Mit der schnellen Schwebebahn aus dem Stau heraus: Chancen und Möglichkeiten des Metrorapid

Mit der schnellen Schwebebahn aus dem Stau heraus
Chancen und Möglichkeiten des Metrorapid

Mit der Magnetschwebetechnologie des Transrapid will das volkreiche Bundesland Nordrhein-Westfalen seine tagtäglichen Verkehrsprobleme im Ballungsraum zwischen Rhein und Ruhr lösen. Als unschlagbar schnelle Super-S-Bahn soll der "Metrorapid" vor allem Autofahrer zum Umsteigen auf den öffentlichen Verkehr bewegen.

DÜSSELDORF. In Zukunft schweben - das ist eine Faszination, die sicher vielen Menschen nicht fremd ist. In einen Zug einsteigen, der nicht rollt, sondern schwebt und dabei eine Geschwindigkeit bis zu 300 Stundenkilometer erreicht: mit dem Metrorapid soll dies für die Menschen in Nordrhein-Westfalen bald Wirklichkeit werden.

Der Metrorapid ist ein technologisches Highlight, aber er ist in erster Linie ein Verkehrsmittel im Nah- und Regionalverkehr.

Mindestens einmal täglich bricht auf einem Zehntel des deutschen Autobahnnetzes der Verkehrsfluss zusammen. Der Staubericht wird zum stündlichen Ritual. Verkehrsexperten erwarten in den kommenden 15 Jahren im Personenverkehr einen Zuwachs von 20 Prozent, im Güterverkehr sogar über 60 Prozent. Nordrhein-Westfalen ist als bevölkerungsreichstes Bundesland mit dem polyzentrischen Ballungsraum an Rhein und Ruhr und als Transitland der europäischen Wirtschaftsverkehre von dieser Entwicklung besonders betroffen.

18 Millionen Menschen sind hier täglich auf Mobilität angewiesen, damit sie ihre Wege für Beruf, Einkauf und Freizeit sicher, bequem und schnell zurücklegen können. Beispielsweise in Essen wohnen und in Düsseldorf arbeiten, das ist für viele Menschen tägliche Routine.

Wir brauchen in Nordrhein-Westfalen innovative Verkehrskonzepte, bei denen alle Verkehrsträger genutzt werden. Das Auto scheint für viele unverzichtbar, einfach deshalb, weil es an Alternativen mangelt. Doch die Straßen sind schon heute überlastet und die räumlichen Ressourcen im Ballungsraum Rhein-Ruhr sind so gut wie ausgeschöpft.

Um den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver zu machen, investieren wir in Nordrhein-Westfalen jährlich rund 1,7 Milliarden Euro.

Der Markt für Nahverkehrsdienstleistungen ist gerade in Nordrhein-Westfalen ein Wachstumsmarkt, und die Nahverkehrsbranche ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor: Ob im Fahrdienst, im Service oder in der bahntechnischen Industrie - das "System Schiene" in NRW zählt rund 120 000 Beschäftigte. Die Politik in Nordrhein-Westfalen verfolgt daher für den Personennahverkehr auf der Schiene zwei gleichwertige Ziele: die Förderung einer zukunftsträchtigen Branche und die Sicherung von Mobilität.

Dabei steht die Schiene nicht allein im Fokus der verkehrspolitischen Planungen. Es geht vielmehr um eine sinnvolle, wirtschaftlich effektive und systematische Vernetzung aller Verkehrsträger. In diesem Netzwerk soll die Schiene Leitstrang sein. Bike & Ride, Park & Ride oder eine direkte Anbindung an die Flughafendrehkreuze - die Schiene verbindet besser als andere Verkehrsträger Busse und Bahnen, Auto, Flugzeug oder Fahrrad miteinander.

In diese Planungsstrategie fällt auch der Metrorapid. Nach dem Scheitern der Planungen für die Strecke Hamburg-Berlin entstand im Düsseldorfer Verkehrsministerium die Idee diese - zu großen Teilen in NRW entwickelte - Technologie für unser Land nutzbar zu machen. Die Skepsis war programmiert: Ein solches Hochgeschwindigkeitsangebot als High-Tech-S-Bahn durch Nordrhein-Westfalen? Doch mit der Vorstudie, der zurzeit laufenden Machbarkeitsstudie und den Planungen, die parallel dazu mit den beteiligten Städten in NRW laufen, rückt der Metrorapid in greifbare Nähe.

Wir wollen ein schnelles, pünktliches und für Jedermann attraktives Nah- und Regionalverkehrsmittel. Der Metrorapid soll im Zehn-Minuten-Takt Dortmund und Düsseldorf über die Hauptbahnhöfe von Bochum, Essen und Duisburg verbinden. Auch der Düsseldorfer Flughafen wird angebunden. Zurzeit gibt es auch Überlegungen, den Flughafen Dortmund und den Hauptbahnhof in Mülheim/Ruhr anzubinden. Im Zuge der laufenden Machbarkeitsstudie werden diese Varianten geprüft. Später soll die Bahn nach Köln und optional Bonn verlängert und über Wuppertal und Hagen zu einer Ringstrecke für den gesamten Ballungsraum erweitert werden.

Selbstverständlich denkt niemand daran, den Bahnverkehr auf der Strecke des Metrorapid einzustellen. Der Metrorapid wird vernetzt und soll die Verkehrsinfrastruktur ergänzen. Wir brauchen die Bahn als Zubringer und als Ergänzung des Metrorapid.

Wichtig ist aber eines: Ganz offensichtlich bieten unsere schon sehr leistungsfähigen Nahverkehrssysteme auf regionalen Distanzen noch kein ausreichend attraktives Angebot. Wenn - um nur ein Beispiel zu nennen - von den fast 300 000 täglichen Einpendlern nach Düsseldorf rund drei Viertel mit dem Auto kommen, dann heißt das, dass wir im öffentlichen Verkehrsangebot der Region etwas tun müssen.

Mit dem Spurtvermögen der Magnetschwebebahn schaffen wir bei 250 bis 300 km/h Reisezeiten, die kein noch so schnelles Auto im Revier einholen könnte. Und zu den herkömmlichen Schienenverbindungen im Revier wird der Metrorapid einen Zeitgewinn von 19 Minuten bringen.

Mit dem Metrorapid setzen wir dafür eine neue Technologie ein, die gleichzeitig mit ihren verkehrlichen Vorteilen - neue Anreize für die wirtschaftliche Entwicklung liefert, - NRW als Technologie-Land präsentiert, - zur Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen beiträgt und - dadurch, dass kein Rollgeräusch entsteht, bei der Geschwindigkeit von 250 bis maximal 300 Stundenkilometer erheblich leiser als die herkömmliche S-Bahn ist.

Diese Vorteile wollen wir nutzen. Der Zeitplan der Landesregierung ist ehrgeizig, aber das Ziel ist zu schaffen. Zur Fußballweltmeisterschaft Mitte 2006 soll der Metrorapid bereits schweben.

Wir sind auf einem guten Weg. Wenn im Januar 2002 die Machbarkeitsstudie das erwartete positive Ergebnis bringt, treten wir in eine neue Phase: die Realisierung!

Ernst Schwanhold ist Minister für Wirtschaft und Mittelstand, Energie und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen.

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