Mit elektronischen Formularen will Adobe-Chef Bruce Chizen in den Markt für Unternehmenssoftware einsteigen
Adobe lässt Aktenberge verschwinden

400 Millionen Mal hat Adobe das Programm Acrobat Reader verschenkt und damit PDF zum Standard für elektronische Dokumente gemacht. Jetzt will das Softwarehaus die Ernte einfahren.

ZÜRICH. Das Softwarehaus Adobe Systems Inc. will das unternehmenseigene Dateiformat "PDF" weiter ausbauen und in den Markt für Unternehmenssoftware einsteigen. "In einigen Jahren werden Programme für Grafik- und Bildbearbeitung nur noch ein kleiner Teil unseres Geschäfts sein", sagte Vorstandschef Bruce Chizen im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Das käme einer Neuausrichtung des Unternehmens gleich. Denn der nach Microsoft zweitgrößte Hersteller von PC-Software macht bisher mehr als die Hälfte seines Umsatzes mit Software für die graphische Industrie. Mit Programmen wie Photoshop, Illustrator, InDesign und GoLive beliefert Adobe hauptsächlich Profi-Anwender für die digitale Bearbeitung von Bildern, Grafiken, Webdesign und Layout von Zeitschriften und Zeitungen. Dank der guten Nachfrage nach einer neuen Version von Photoshop werde Adobe die Erwartungen im zweiten Quartal erfüllen, kündigte Chizen an.

Trotzdem stößt Adobe im so genannten "Publishing-Markt" an Wachstumsgrenzen. "Lediglich sechs Prozent Wachstumspotenzial", trauen die Analysten der Investmentbank Credit Suisse First Boston dem Markt für Print- und Web-Publishing Software in den nächsten drei Jahren zu. Patent-Streitigkeiten mit dem Konkurrenten Macromedia im Bereich Web-Publishing sind Ausdruck für den verbissen geführten Verdrängungswettbewerb.

Deshalb setzt Adobe-CEO Bruce Chizen für die Zukunft auf sein wohl bekanntestes Pferd im Stall: Das Programm "Acrobat", mit dessen Hilfe sich Dateien zu elektronischen Dokumenten umwandeln lassen. Rund 400 Millionen Lizenzen des Acrobat Reader hat Adobe verschenkt. Rund fünf Mill. verkaufte Vollversionen machen Acrobat zu einem profitablen Produkt. "Der Acrobat Reader wird auch in Zukunft ein kostenloses Produkt bleiben", versicherte Chizen.

Trotzdem soll Acrobat innerhalb der nächsten Jahre zum Hauptumsatzträger avancieren. "Wir werden diese Technologie um Funktionalitäten erweitern, die es Unternehmen ermöglicht, elektronische Dokumente in Geschäftsprozesse einzubinden", sagte Chizen. Der Adobe-Chef schätzt das Marktpotenzial auf rund 4 Mrd. $ bis 2005. Das nötige Know-how, um die PDF-Dokumente mit den Datenbanken der Unternehmen zu verbinden, hat sich Adobe vor vier Wochen mit dem Kauf des kanadischen Softwarehauses Accelio für 72 Mill. $ ins Haus geholt. Dabei will Adobe auf Partnerschaften mit Anbietern von Unternehmenssoftware setzen. Mit Anbietern wie SAP und Siebel habe es bereits Gespräche gegeben.

Doch auch im traditionellen Geschäft mit Publishing-Software gibt sich Adobe kämpferisch. Während bereits heute kaum ein Bild gedruckt oder im Internet veröffentlicht wird, das nicht mit Adobe-Software bearbeitet wurde, liefert sich das Softwarehaus bei Layoutprogrammen einen erbitterten Konkurenzkampf mit dem Marktführer Quark. Nach dem Fehlstart des Adobe-Programms InDesign will Chizen nun mit einer neuen Programmversion das Monopol von Quark doch noch knacken. "Wir konnten bisher nicht erfolgreich sein, weil wir nicht das bessere Produkt hatten", räumte der Adobe-Chef ein. "Das hat sich geändert." So würden inzwischen bereits "Focus" in Deutschland oder die "New York Times" mit InDesign produziert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%