deutlich mehr als auf dem Gesamtmarkt mit kaum 2,7 %, aber vom rasanten Zuwachs der Vorjahre - 1999 waren es noch 21 % - ist das weit entfernt.

Verkaufte sich vor kurzem noch jedes Buch, das die schnelle Million an der Börse versprach, so halten sich die Leser heute beim Bücherkauf ebenso zurück wie bei den Aktieninvestitionen. Michael Justus, Geschäftsführer vom Wirtschaftsbuchverlag Schäffer-Poeschel, geht sogar noch weiter. "Der Markt für Börsenliteratur ist komplett zusammengebrochen. Wer Ihnen was anderes erzählt, betreibt Schönfärberei", sagt er.

Insgesamt schildert Michael Justus die Lage eher düster. Vom Nachfragerückgang bei Privatleuten sei der auf Fachbücher spezialisierte Verlag nicht so stark betroffen, schränkt er ein. Aber selbst bei wissenschaftlichen Titeln sei der Absatz zurückgegangen. "Es ist erstaunlich, wie sehr sogar Banker sparen." Schäffer-Poeschel setzt daher auf "Nutzwert und solide Themen", auf eingeführte Autoren und auf das Lehrbuchgeschäft, das wegen seiner Unabhängigkeit von der Konjunktur seit jeher das Rückgrat des Verlags bildet.

Bewährte Qualität garantiert Erfolg

Schäffer-Poeschels Top-Titel auf der Buchmesse spiegeln diesen Strategie wider: Mit dem in den USA bereits preisgekrönten Sachbuch "Die strategiefokussierte Organisation" setzt der Verlag auf die Erfolgsautoren Robert S. Kaplan und David P. Norton. Außerdem stehen gleich zwei Neuauflagen bewährter Titel im Mittelpunkt der Messe: "Finanznachrichten lesen-verstehen-nutzen" von Rolf Beike/Johannes Schlütz und das Mankiw-Lehrbuch "Grundzüge der Volkswirktschaftslehre". Von gefragten Themen mag Justus zur Zeit gar nicht reden. Wirtschaftsliteratur verkaufe sich zur Zeit vor allem da, "wo der Gesetzgeber für Nachfrage sorgt", sprich bei Gesetzesänderungen und ähnlichem.

Insgesamt sehen Branchenkenner trotz aller Ernüchterung weiteres Wachstumspotential. Das gilt insbesondere für unterhaltsam umgesetzte Fachinformationen. Eugen Emmerling vom Börsenverein des deutschen Buchhandels, der die Interessen deutscher Buchhändler und Verlage vertritt, bestätigt diesen Trend. Wirtschaftsbücher seien längst nicht mehr nur anstrengende Fachlektüre, sondern werden zur Entspannung mit den Urlaub genommen, begründet er. Der Frankfurter Campus-Verlag setzt unter anderem auf diesen Trend und scheint damit gut zu fahren. "Man spürt, dass das Segment Börse nicht mehr so gut läuft wie vor ein bis zwei Jahren", meint Campus-Sprecherin Margit Knauer. Bodo Schäfers Bestseller "Der Weg zur finanziellen Freiheit" sieht sie jedoch als besten Beweis dafür, dass das Thema Börse längst nicht generell vom Tisch ist. Davon abgesehen bezeichnet sie die Marktaussichten insgesamt als positiv, und räumt besonders der neuen Sparte Wirtschaftsroman große Wachstumschancen ein.

Spannend verpackte Informationen treffen den Zeitgeist

"Ausgezeichnete Fachinformationen in spannender, narrativer Form" - Diese Kombination trifft nach ihrer Aussage derzeit den Zeitgeschmack. Der erste, Eliyahu Goldratts "Das Ziel" war innerhalb weniger Wochen auf den Bestsellerlisten. Im Herbst bringt Campus gleich mit zwei neue Titeln dieser Sparte auf den Markt. Neben einem neuen Buch von Goldratt ist das der Wirtschaftskrimi "Die Euro-Fälscher" von Roel Janssen.

Trotz Konjunkturflaute sind die Themen Management und Berufseinstieg/Karriere im Trend. Das bestätigt auch der Börsenverein des deutschen Buchhandels. Darüber hinaus seien die Themen Finanzierung und Finanzplanung weiter gefragt, so der Börsenverein-Pressechef, Eugen Emmerling. Jetzt liegt der Schwerpunkt auf langfristigen, sicheren Anlageformen.

"Die Seifenblasen-Themen sind weg. Themen mit Substanz haben weiterhin Konjunktur", lautet denn auch Eugen Emmerlings abschließende Einschätzung des Wirtschaftsbücher-Marktes. Das Ende des Aufwärtstrends drohe daher laut dem Branchenexperten keineswegs. Ganz im Gegenteil meint er sogar: "Das Wachstum wird immens sein."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%