Mit einstweiliger Verfügung
Bernhardt klagt sich ins Olympia-Team

Der "Fall Vipa Bernhardt" hat die Wellen beim Deutschen Schwimm-Verband und dem Deutschen Olympischen Sportbund (Dosb) knapp einen Monat vor Olympia in Peking hochschlagen lassen. Zwar hat der DSV die Frankfurterin am Dienstag zähneknirschend zur Nominierung beim Dosb vorgeschlagen und ist damit der Einstweiligen Verfügung im Eilverfahren durch das Landgericht Kassel gefolgt, doch Dosb-Präsident Thomas Bach machte aus seinem Unmut keinen Hehl.

"Ich habe es noch nie erlebt, dass eine Athletin versucht, unter Hinweis auf Formfehler eine Kollegin aus der Mannschaft zu boxen", sagte Bach bei der dritten Nominierungsrunde des Dosb in Kienbaum. Die Präsidialkommission wird bis zum 20. Juli eine Entscheidung treffen - prominentes Opfer könnte dann Anne Poleska werden.

Der Dritten von 2004 in Athen wird zur Last gelegt, dass sie mehrfach in den USA für den Coral Springs Swimclub an den Start gegangen ist. Nach den Statuten des DSV, die nur Starts in ausländischen Schul- oder Hochschul-Teams zulassen, wäre die Krefelderin demnach bei der Olympia-Qualifikation in Berlin, wo sie sich eigentlich zusammen mit Sarah Poewe vor Bernhardt das Olympia-Ticket über 200m Brust gesichert hatte, nicht startberechtigt gewesen.

Doch Poleska ist sich keiner Schuld bewusst. "Ich sehe mich komplett im Recht und habe mir nichts vorzuwerfen. Ich habe keine Angst, Olympia zu verpassen", sagte die ehemalige Aktivensprecherin beim Tag der offenen Tür des DSV-Teams in Berlin, der durch den juristischen Streit überschattet wurde. Nach ihren Angaben hat sie die Starts mit dem Zusatz "vereinslos" absolviert.

Während sich sowohl Dosb-Generalsekretär Michael Vesper als Chef de Mission der deutschen Olympia-Mannschaft wie auch beim DSV Präsidentin Christa Thiel und Generalsekretär Jürgen Fornoff mit Hinweis auf ein laufendes Verfahren bedeckt hielten, bekam Poleska Rückendeckung von DSV-Sportdirektor Örjan Madsen. "Fakt ist, dass Anne vom Dosb nominiert und schon eingekleidet worden ist und mit nach Peking fahren wird", sagte Madsen.

Rupprath geht hart mit Bernhardt ins Gericht

Das muss sich zwar noch zeigen, doch auch die Mannschaftskollegen sind auf der Seite von Poleska und haben für das Bemühen von Bernhardt kein Verständnis. "Das ist in meinen Augen völlig daneben. Das ist völliger Schwachsinn. So etwas macht man nicht", sagte Thomas Rupprath: "Dann hätte Vipa bei der Qualifikation einfach schneller schwimmen müssen."

Die ebenfalls in den USA lebende Bernhardt bekam unterdessen Rückendeckung von ihrem Heimatverein SG Frankfurt. "Sie hat ein Recht darauf, in Peking zu starten", meinte der SG-Vorsitzende Michael Wolski und ist überzeugt: "Vipa ist mental so stark, dass ihr der Trubel nichts ausmachen wird."

Für den DSV ist es die zweite Klage innerhalb kurzer Zeit. Anfang Juni war der von Madsen ausgebootete Bundestrainer Manfred Thiesmann mit dem Versuch gescheitert, sich ins Olympia-Team zu klagen.

Zittern muss auch noch der Deutsch-Syrer Rafed El-Masri um den Start in Peking. Für den deutschen Rekordhalter über 50m Freistil liegt laut Bach noch keine Freigabe durch das Nationale Olympische Komitee Syriens vor.

Trotz der Unruhe bezeichnete Madsen die Stimmung innerhalb der Mannschaft als "harmonisch und sehr gut". Das DSV-Team ist zurzeit zur Vorbereitung in Berlin. Am Wochenende steht ein Härtetest bei einem Wettkampf in Magdeburg auf dem Programm.

© SID

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