Mit der Volkswagen Direktbank plant Girokonto für Kunden
Autobanken setzen erfolgreich auf Kapitalanlagen

Wer auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt sein neues Traumauto entdeckt und sich bei einer Autobank über einen Kredit informiert, findet auch dort Innovationen. Die Spezialisten erschließen sich inzwischen vermehrt mit Kapitalanlageprodukten neue Geschäftsfelder.

Reuters FRANKFURT. BMW Financial Services bietet zum Beispiel seit Ende Juli fünf Fonds an, deren gesamtes Anlagevolumen bereits über 80 Mill. DM beträgt. Die Daimler-Chrysler Bank hat eine Vollbanklizenz beantragt und plant neben eigenen Versicherungsprodukten auch Kapitalanlageprodukte anzubieten. Bei der Volkswagen Direktbank können die Kunden schon heute ein Sparkonto für das erste Auto der Kinder anlegen und künftig auch ihr Girokonto führen.

"Ziel des Ausbaus der Daimler-Chrysler Bank zur Vollbank ist, die Kundenbindung zu fördern", sagt deren Sprecher Harald Bertsch. Bereits heute würden von Privatkunden neben der Autofinanzierung auch andere Finanzdienstleistungen nachgefragt. Die Einführung von Auto-Ansparplänen, Tagesgeldkonten und auch Investmentfonds sei für das Jahr 2002 geplant. Vertrieben würden diese Produkte via Online-Banking und Callcenter. "Das Autohaus wird nicht zur Bankfiliale, wir werden diese Leistungen zwar auch über die Händler anbieten, aber nicht vertreiben", sagt Bertsch.

BMW Financial Services bietet auch Fonds an

Konkrete Erfahrungen mit Kapitalanlageprodukten hat BMW Financial Services gesammelt. Die BMW Bank bietet ihren Kunden neben Tagesgeld, Festgeld und anderen Einlageformen auch Fonds an, die von der Fondsgesellschaft Frank Russel speziell für BMW aufgelegt worden sind. Seit dem 30. Juli haben rund 4 000 Kunden über 80 Mill. DM in die Fonds investiert. "Diese große Resonanz hat uns sehr überrascht, denn das war das Ergebnis einer einzigen Mailing-Aktion", sagt Max Plank, Leiter des Fachbereichs Fonds bei BMW Financial Services. Kunden dieser Anlageform seien überwiegend erfahrene Anleger. Die BMW Bank bietet Fondskunden je nach Zeichnungsvolumen gestaffelte Ausgabeaufschläge. Dabei kann die Bank Anleger darauf hinweisen, dass zum Beispiel der einzige reine Aktienfonds im Angebot, der MultiManager Fonds ML 5, seit seiner Auflage besser abschneidet als etwa der Dax. Doch wer zur Erstausgabe Ende Juli in den Fonds investiert hat, hat seitdem 17 % Verlust gemacht.

Mit günstigen Konditionen will die Volkswagen Bank Anleger überzeugen, ihr Geld bei der Autobank, statt bei ihrer Hausbank anzulegen. "Bei Rankings werden sie uns immer im oberen Drittel finden", sagt die Pressesprecherin Heike Löffler. Online-Kunden zahlt die Volkswagen Bank zum Beispiel 3,45 % Zinsen für 5000 ? Tagesgeld. Im Vergleich mit anderen Direktbanken liegt sie allerdings knapp unter dem Durchschnitt. Seit 1999 vermittelt die Volkswagenbank auch ADIG-Investmentfonds. Hier spare der Autobankkunde gegenüber einer Anlage bei Adig direkt beispielsweise die Depotgebühr. Ziel der Bank sei es aber nicht nur, Kunden von Volkswagen zu binden, sondern auch Bankkunden an die Automarke heranzuführen. Etwa ein Viertel der Kunden seien "Fremdmarkenfahrer", sagt Löffler. Diese sähen die Volkswagen Bank nicht nur als Autobank, sondern als vollwertige Direktbank. Vollbank ist das Institut seit 1990.

Die Opel Bank will eine Spezialbank bleiben

Ebenfalls schon längere Erfahrung als Vollbank hat die Ford Bank, sagt deren Marketingleiter Kai Broich. Allerdings biete das Institut Bankdienstleistungen wie Girokonten oder Einlagen bislang nur dem Händlernetz an. Mit dieser Erfahrung sei es vorstellbar, auch Endkunden neben der Autofinanzierung weitere Leistungen anzubieten. "Kreditkarten oder auch Einlagen sind in der Diskussion aber ich sehe uns damit weder dieses noch nächstes Jahr auf den Markt gehen", sagt Broich.

Ablehnend steht die Opel Bank der Vollbankidee gegenüber. "Wir verstehen uns als Spezialbank rund ums Blech und wollen nicht mit anderen Banken in den Wettbewerb treten", sagt der Marketingleiter der Opelbank, Volker Neu. Dieser Schritt sei mit Investitionen und Folgekosten verbunden, die Opel seinen Kunden nicht zumuten wolle. "Außerdem glauben wir nicht, dass die Masse der Opel-Kunden automatisch auch potenzielle Festgeldkunden sind - bei anderen Automarken mag das anders aussehen", sagt Neu.

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