Mit der Diskussion über neue Produktgruppen bahnt sich eine Revolution an
Börsenhandel von Indexfonds reizt Institutionelle

Amerika gibt wieder einmal die Richtung vor. Auch in Europa setzt sich das "Going Public" von Fonds durch. Gerade Großinvestoren schätzen die Einsatzmöglichkeiten der Produkte.

ina LONDON. Börsengehandelte Indexfonds finden bei Anlegern immer größeren Zuspruch. Diesen Eindruck vermittelte eine aktuelle Konferenz zu "Exchange Traded Funds" (ETF) in London. Die bisher in USA und Europa angebotenen Produkte scheinen, sofern sie sich auf bekannte Indizes beziehen, insbesondere von institutionellen Anlegern stärker genutzt und im Rahmen kurzfristiger Strategien eingesetzt zu werden. Experten diskutieren jetzt völlig neue Produktideen jenseits der bisher gängigen Aktien-Indexfonds.

Die Grundidee ist kostengünstige Indexfonds wie Aktien zu handeln, und die Order zu einem bekannten Preis abzuwickeln und das während der gesamten Börsenzeiten. Bei traditionellen Investmentfonds, seien es Indexfonds oder aktiv gemanagte Produkte, wird nur einmal täglich ein Preis errechnet. Institutionelle Anleger können ETFs unter anderem für kombinierte Kassa/Terminmarktstrategien einsetzen, was im traditionellen Fondsgeschäft unmöglich ist.

Diese Möglichkeiten locken eine wachsende Zahl von Institutionellen. Laut der Morgan-Stanley-Analystin Deborah Fuhr besaßen Mitte 2000 weltweit nur rund 450 Adressen mindestens einen in USA notierten ETF, im März diesen Jahres waren es bereits über 1 100 Anleger. In dieser Gesamtzahl sind schon knapp 230 europäische Institutionelle vertreten. Im ETF-Ursprungsland USA sind nach mittlerweile zehn Jahren 88,6 Mrd. $ in ETF investiert (Grafik)worden. An insgesamt sechs europäischen Handelsplätzen erreichen die Handelsvolumina zwar nur 6,9 Mrd. $. Allerdings startete das Geschäft erst vor zwei Jahren mit der Einrichtung des ETF-Handelssegmentes an der Frankfurter Börse. Trotz des zeitlichen Nachteils gibt es in Europa bereits jetzt mehr Fondsnotierungen als in den USA.

Das ETF-Geschäft konzentriert sich auf Fonds für bekannte Indizes, sowohl bei Betrachtung der Fondsvermögen als auch der Handelsvolumina an den Börsen. Insbesondere diese Produkte scheinen bei institutionellen Anlegern im Rahmen von kurzfristigen Strategien eingesetzt zu werden, etwa zur schnellen Anlage von Geldern in einem breit angelegten Aktienkorb (dem ETF), zum Hedging, zur Aufbau von Baissepositionen oder zur Arbitrage.

Langfristiges Investment

So interpretiert Peter Jeffreys von Standard & Poor?s Index Services seine Auswertung, bei der er für einzelne Produkte das Fondsvermögen mit dem täglichen Handelsvolumen vergleicht. So werde das Fondsvermögen des in USA notierten ETF auf den US-Aktienindex Russel 3000 nur alle 680 Tage "umgeschlagen". Das deute auf eine Nutzung als langfristiges Investment. Die Handeslvolumina des mit Abstand größten ETF in USA, den an der American Stock Exchange gehandelten Fonds auf den S & P 500 und den Nasdaq 100, erreichten bereits nach 14 bzw. sieben Tagen die jeweiligen Fondsvermögen. Jeffreys: "Das ist ein klarer Hinweis auf den Einsatz im Rahmen von kurzfristigen Strategien." Auf ähnliche Ergebnisse kommt Jeffreys für die beliebtesten Produkte in Europa, etwa den in Frankfurt gehandelten Dax-ETF und den an Euronext notierten Cac-40-Fonds.

Insbesondere in USA gibt es ein starkes Interesse, das ETF-Konzept auf andere Anwendungsbereiche jenseits der Aktien-Indexfonds auszuweiten. Kathleen Moriarty von der New Yorker Anwaltskanzlei Carter, Ledyard & Milburn registriert Interesse seitens der Vermögensverwalter an Fonds auf Anleiheindizes sowie an aktiv gemanagten Aktienfonds. Insgesamt 13 aktiv gemanagte Produkte, bei denen der Fondsmanager durch gezielte Einzeltitelauswahl seine Messlatte zu schlagen versucht, werden bisher nur in Frankfurt notiert. Darüber hinaus gibt es im Aktienbereich weitergehende Gedankenspiele. "Da geht es um Produkte, die ein bestimmtes Vielfaches der Indexperformance bieten, etwa die zweifache S & P-500-Performance", nach oben und nach unten meint Moriarty. Außerdem gebe es Überlegungen zum Handel von Dachfonds und Garantieprodukten. Sogar über ETF auf Rohstoffe werde nachgedacht.

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