Mit der „Signum Class“ will Opel in der Business-Welt um neue Kunden buhlen
Ein Signum setzt Zeichen

Der Signum soll Opels Image wenden. Das muss eine Idee von Beratern sein. Und deshalb setzten wir zwei Consulter hinters Steuer.

Definiere "solides Mittelmaß": "Opel" fällt da den Autofreunden schnell ein. Bescheidenheit, kein Hauch von Luxus, praktisch, preiswert - langweilig. Doch in Zeiten, da aus Ausflügen Events und aus Umtrünken Get-Togethers werden, reicht es nicht, der Mittelmäßigste im Land zu sein. Selbstbewusst erklärten die Rüsselsheimer ihr neues Modell Signum gleich zur eigenen Klasse. Mit der "Signum Class" will Opel in der Business-Welt um neue Kunden buhlen. Da waren wohl Marketingberater am Werk. Und weil das so ist, sollen auch zwei Consulter den Signum testen: Birgit Felden und Markus Kraemer, Vorstände der Köln-Hamburger TMS Unternehmensberatung.

Skeptische Blicke: Taugt der Signum als Firmenwagen für die rund 20 Mitarbeiter starke Mannschaft der Mittelstandsberatung? Oder als Dienstlimousine für die beiden Chefs? Ohne sich lang mit Äußerlichkeiten aufzuhalten, steuert Felden auf die Tür der Fahrerseite zu, steigt ein, greift zur elektrischen Sitzeinstellung und startet den Motor. Ihr Partner hat derweil auf dem Beifahrersitz Platz genommen. Er überlässt der TMS-Gründerin und heutigen Vorstandschefin das Steuer. Sein erster Griff gilt dem Navigationssystem.

Felden und Kraemer bilden auch im Auto ein funktionierendes Team: Die beiden fragen nicht, sie fahren los. Immerhin verbringen sie zusammen mehr als 100 000 Kilometer pro Jahr auf deutschen Straßen. "Fährt sich auf Anhieb gut", findet Felden. "Von außen wirkt er ein bisschen klobig." Der beifahrende Vorstandskollege, dem der "sportliche", kombiähnliche Umriss mit der hohen Schulterlinie gefällt, hat derweil die Zieleingabe des Autopiloten erreicht: "Ich teste mal den Wegvorschlag nach Marburg."

Während die Streckenberechnung läuft, schnell ein Blick ins Handschuhfach: "Da passt noch was rein", findet Kraemer - in neuen Autos keine Selbstverständlichkeit. Reichlich Stauraum gibt?s im neuen Opel auch unterm Dach. Fünf Klappfächer sind in einer vom Rückspiegel in den Fond laufenden Konsole untergebracht. Die Testpiloten sind allerdings ratlos, was man in den weit öffnenden Fächern gefahrlos unterbringen kann. "Eine ordentliche Streckenführung", bescheinigt Kraemer derweil dem elektronischen Navigator. Auch der Fahrersitz, mit eingebauter Heizung und Kühlung, bekommt Pluspunkte: "Sehr gut geformt und mit verstellbarer Lordosenstütze. Das ist vorbildlich", goutiert Felden. Abzug gibt?s von ihr für die Belüftung: "Die Klimaanlage zieht."

Als geschmacklichen Ausrutscher empfinden beide die reichlich in Armaturenbrett und Türverkleidungen eingesetzten Zierleisten aus Schildpattdekor - ein Serienmerkmal der Modellvariante Cosmo. Kraemers abschließendes Fazit zum Cockpit ist aber positiv: "Alles wirkt sehr ordentlich verarbeitet. Und das Plastik kann durchaus mit der E-Klasse mithalten."

Höchste Zeit, das Innenleben im Fond zu inspizieren. Also auf den Parkplatz, die extragroßen hinteren Türen auf und reingeschaut in den laut Prospekt "längsten Fahrgastraum der Mittelklasse". Felden und Kraemer staunen nicht schlecht: Zwei lederne Einzelsitze mit Sitzheizung, die sich unabhängig voneinander um 13 Zentimeter in Längsrichtung verschieben, die Rücklehnen kann man um 30 Grad nach hinten kippen. Wird der Beifahrersitz noch ganz nach vorn verschoben, entsteht hinten rechts ein Sitzplatz, der so groß ist wie im Flugzeug in der Business Class.

Zwischen die Sitze montiert Opel auf Wunsch eine voluminöse Reisebox: Der "Travel-Assistant" fasst einen kleinen Kühlschrank, zwei Klapptischchen, Stromanschlüsse, Getränkehalter und die Halterung für einen DVD-Spieler. Wird der Kasten entfernt, ist Platz für einen fünften, maximal 75 Kilogramm schweren, Passagier.

"Die Sitze sind tatsächlich mit einer Hand umgeklappt", lobt Felden die leichtgängige Mechanik. Ihr Partner hat allerdings Bedenken, ob der Aufwand mit der Einzelbestuhlung in der zweiten Reihe für die Praxis lohnt: "In Wahrheit ist es doch so: Keiner will hinten sitzen. Und wenn man mal zu viert unterwegs ist, nimmt man garantiert zwei Autos." Da alternativ aber ein vollständig ebener Laderaum mit bis zu 1 410 Litern entsteht, mit dem der Signum im zusammengeklappten Zustand sogar den Audi A4 Avant um mehr als 200 Liter übertrumpft, findet auch Kraemer Gefallen an Opels neuem Innenraumkonzept.

Auf der Rückfahrt zur TMS-Zentrale überrascht die Antwort auf die Preisfrage angenehm: Ab 23 000 Euro steht der Signum mit kleinster Maschine im Katalog. Die Top-Ausstattung des Testmobils addiert sich mit dem solide bestückten 211 PS starken V6-Motor inklusive Automatikgetriebe, Navigationssystem, CD-Wechsler und integrierter Telefoneinheit nach Liste auf rund 37 000 Euro. Das sind Mittelklassepreise wie bei A4, 3er oder C-Klasse - bei deutlich mehr Platz im Heck.

Dem Audi A4, der bei der TMS AG als Dienstwagen im Einsatz ist, sei der Signum damit eindeutig überlegen, fasst Kraemer zusammen, der auf der Rückfahrt das Steuer übernommen hat: "Bei dem Preis ist das Auto eine Alternative."

Quelle: Handelsblatt

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