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Mit Geld Geld verdienen

Das Geschäft der Finanzkonzerne ist schwieriger geworden. Doch langfristig bietet die Branche Anlegern viel Phantasie.

Banken wurden von den Anlegern in den vergangenen Jahren oft als sicherer Hafen angesehen. Als Unternehmen, mit deren Aktien auch in Krisenzeiten nicht allzu viel schief gehen kann. Mit dieser Sicherheit ist es gründlich vorbei - durch die stärkere Hinwendung der Institute zum kapitalmarktabhängigen Geschäft und der damit wachsenden Abhängigkeit von den Weltbörsen. Dies hat sich schon im vierten Quartal des vergangenen Jahres angedeutet und wird sich, befürchten Experten, 2001 fortsetzen. Auch für die Versicherungsbranche wird nach dem Ausnahmejahr 2000 mit einem verhalteneren Wachstum gerechnet.

Das hinterlässt Spuren: Die Aktien der Deutschen Bank notieren rund 15 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch, Dresdner Bank 26 Prozent, Commerzbank 40 % und Hypo-Vereinsbank 8 %. Auch die beiden großen deutschen Versicherungkonzerne mussten Rückschläge an der Börse hinnehmen. Allianz-Aktien liegen um 19 Prozent unter dem Spitzenwert der vergangenen zwölf Monate, Münchener Rück 12 %.

Vor allem Kreditinstitute mit einem starken Bein im Investment-Banking werden von einem schlechten Börsenumfeld belastet. Das vierte Quartal hat wegen einbrechender Provisions-, Handels- und Finanzanlagenergebnisse kräftige Spuren in den Bankbilanzen hinterlassen. Die Commerzbank zum Beispiel verzeichnete in den letzten drei Monaten 2000 einen Quartalsverlust von knapp 100 Mill. Euro. Die Dresdner vermied rote Zahlen nur durch einen Ertrag aus der Reduzierung ihres Münchener-Rück-Anteils in Höhe von 1,56 Mrd. Euro. Das Vorsteuerergebnis der Deutschen Bank sank gegenüber dem dritten Quartal.

HSBC in London vermeldete einen unter den Erwartungen liegenden Gewinn. Die ING in den Niederlanden trennte sich erst kürzlich von ihren außereuropäischen Investment-Banking-Einheiten. ABN Amro krempelt den gesamten Konzern um und baut dabei kräftig Arbeitsplätze ab. Die Niederländer behalten dabei auch das Internet und die europäische Dimension sehr genau im Auge.

Die deutschen Institute basteln ebenfalls fleißig an neuen Strukturen Dabei entdecken sie die Liebe zum Privatkundengeschäft wieder. Wachstumsträger soll vor allem die Vermögensverwaltung sein.

Jede Krise birgt auch Chancen - und Phantasie für die Anleger. Positive Impulse sind von der noch immer ausstehenden Konsolidierung in der europäischen Banken- und Versicherungslandschaft zu erwarten. Obwohl ein rasantes Fusionskarussell im vergangenen Jahr die Finanzdienstleister durcheinander gewirbelt hat, gibt es bisher keine Bank von wirklich europäischem Zuschnitt. Viele Institute bleiben damit beschäftigt, sich erst auf ihren Heimatmärkten zu Topspielern aufzuschwingen. Wie schwer allein dies ist, hat nicht nur Deutsche-Bank-Chef Rolf-E. Breuer erfahren: Die Fusion mit der Dresdner Bank platzte ebenso wie die geplante Ehe von Dresdner und Commerzbank.

Erst wenn die nationale Neuordnung, die in vielen Ländern Europas schon weiter fortgeschritten ist als in Deutschland, weitestgehend abgeschlossen ist, erwarten Experten auch verstärkt grenzüberschreitende Fusionen und Übernahmen. Noch fehle allerdings die Initialzündung, heißt es. Wenn der erste richtige Deal komme, werde sich die Landschaft verändern, meinen die Experten.

Den deutschen Finanzdienstleistern eröffnet die Steuerreform im kommenden Jahr neue Chancen. Mit der steuerfreien Veräußerung von Beteiligungen können sie dann erhebliche Reserven aufdecken. Die neun größten Anteilseigner verfügen zusammen über Beteiligungen im Marktwert von 237,2 Mrd. Euro. Bedeutendste Aktionärin ist die Allianz mit 57,4 Mrd. Euro, gefolgt von der Münchener Rück mit 29,5 Mrd. Euro und der Deutschen Bank mit 18,6 Mrd. Euro. Auf die Dresdner entfallen 16,9 Mrd. Euro, auf die Hypo Vereinsbank - 17,1 Mrd. Euro und auf die Commerzbank 3,8 Mrd. Euro. Einige Institute wie die Allianz, die Deutsche Bank und die Dresdner Bank haben im vergangenen Jahr bereits begonnen, sich von ihrem Anteilsbesitz zu trennen. Dies wird sich 2002 und in den Jahren darauf deutlich verstärken und zu erheblichen Veränderungen in den Beteiligungsstrukturen der deutschen Wirtschaft führen. Manche Experten sehen allerdings die Gefahr, dass die frei werdenden Gelder überstürzt reinvestiert werden.

Wenig Risiko für die Ergebnisse deutscher Banken resultieren den führenden Ratingagenturen zufolge aus der aktuellen Türkeikrise. Zwar seien deutsche Institute die größten ausländischen Kreditgeber, heißt es bei Moody?s und Standard & Poors. Doch seien nur wenige ihrer Kredite gefährdet. Die Deutsche Bank nennt ebenso wie die Hypo-Vereinsbank einen kleinen dreistelligen Euro-Millionenbetrag. Bei der Dresdner Bank werden rund 100 Mill. Euro als gefährdet angesehen.

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