Mit gemischten Gefühlen betrachten CDU/CSU das vorläufige Ende des FDP-Streits
Die Union will keinen vor Kraft strotzenden Regierungspartner

Die Union hat das vorläufige Ende der liberalen Selbstzerfleischung im Antisemitismus-Streit mit einem lachenden und einem weinenden Auge registriert. "Entscheidend ist zwar, dass es am Ende, bei der Bundestagswahl reicht", sagt ein Fraktionsmitglied. Der Union sei aber "eine auf Normalmaß gestutzte FDP lieber als eine vor Kraft strotzenden Partei."

BERLIN. Für die Strategie der Union, die bei der Bundestagswahl ein Ergebnis von "40 plus x" anpeilt, wäre ein zweistelliges Ergebnis des wahrscheinlichen Koalitionspartners eher störend: die Koalitionsverhandlungen und die Verteilung von Ministerposten würden dann aus Sicht der Union "unnötig" erschwert, heißt es in der Fraktion.

Führende Liberale sind im Übrigen längst davon überzeugt, dass nicht nur die SPD mit ihren Vorwürfen, die FDP sei nicht mehr "regierungsfähig", ihr Süppchen auf dem FDP-Krisenherd kocht. Auch die Union wolle offenkundig von den Schwierigkeiten der "Spaß-Partei" profitieren, sagen sie. Liberale Präsidiumsmitglieder jedenfalls bezichtigen manchen Unionspolitiker, angesichts der Probleme der FDP, die nach der Wahl in Sachsen-Anhalt "übermächtig zu werden schien", jetzt eine "gewisse Schadenfreude" zu empfinden. Die Strategie der Union, "uns zu deckeln, aber nicht kaputt zu reden, ist ja nicht neu", stöhnt ein FDP-Präsidiumsmitglied. Und tatsächlich belegen jüngste Umfragen, dass sich Wähler wegen der Querelen zwischen Parteichef Guido Westerwelle und seinem Vize Jürgen Möllemann von den Liberalen ab- und der Union zuwenden. CDU/CSU hoffen nun wieder, dass die FDP am 22. September auf "Normalmaß" zurückgestutzt wird - das wären etwa sieben Prozent. "Es ist völlig klar, dass diese FDP keine 18 Prozent erhalten wird", meint ein Stratege im Adenauer-Haus. Er will sich allerdings, wie andere auch, "nicht öffentlich in die Belange einer anderen Partei einmischen" und möchte deshalb nicht namentlich zitiert werden.

Gleichzeitig sind Bundestagsabgeordnete der Union mit Blick auf die mögliche Bildung einer konservativ-liberalen Koalition und den "Quartalsirren" Möllemann aber auch erstaunt und erschrocken darüber, "wie ein Einzelner in der FDP solch starke Zerstörungskräfte entfalten kann". Das in den vergangenen Tagen offenbar gewordene Krisenmanagement-Defizit der FDP-Führung würden die Wähler vor allem dem "Kanzlerkandidaten" der FDP anlasten, heißt es in der Unionsfraktion. Möglicherweise könnten sich viele Bürger Westerwelle nun nicht mehr in einem Regierungsamt vorstellen, ergänzt der Stratege aus dem Adenauer-Haus. "Nach der tagelang demonstrierten Führungsschwäche Westerwelles dürften viele potenzielle FDP-Wähler in ihm nicht gerade den geborenen Vizekanzler sehen." Vielmehr drängte sich den Bürgern der Eindruck auf: "In schwierigen Zeiten haben liberale Spitzenpolitiker kein Rezept, wie sie aus den Turbulenzen herauskommen sollen."

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