Mit erneuerbarer Energie gewinnen
Mit „windigen" Aktien solide verdienen

Wer Aktien von Solarenergie- und Windkraftgesellschaften sein eigen nennt, durfte in den vergangenen Wochen bei strahlendem Sonnenschein und Rückenwind steigende Kurse genießen. Analysten zufolge sollten interessierte Anleger die Werte vor dem Einstieg aber genau unter die Lupe nehmen.

DÜSSELDORF. Die Aktien des Solarenergie- und Windkraftbereiches weisen kräftige Kurssteigerungen auf. Die Papiere des in diesem Bereich tätigen Unternehmens Solarworld AG haben sich beispielsweise mit einem Kurs von 53 " seit Jahresbeginn verdreifacht. Die Aktien der Solon AG gewannen sogar 330 % auf zuletzt 16,80 ". Steigende Kurse verzeichneten auch der dänische Windanlagenbauer Vestas (aktueller Kurs 317 dkr) und NEG Micon (360 dkr): Beide legten seit Januar um 145 % zu. Die Vestas-Aktien werden seit April auch in Deutschland gehandelt.

Die Zeiten, in denen Ökoanlagen nur etwas für Idealisten waren, sind vorbei. Mittlerweile wird damit auch Geld verdient - und die Zukunftsaussichten sind gut. Für den Solarstrommarkt etwa erwartet die Schweizer SAM Sustainable Performance Group ein jährliches Wachstum von 20 bis 25 %. Optimistisch ist auch Gerhard Stryi-Hipp, Geschäftsführer des Deutschen Fachverbandes Solarenergie: "Der Markt wird sich in diesem Jahr gegenüber 1999 vervierfachen."

100 000-Dächer-Programm

belebt den Markt

Hauptimpulsgeber für den rasanten Aufschwung auf dem deutschen Markt war das Erneuerbare- Energien-Gesetz (EEG), das am 1. April in Kraft getreten ist. Es garantiert lukrative Preise für die Stromeinspeisung. Zusätzlichen Schwung in den Solarstrombereich brachte das 100 000-Dächer-Programm der Bundesregierung. In der Branche brummt es. "Die Konditionen sind so attraktiv, dass der Solarmarkt die Ziele des 100 000-Dächer- Programms von 95 MW schon im Jahr 2003 erreichen wird", ist sich Stryi-Hipp sicher. Und danach werde der Markt noch weiter wachsen.

Solarworld erhöht

das Kapital

"Es ist ganz enorm, was derzeit läuft", urteilt auch Andreas Knörzer, Manager des Umweltfonds Oekosar vom Schweizer Bankhaus Sarasin. Deswegen macht er auch die dritte Kapitalerhöhung der Bonner Solarworld AG (WKN 510840) "voll mit". Noch bis zum 2. Juni läuft der Handel der Bezugsrechte (WKN 510 840); die insgesamt 750 000 Aktien sollen je 46,72 Euro kosten.

Die Solarworld AG, die neben dem Kraftwerkbau auch den Handel von Solarzellen, Modulen und anderen Komponenten der Solarstromtechnik betreibt, habe durch die letzten Akquisitionen ihre Wertschöpfungskette verlängert, so Knörzer. Die Bonner kauften kürzlich 70 % des schwedischen Solarmodulherstellers GPV. "Durch diese Akquisitionen kann nicht nur das Kostenmanagement verbessert werden", sagt der Sarasin-Fondsmanager, "sondern auch die Lieferung von Solarzellen und Solarmodulen wird abgesichert". Seiner Meinung nach wird die Liefertreue in den nächsten zwölf Monaten einen entscheidenden Einfluss auf die Wettbewerbsposition haben.

Im Oekosar-Fonds hat die Schweizer Bank daneben die Aktien des Windkraftanlagenherstellers Vestas - "die Nummer 1 in diesem Geschäft". Die Dänen seien interessant, da sie eine gute Auftragslage haben. Soeben sei ein riesiger Auftrag aus Spanien unter Dach und Fach gebracht worden.

In den amerikanischen Solarzellenhersteller Astropower (WKN 912953) hat Knörzer schon länger investiert. Astropower profitiere zu einem Großteil auch von der steigenden Nachfrage aus Europa, die Produktionsanlagen seien ausgelastet. Ein weiterer Vorteil ist für den Fondsmanager die Börsenliquidität, "die stimmt hier".

Immer mehr Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energie, darunter insbesondere auch mittelständische Gesellschaften, planen derzeit Kapitalerhöhungen oder Börsengänge. So will im Sommer der Windanlagenhersteller Fuhrländer an die Börse. Am heutigen Donnerstag werden zum ersten Mal die Aktien des Windpark-Projektentwicklers Energiekantor im Freiverkehr gehandelt. Und auch bei Babcock Borsig wird überlegt, ob man die Windkraftgruppe mit den Windradherstellern Nordex und Südwind an die Börse bringt. "Das sind aber bisher nur Gedankenspiele", sagt Babcock-Sprecher Ralf Peters.

Genaue Prüfung

vor dem Kauf

Blindlings drauflos kaufen sollten Anleger nun aber nicht. Jutta Gelbrich von der Ökobank rät, bei Windparkbetreibern zu überprüfen, wie sich deren bisherige Projekte rechnen. Zur Vorsicht mahnt Georg Furger von der SAM Sustainable Performance Group bei Unternehmen, die ökologisch erzeugten Strom vermarkten: "Es gibt noch so viele Unsicherheiten auf diesem Markt." Furger setzt stärker auf Hardware, "der Markt für Windkraftanlagen boomt nach wie vor".

Die Experten betonen zudem einhellig, dass viele der Werte lediglich eine geringe Börsenkapitalisierung haben, also nur in sehr kleinen Stückzahlen gehandelt werden. Große Kursausschläge in beide Richtungen sind damit schnell möglich.

Gut beraten ist man ihrer Meinung nach, wenn durch eine Mischung aus Anlagebauern und Betreibern das Risiko minimiert wird. Ohnehin betrachten die Profis Ökoinvestments als langfristige Anlagen zur Depotbeimischung, durch die Marktchancen genutzt werden können. Wer diese Tipps beim Aktienkauf beachtet, kann sich um so mehr freuen, wenn der Wind weht und die Sonne lacht.

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