Mit der "Wassermann-Philosophie" Liegezeiten reduzieren: Kürzere Durchlaufzeiten garantiert

Mit der "Wassermann-Philosophie" Liegezeiten reduzieren
Kürzere Durchlaufzeiten garantiert

Otto Wassermann, 63, und die rund 80 Mitarbeiter seiner Münchner Wassermann AG sind angetreten, die Logistik in der Wirtschaft zu verändern. Für sich selbst hat Wassermann das Wort Logistik durch Supply Chain Management (SCM) ersetzt, weil damit die gesamte Leistungs- und Lieferkette in den Blick gerät: von den Lieferanten über die internen Unternehmensabläufe bis hin zu den Abnehmern der fertigen Produkte.

MÜNCHEN. Erst wenn die Supply Chain insgesamt optimiert und alle Material- und Informationsflüsse synchronisiert sind, sei die Logistik auch logisch organisiert. Darauf zielt die "Wassermann-Philosophie" ab.

Ein Schlüsselbegriff für Otto Wassermann ist das Paradigma, das, vereinfacht ausgedrückt, grundlegende Annahmen darüber bezeichnet, was real ist, die Wirklichkeit ausmacht. Im einfachsten Fall ist das eine Sammlung von Regeln und Vorschriften, die schlicht einzuhalten sind. Sonderlich fortschrittsfördernd sind diese Festschreibungen selten. Der "Paradigmaeffekt", so Wassermann, mache blind und blockiere das Neue. Der Wissenschaftstheoretiker Thomas Kuhn sprach vom "Paradigmenwechsel", ohne den zumindest keine revolutionären Fortschritte möglich seien. Schon die Chancen dafür blieben verborgen, wenn man sich nicht, so Kuhn sehr anschaulich, eine neue Denkbrille aufsetze.

Wassermann hält einen schockierenden Befund bereit, der die Augen öffnet und nach einer neuen Brille verlangt. In seinem Buch "Das intelligente Unternehmen", dessen 4. Auflage kürzlich im Springer Verlag erschienen ist, lautet dieser kurz und bündig: "Über 95 % der Materialdurchlaufzeiten sind Liege- und Wartezeiten." Wie ist das möglich, fragt man sich da, bei so viel verbreitetem Logistikwissen, elektronisch gesteuerten Geschäftsvorgängen und Angeboten, die mit logistischen Spitzenleistungen werben?

Einige Antworten darauf von Wassermann: Es fehlt die durchgängige Prozessverantwortung, die tatsächlichen Prozessabläufe sind unvollständig beschrieben, die Lagervorgänge so gut wie gar nicht. Es mangelt an Transparenz des Geschehens, die Auswirkungen von Engpässen und plötzlichen Kundenwünschen beispielsweise erkennen lassen sollte. Von einem realistischen Abbild der Zukunft ganz zu schweigen. Der rein physische Materialfluss funktioniere, aber an seinen Schnittstellen entstünden oft große Verluste durch Informationsmangel und eine insgesamt schlechte Prozesssteuerung.

Dreh- und Ansatzpunkt der Wassermann-Philosophie sind die Liegezeiten der Waren und die säumige Auftragsabwicklung; der Angriff auf das "5 zu 95-Gesetz": Wenn es gelingt, die Liegezeiten auch nur um wenige Punkte z.B. auf 90 % zu verkürzen, wird behauptet, sinken "systemimmanent" die Durchlaufzeiten um etwa 50 %, die Kapitalbindung in aktiven Vorräten vermindere sich um die Hälfte und das Bestandsrisiko gehe auf ein Viertel zurück. Wer sich von der Wassermann AG beraten und bis zur Implementierung von deren SCM-Konzept begleiten lässt, dessen Investitionen amortisieren sich in deutlich weniger als einem Jahr. Unterstrichen wird diese stolze Behauptung dadurch, dass die Verträge auch auf Erfolgsbasis angeboten werden.

Die herausragenden praktischen Resultate sind: drastisch verringerte Durchlaufzeiten, reduzierte Lagerbestände, verlässliche Lieferzusagen und eine bessere Nutzung der Ressourcen im Verlaufe der Supply Chain. Diese kann wenige oder viele Partner, auseinander liegende Betriebe eines Unternehmens oder globale Geschäftsverbindungen umfassen.

Das Werkzeug zur Planung, Steuerung und Optimierung von unternehmensinternen und unternehmensübergreifenden Supply Chains hat sich die Wassermann AG mit der modular aufgebauten und an praktisch alle Bedürfnisse anpassbaren High-Way-Software- Familie selbst geschaffen. Jeder Schritt ist streng prozessorientiert.

Zusammen mit ihrer Muttergesellschaft, der schweizerischen Swisslog Holding AG, werden mittlerweile weltweit in 26 Ländern Komplettlösungen angeboten, zu denen auch Förder- und Automatisierungstechnik sowie die Optimierung des physischen Materialflusses gehören können. Alles beginnt mit der computergestützten Analyse des Ist-Zustandes und der höchst einsichtigen und detaillierten Darstellung der Verhältnisse an allen Punkten einer Supply Chain. Die Simulation aller Abläufe - und der so kostspieligen Liegezeiten der Waren, während denen buchstäblich nichts läuft - zeigt darüber hinaus eindrucksvoll, wo die schwachen Glieder einer Kette sitzen.

Rund hundert Unternehmensleitungen haben bislang erkannt, was Not tut und durchgesetzt, dass die Wassermann-Philosophie in die Tat umgesetzt wird. Mittelständische Maschinenbauer waren die Ersten, gefolgt von Zulieferern der Automobilindustrie und Produzenten gehobener Gebrauchsgüter. Inzwischen gehören zu den Wassermann-Referenzkunden Unternehmen der Chemie- und Pharmaindustrie, der Holzindustrie, der Hochfrequenz- und der Wehrtechnik.

Die High-Way-Software verbleibt beim Kunden als zentrales Steuerungsinstrument der Supply Chains. Sie verhilft zu deren ständiger Optimierung sowie zur Reaktionssicherheit auf Veränderungen bei der Warenanlieferung und kurzfristig geäußerten Kundenwünschen oder-forderungen. Weil alle Abläufe transparent sind, ist auch die Zukunft simulierbar. Sie wird befriedigend und nach dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit beherrschbar.

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