Mit einem Oberklasse-Modell das Image anheben
So elegant war noch kein Skoda

Skoda hat sich in den letzten zehn Jahren von einer Billig- zur Wertmarke gewandelt. Nun soll auch die Oberklasse erobert werden. Mit dem neuen Superb will die tschechische VW-Tochter an ihre Vorkriegstradition anknüpfen.

pha PRAG. Mit einem Hauch klammheimlicher Genugtuung wechselt in gut vier Wochen Wilfried Bockelmann vom Posten des Skoda-Technikvorstands auf den wesentlich heißeren Stuhl des VW-Markenvorstands für Technische Entwicklung. Lohn für eine hervorragende Kärrnerarbeit? Immerhin ist es Bockelmann in den zurückliegenden zehn Jahren gelungen, Skoda mit gescheiten Produkten von der Traditionsmarke ohne Zukunft zur Zukunftsmarke mit Tradition zu wandeln.

Das neue Oberklassemodell der vormals miefigen Ostmarke, der Superb, steht ganz besonders für diese Entwicklung. Sein dezenter Premiumauftritt mit hohen Qualitätsmerkmalen, die komfortbetonte Fahrzeugauslegung mit viel Bewegungsfreiheit auf allen Plätzen sowie das elegante Design sind der vorläufige Höhepunkt einer Markenkarriere. Noch vor wenigen Jahren hätte niemand Skoda das zugetraut. Dazu hat ihr die Mutter VW alles mitgegeben, was gut und teuer ist, vor allem aber in Wilfried Bockelmann jenen cleveren Entwicklungsvorstand.

Der VW Passat, auf dessen Genen der Superb aufbaut, ist nicht gerade ein rücksitzorientiertes Auto. Der große Skoda aber soll auch als Luxuslimousine beziehungsweise Staatskarosse für osteuropäische Länder in Betracht kommen. Bockelmann richtete also sein Interesse auf die um zehn Zentimeter verlängerte China-Version des Passat, die der Superb-Karosserie üppige Kniefreiheit im Fond beschert. Erfreulicher Nebeneffekt: Das Wachstum vor allem beim Radstand tut auch der gesamten Silhouette gut. Skoda-typische Stilmittel, wie die "schönste Schnauze im ganzen VW-Konzern" (Ferdinand Piëch), die modernen High-Tech-Leuchten sowie die bulligen, in Wagenfarbe lackierten Stoßfänger tragen zu einem weitgehend eigenständigen Erscheinungsbild bei.

Im blitzsauber verarbeiteten Innenraum empfängt die Passagiere eine gediegene Wertanmutung - bis hin zu Holz und Leder in den höheren Ausstattungspaketen. Eine manuell geregelte Klimaanlage, sechs Airbags, elektronisches Fahrstabilitätsprogramm (ESP), Zentralverriegelung sowie getönte Verglasung und eine Beleuchtung, die nach dem Aussteigen noch weiter brennt, damit die Superb-Reisenden den Weg zur Tür finden, gehören zur Grundausstattung. Gegen Aufpreis gibt es natürlich auch so zeitgemäße Zutaten wie ein Navigationssystem oder pfiffige "Bockelmann"-Erfindungen wie das vorklappbare Mittelpolster im Beifahrersitz zum bequemen Hindurchstecken der Beine oder ein wasserdichtes Fach für den Regenschirm in der hinteren Türverkleidung.

Die fünf erhältlichen Vier- und Sechszylinder-Motoren des Fronttrieblers (drei Benziner, zwei Diesel) bieten ein Leistungsspektrum von 115 bis 193 PS. Alle Triebwerke sind aus anderen Konzernmodellen bekannt. Für die beiden Sechszylinder, darunter ein Turbodiesel mit Direkteinspritzung (TDI) mit 155 PS, steht der Fünfgang-Tiptronic-Getriebeautomat zur Verfügung. Mit dem stärksten Motor, der leise und kraftvoll zu Werke geht, läuft nun auch ein Skoda stattliche 237 km/h. Und dies auf sehr komfortable Weise. So, als wäre die Marke immer schon in diesem Segment vertreten gewesen.

Zumindest bis in die 40er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts war sie das auch. Die erfolgreiche Geschichte der Marke in den oberen Klassen erreichte 1938 mit einem Superb den damaligen Höhepunkt. Die Qualitäten des neuen Superb, dessen Verkauf im März zu einem Einstiegspreis von 22 390 Euro startet, lassen die strategische Absicht des Volkswagen-Konzerns erkennen. Skoda wird innerhalb der klassischen Säule immer mehr in die einstige Rolle von VW manövriert - als qualitativ hochwertige Einsteigermarke.

Rund 22 000 Superb sollen noch in diesem Jahr verkauft werden, davon 7000 in Deutschland, wo die VW-Tochter ja ebenfalls einen bemerkenswerten Aufstieg vollzogen hat. Im nächsten Jahr sollen dann 32 000 Oberklassemodelle die Marke Skoda erstmals über die Schwelle von 500 000 verkauften Fahrzeugen hieven.

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