Mit der Übernahme der italienischen Montedison setzt der französische Stromriese seine Expansionspolitik fort
Analyse: EdF braucht die Privatisierung

Der staatliche französische Strommonopolist Electricité de France (EdF) ist mittlerweile durch eine aggressive Übernahmestrategie im Ausland zum größten Elektrizitätsversorger der Welt geworden. Größenvorteile, kostengünstiger Erzeugungsmix aus Kernkraft- und Wasserkraftstrom, weit gehende nationale Abschottung und langjährige staatliche Förderprogramme - all dies begünstigt eine internationale Expansionsstrategie.

HB. Während sich die Einstiege in die beiden Alpenrepubliken Österreich und Schweiz sowie die Engagements in Großbritannien noch relativ reibungslos vollzogen, löste der teilweise Erwerb des drittgrößten deutschen Elektrizitätsversorgers Energie Baden- Württemberg AG (EnBW) bereits eine intensive Diskussion über staatliche Privilegien der EdF aus. Nun sorgen die Engagements in Spanien (über die Tochter EnBW) und die gestern erfolgte Übernahme der italienischen Montedison für politische Verwicklungen. Das von Brüssel ursprünglich favorisierte Konzept schrittweiser Öffnungen der Strommärkte in der Europäischen Union (EU) steht auf dem Prüfstand.

Paris hat bisher lediglich zugelassen, dass die industriellen Großkunden ihre Stromlieferanten europaweit aussuchen können. Doch noch lassen unheilige Allianzen zwischen Wirtschaft und Politik in der französischen Elektrizitätsversorgung keine breit angelegten Wettbewerbsvorstöße durch ausländische Firmen zu.

Dagegen kann EdF im Ausland ohne Beschränkungen wachsen. Nach den Planungen in Paris sollen in der zweiten Hälfte dieser Dekade bereits 50 % und mehr der Stromumsätze auf ausländischen Märkten in Europa, Lateinamerika und Asien erwirtschaftet werden. Auch wenn die Absatzvorsprünge vor den wichtigsten Konkurrenten aus Deutschland (Eon, RWE), Italien (Enel) und Schweden (Vattenfall) in den nächsten Jahren verringert werden, bleibt EdF erst einmal ungefährdet weltweit die Nummer eins.

Doch werden sich in den nächsten Jahren Liberalisierung und Globalisierung der Energiemärkte beschleunigen. Bis zum Jahr 2005 sollten nach den Vorstellungen der EU-Kommission alle Strom- und Gasmärkte in der Gemeinschaft vollständig geöffnet werden. Auch Frankreich wird die vollständige Liberalisierung kaum verhindern können. Energieversorger, die Strom und Gas aus einer Hand präsentieren - wie zum Beispiel Eon und RWE -, besitzen dann größere Flexibilitäten als solche Unternehmen, die nur auf Strom fokussiert sind. EdF muss zudem ihren Stromerzeugungsmix stärker diversifizieren und ihren Stromhandel ausbauen.

Als staatliches Unternehmen bekommt Frankreichs Stromgigant zudem keinen Zutritt auf dem mit Abstand größten Energiemarkt der Welt, den USA. Gerade in den Vereinigten Staaten sind aber die Wachstums- und Ertragsaussichten im Stromgeschäft außerordentlich günstig. Der Einstieg in Nordamerika muss aber rasch geschehen, wird es in den nächsten Jahren doch im Zuge der Liberalisierung des US-Strommarktes eine Konsolidierung unter den recht kleinen Anbietern geben.

EdF ist für den geplanten internationalen Expansionskurs aber noch anderweitig gehandicapt: Ohne Privatisierung und Börsengang fehlen längerfristig die notwendigen milliardenhohen Finanzierungsmittel für Unternehmensübernahmen. Erst eine vollständig privatisierte EdF wird auch dauerhaft die Nummer eins im weltweiten Stromgeschäft bleiben können. Ob aber in Frankreich die politische Wende zu Gunsten einer Privatisierung rechtzeitig eingeläutet wird, ist derzeit völlig offen. Deshalb wird die Globalisierungsstrategie der EdF auch offene Flanken behalten. Für die Franzosen steht eine große Bewährungsprobe auf einem Wettbewerbsmarkt erst noch bevor.

Während die privaten Konkurrenten im Ausland unter großem Leistungsdruck stehen, der nachhaltige Innovationsanreize schafft, neigen monopolistische Unternehmen in staatlicher Hand zu langatmigen Entscheidungswegen mit eher konservativer Ausrichtung.

Zweifellos besitzt die EdF aber auch Trümpfe. Durch den hohen Anteil von Kernkraft- und Wasserkraftstrom kann der Anteil von Kohlendioxid(CO2)-Emissionen minimiert werden. Dies entspricht der internationalen Zielsetzung, den Ausstoß klimarelevanter Spurengase zu begrenzen. Zudem geht im Gegensatz zur deutschen Konkurrenz in Frankreich kerntechnisches Know-how nicht verloren. Hinzu kommt, dass langfristig angelegte Investitionsentscheidungen auch durchgehalten werden können, wenn der staatliche Eigentümer einmal überzeugt worden ist. Private Energieunternehmen stehen dagegen unter Druck, ihre Aktionäre ständig neu überzeugen zu müssen. Einem staatlichen Unternehmen bleibt der amerikanische Markt verschlossen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%