Mit Elektronik zu höherer Sicherheit beim Autofahren
Sensoren warnen frühzeitig vor defekten Reifen

Mit einer Überwachung der Räder können Fahrer frühzeitig vor einem Druckverlust oder vor Schäden im Reifen gewarnt werden. Was bislang nur für einzelne Fahrzeuge angeboten wird, könnte demnächst in jedes Auto eingebaut werden. Die Daten von den Sensoren im Reifen werden per Funk an ein Handy übermittelt.

HB DÜSSELDORF. Als Sonder- und Serienausstattung für etliche Mittelklasse-Fahrzeuge sowie teurere Limousinen gibt es sie schon heute, die Kontrolle des Reifendrucks. Über einen Warnhinweis im Armaturenbrett wird ein Reifendefekt frühzeitig angezeigt. Das Reifenkontrollsystem, das von der Ludwigsburger Beru AG entwickelt wurde, ist sowohl in den neuen Bentley-Modellen, dem 7er, 5er sowie 3er von BMW als auch in dem VW Topmodell D1 zu finden.

Um böse Überraschungen zu vermeiden, misst in diesen Autos eine batteriegespeiste Radelektronik in kurzen Abständen Druck und Temperatur in den Reifen. Ein Steuergerät vergleicht die Daten mit den Soll-Werten und warnt den Fahrer, wenn Gefahr besteht. Bei unmittelbarer Unfallgefahr erscheint im Display der Instrumententafel die Aufforderung, den Wagen sofort anzuhalten. Wird der Sollwert dagegen in einem schleichenden Prozess unterschritten, macht die Reifendruck-Kontrolle den Fahrer ebenfalls per Anzeige darauf aufmerksam, dass bei nächster Gelegenheit Luft nachgefüllt werden muss. Durch die Koppelung mit einer Alarmanlage kann das Überwachungsgerät auch böswillige Reifenstecher vertreiben.

"Das System beruht auf mehreren technischen Innovationen", erläutert Beru-Entwickler Norbert Normann. Dazu gehören beispielsweise eine spezielle Radelektronik, eine Antenne mit integriertem Hochfrequenz-Empfänger und ein so genanntes Bus-Interface, über das die Daten übertragen werden. Vom Bordcomputer werden die Messwerte erstmals gezielt angefordert. Normann: "Das verlängert die Batterielebensdauer und ist sicherer als die bisherige Radelektronik, die sich nur in bestimmten Intervallen und bei Druckverlust meldet."

Funkübertragung der Messwerte

Damit auch Fahrzeuge die neue Sicherheitstechnik nutzen können, in denen bislang keine Reifendruckkontrolle eingebaut ist, entwickelt die finnische Firma Roadsnoop Ltd. ein System, das aus einer Kombination von Sensoren im Reifen und der drahtlosen Funkübertragung der Messwerte auf ein entsprechend ausgestattetes Mobiltelefon besteht. Die Technik des Spinoff des finnischen Reifenherstellers Nokian Tyres soll im nächsten Jahr auf den Markt kommen - zunächst für Pkw der hohen Geschwindigkeitsklassen und für Lkw sowie Kleintransporter. Jeder Pneu soll mit einem intelligenten Chip ausgerüstet werden, der die Temperatur- und Druckdaten via Bluetooth an das Handy funkt.

"Da das Überwachungssystem nur Reifen und Handy erfordert, müssen weder ein Bildschirm im Armaturenbrett noch ein Bordcomputer nachgerüstet werden", erläutert Roadsnoop-Entwicklungschef Jukka Hakanen. Neben dem Sicherheitsaspekt sieht er auch Kostenvorteile für die Autofahrer. Denn mit zu wenig Luft gefüllte Pneus sind Spritschlucker. "Ist der Reifendruck zehn Prozent zu niedrig, steigt der Kraftstoffverbrauch um vier Prozent", rechnet Hakanen vor.

Nokian Tyres hat mit seiner Innovation aber nicht nur die Reifenkontrolle während der Fahrt im Auge. In Zukunft will der Pneu-Hersteller sein Roadsnoop-System auch als Aquaplaningschutz, zur Glatteiswarnung, Kontrolle der Abnutzung des Reifenprofils und Alarmanlage nutzen. Über die Bestimmung der Fahrzeugposition soll mit dem "Straßenschnüffler" zudem das Auffinden gestohlener Autos möglich sein. "Voraussetzung für einen Markterfolg ist allerdings eine hohe Verbreitung von Mobiltelefonen mit Bluetooth-Schnittstelle", räumt Jukka Hakanen ein. Er hofft dabei vor allem auf die Muttergesellschaft des Reifenherstellers, den finnischen Handykonzern Nokia.

Auch die Entwickler der Münchener Siemens AG basteln an einer Lösung, mit der Reifenplatzer verhindert werden können. Zusammen mit den Technischen Universitäten in Wien und Darmstadt sowie Reifenhersteller Continental in Hannover setzen sie auf einen in den Reifenmantel einvulkanisierten Oberflächenwellen-Sensor. Um die Messwerte weiterzugeben, kommunizieren die Sensoren per Funk mit einem Abfragegerät im Innern des Fahrzeugs. Der Weg in die Praxis ist allerdings noch weit: Das Projekt befindet sich erst in der Testphase.

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