Mit Emotionen soll das Portemonnaie geöffnet werden
Auto-Branche kämpft mit Nischenmodellen gegen Flaute

Die Zeiten, in denen vor allem der Windkanal das Design von Autos diktiert hat und sie immer ähnlicher machte, sind vorbei. Individualität und Emotionalität sind Attribute, mit denen nun geworben wird.

hz PARIS. Das Auto ist kugelrund und steckt voller Überraschungen. Scheint die Sonne, lassen sich die Dachholme des neuen Kleinwagen-Prototyps Pluriel von Citroen abnehmen und die Knutschkugel mutiert zum Cabrio. Mit heruntergeklappten Kofferraumdeckel wird ebenso schnell ein kompakter Pick up mit Ladefläche oder ein viersitziger Spider aus dem knuffigen Kleinwagen.

Der pfiffige Variabilitätskünstler ist mehr als ein attraktives Ausstellungsstück auf dem diesjährigen Pariser Autosalon. Er steht stellvertretend für einen wachsenden Trend in der Autoindustrie: Fast alle Hersteller setzen inzwischen auf unkonventionelle Spaß- und Familienfahrzeuge, um den lahmenden Absatz in Europa anzukurbeln. Denn es sind vor allem Nischensegmente wie Geländewagen, Cabrios und Vans, die auf dem schwierigen Automarkt derzeit noch Wachstumschancen bieten.

Die klassische Stufenheck-Limousine wird dagegen immer weniger verlangt. Neue Karosseriekonzepte verdrängen zunehmend die alther- gebrachte Fahrzeugversion mit Kuppeldach und angehängtem Kofferraum. In Nordamerika haben Großraum-Limousinen längst die klassischen Stufenheck-Modelle als Massenmobil abgelöst. Mit immer mehr Modellvarianten versuchen die Hersteller darum, Nischen zu besetzen, Extrawünsche zu erfüllen und künstliche Nachfrage zu schaffen.

Auf dem Pariser Autosalon haben vor allem die französischen Hersteller wieder eine bunte Mischung aus Cabrios, Mehrzweckautos und futuristischen Studien zusammengestellt. So will Peugeot mit dem eleganten 307cc auch eine Modellklasse höher mit einem Cabrio punkten, Renault sucht mit einem Konzeptauto mit demontierbaren Bauteilen und versenkbaren Autositzen namens Ellypse unermüdlich weiter nach neuen Wegen, während Peugeot ein vielseitiges Stadtmobil unter dem Namen Sesame mit seitlichen Schiebetüren auf dem Pariser Autosalon vorstellt.

"Die Produzenten sind ja nur noch konkurrenzfähig, wenn man alle Kundensegmente abdeckt", begründet Ulrich Winzen vom Marktforschungs- und Beratungs Marketing Systems-Institut diesen Trend.

Und so versuchen die Hersteller in Zeiten unsicherer Wirtschaftsperspektiven, Nischen zu belegen und auf Emotionen zu setzen. Autos mit Seele, die an die Gefühle appellieren, sind gefragt. Ford fährt beispielsweise in Paris mit einem erschwinglichen Roadster namens Streetka auf Basis des gleichnamigen Kleinwagens vor, der unter Mithilfe der Autoschmiede Pininfarina zur Serienreife gebracht wurde. Opel trumpft mit einem extrem sparsamen Diesel-Sportwagen sowie dem Opel Signum auf, der auf Basis des neuen Modells Vectra die Vorzüge eines flexiblen Innenraums in die Mittelklasse bringt. Daimler-Chryslers Stadtflitzer Smart präsentiert einen zweisitzigen, offenen Sportwagen auf Basis des City-Flohs.

Auch VW, der größte Autohersteller Europas, hat die Zeichen der Zeit erkannt. Der Konzern, dem Kritiker vorwerfen, lange Zeit den Trend zu Cabrios, Geländewagen und Mini-Vans verschlafen zu haben, will die Plattform- und Modulstrategie stärker nutzen, um mehr Nischenfahrzeuge anzubieten. In Paris reihen sich die Wolfsburger mit dem Touareg zusammen mit dem Zwillingsmodell Cayenne von Porsche in die Reihe der Hersteller sportlicher Luxus-Geländewagen ein. Außerdem steht der Mini-Van Touran auf dem Ausstellungsstand.

Doch das aktuelle Modellprogramm hat der neue VW-Chef Bernd Pischetsrieder noch kaum beeinflussen können. Die Weichen dafür hat noch sein Vorgänger Ferdinand Piech gestellt. Erst bei kommenden Modellen wird sich zeigen, welche Handschrift der EX-BMW-Chef den neuen Nischenprodukten aufdrücken wird.

Quelle: Handelsblatt

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