Mit drohender Pleite des Holzmann-Konzerns Ende 1999 geriet die Bank in die Schlagzeilen.
Deutsche Bank setzt nach geplatzter Fusion auf das Massengeschäft

ddpFRANKFURT/MAIN. Wechselhafte Monate hat die Deutsche Bank hinter sich, die für Donnerstag nach Frankfurt am Main zu ihrer Halbjahrespressekonferenz eingeladen hat. Die Beinah-Pleite des Philipp-Holzmann-Konzerns, die geplante und schließlich geplatzte Fusion mit der Dresdner Bank, die Ankündigung von umfangreichen Investitionen im Internet-Geschäft oder der geplante Ausbau des Privatkundengeschäfts ließen die Kurse springen.



In die Schlagzeilen geriet die Deutsche Bank Ende 1999 im Zusammenhang mit der drohenden Pleite des Holzmann-Konzerns. Die belgische Finanzholding Gevaert drohte im Februar eine Klage auf Schadensersatz gegen die Holzmann-Hausbank an. Gevaert war zum Jahreswechsel 1998/1999 bei Holzmann eingestiegen und hatte für einen Anteil von 30,4 Prozent 400 Millionen Mark bezahlt. Nach aktuellem Holzmann-Kurs war dieses Paket aber nur noch 100 Millionen Mark wert. Zehn Prozent der Aktien hatte Gevaert von der Deutschen Bank erworben. Gevaert beschuldigte die Deutsche Bank, schon vor dem Auftauchen der Verluste von 2,4 Milliarden Mark und der folgenden Überschuldung des Holzmanns-Konzerns, von der Schieflage gewusst zu haben. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Deutsche Bank-Vorstand Carl von Boehm-Bezing seinen Posten als Aufsichtsratschef von Holzmann. Die Deutsche Bank ist nicht nur Hauptgläubigerin, sondern mittlerweile auch größte Aktionärin des Holzmann-Konzerns.



Anfang März tauchten erstmals Gerüchte über eine «umfangreiche Zusammenarbeit» von Dresdner und Deutscher Bank auf. Aus der umfangreichen wurde eine enge Zusammenarbeit und schließlich eine geplante Fusion zum größten Geldhaus der Welt. Die angestrebte «Fusion unter Gleichen» scheiterte nur einen Monat später. Die Dresdner Bank gab als Grund Differerenzen über die Zukunft ihrer Investmentbank Dresdner Kleinwort Benson an. Die Deutsche Bank hatte entgegen ursprünglicher Ankündigung auf einen Verkauf von Kleinwort Benson gedrängt. Eine Fusion unter Gleichen? - Dresdner-Bank-Chef Bernhard Walter nahm seinen Hut. Der Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer blieb. Der gescheiterte Zusammenschluss bescherte der Dresdner deutliche Verluste, die Deutsche Bank erwirtschaftete im ersten Quartal ein Rekordergebnis. Der Gewinn vor Steuern stieg gegenüber dem Vorjahr um 76,3 Prozent auf 1,637 Milliarden Euro.

Deutsche Bank zum Jahresende 1999 das größte deutsche Finanzinstitut

Die Deutsche Bank ist mit einer Bilanzsumme von 840 Milliarden Euro zum Jahresende 1999 das größte deutsche Finanzinstitut. Der Gewinn aus den weltweiten Aktivitäten des Konzerns stieg um rund 50 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Erstmals in den Berechnungen enthalten war der Beitrag der US Bankers Trust, -Investmenttochter die die Deutsche Bank 1998 für rund 10,1 Milliarden US-Dollar gekauft hatte. Die Verwaltungskosten stiegen 1999 um 55 Prozent auf 15,7 Milliarden Euro. Um dem entgegen zu wirken, setzt die Deutsche Bank zunehmend auf das Internet und die Ausdünnung ihres Filialnetzes. So kündigte das Unternehmen zu Jahresbeginn an, die Zahl der Deutsche Bank 24 (DB 24) Filialen um 300 auf 1 200 zu verringern. Die Mitarbeiterzahl der DB 24 wird sich hierdurch um 1 200 verringern. Weltweit beschäftigt die Deutsche Bank rund 75 000 Mitarbeiter.



Doch Breuer will noch mehr: Nach der Kooperationen mit Nokia, Mannesmann und mit der Internetfirma Yahoo schloss die Deutsche Bank im Februar eine Kooperation mit SAP, dem Weltmarktführer für betriebliche Standard-Software, und dem Internet-Anbieter AOL Europe. Mehr Online-Kunden soll eine gemeinsame Plattform von DB 24 und AOL bringen. Mit SAP sollen gemeinsame Marktplätze im Internet aufgebaut werden und Finanzprodukte und andere Dienstleistungen angeboten werden. Zusätzlich geht die Deutsche Bank Marketing-Partnerschaften mit dem Medienkonzern RTL, dem Internetanbieter Lycos und der spanischen Bank La Caixa ein. Diese sollen das für dieses Jahr geplante Finanzdienstleistungsportal für Privatkunden, moneyshelf.com, unterstützen. Breuer kündigte an, in den kommenden Jahren jährlich bis zu einer Milliarde Euro in Internetaktivitäten investieren.



Um seine Bank zum «besten Finanzdienstleister der Welt» zu machen, reicht Breuer das aber scheinbar nicht aus. Auf der Hauptversammlung im Juni sagte er, die Deutsche Bank sei weiter auf der Suche nach Partnerschaften und Kooperationen. Anfang der Woche wurde bekannt, dass die Deutsche Bank eine grundlegende Neugestaltung ihres Privatkundengeschäfts plant. Die bisher weitgehend unabhängig geführten Landesgesellschaften etwa in Italien, Spanien und Belgien sollen künftig der DB 24 unterstehen. Mit der Bündelung der Auslandsaktivitäten des Konzerns unter dem Dach der DB 24 sind offenbar Pläne vom Tisch, diese auszugliedern und schrittweise an die Allianz zu verkaufen. Nach den ursprünglichen Fusionsplänen hatte die Allianz als Großaktionärin der Dresdner Bank zunächst 49 Prozent an der DB 24 übernehmen sollen. Nähere Einzelheiten gibt die Bank am Donnerstag in der Pressekonferenz bekannt.

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