Mit Gerling zieht sich erste Assekuranz aus dem Geschäft zurück
Versicherer scheitern mit eigenen Fondsanbietern

Während des Börsenbooms hatten es die Versicherer eilig, eigene Fondsgesellschaften zu gründen. Doch der Erfolg bleibt aus. Nun zieht sich der erste Versicherer zurück. Andere werden folgen, meinen Experten.

DÜSSELDORF. Das waren noch Zeiten: Die Börsen kannten Ende der 90er Jahre kein Halten mehr und selbst bis dahin risikoaverse Anleger fragten ihren Versicherungsvermittler, ob er nicht auch ein paar spannende Fonds in seinem Musterköfferchen hat. Entsprechend eilig hatten es große wie kleine Versicherungsgesellschaften in jenen Tagen, ihre eigene Kapitalanlagegesellschaft zu gründen: Asset Management für Dritte wurde eilig als neues Kerngeschäftsfeld ausgerufen.

Doch die Zwischenbilanz ist niederschmetternd: Die Fondsgesellschaften der deutschen Versicherungswirtschaft spielen am Markt faktisch keine Rolle - einzige Ausnahme: Die Allianz. Doch die Münchener stiegen nur deshalb zu einem ernsthaften Anbieter auf, weil sie im Zuge der Dresdner Bank-Übernahme auch die Fondsgesellschaften dit und dbi mit übernommen haben.

Der erste Versicherer zieht jetzt die Konsequenzen: Die zum Verkauf stehende Gerling Gruppe hat vergangene Woche ihren Rückzug aus dem Fondsgeschäft bekannt gegeben. Die Probleme der Gruppe etwa im Rückversicherungsgeschäft werden diesen Beschluss gewiss begünstigt haben.

Peter Engel, Partner bei KPMG Consulting und Asset Management-Experte, wundert sich nicht über den Flop der Versicherer im Fondsgeschäft. Seine Erklärung: Es hakt am Vertrieb. "Der Vertrieb im Bereich Versicherungen funktioniert sehr stark über das Thema ?Geld?. Da der Vertrieb beim Verkauf einer Kapital-Lebensversicherung mehr verdient als beim Verkauf von Fonds, ist der Anreiz für die Vermittler nicht so hoch, Fonds zu verkaufen", sagt Engel.

Genau dieses Vertriebsproblem war nach Aussage eines Allianz-Sprechers eine Motivation, die Dresdner Bank und ihre Fondstochter zu übernehmen: "60 bis 70 Prozent der Fonds werden in Deutschland über den Bankschalter verkauft", sagte der Sprecher. Zudem sei die Marke "Allianz" in den Köpfen der Kunden sehr stark mit Versicherungen assoziiert und weniger mit Investments.

Doch die Versicherer tun sich auch schwer, Spezialfondsmandanten für institutionelle Kunden zu gewinnen. "Hier treten wir gegen Wettbewerber wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley an", beschreibt Herbert Haas, Vorstand der Talanx AG, den Wettbewerb. Die Talanx ist die Finanzholding der HDI-Gruppe, dem drittgrößten Versicherungskonzerns Deutschlands. Auch der HDI hat mit der Ampega ein eigenes Fondshaus und bemüht sich darüber über Drittmandate. "Unsere langjährige Erfahrung im Verwalten von Konzerngeldern lässt sich leider nicht so transparent darstellen wie der langjährige Wertentwicklung eines Spezialfonds", erklärt Haas ein Problem beim Marketing der Branche.

Zudem haben Anbieter wie Ampega gewiss nicht so einen zugkräftigen Namen wie etwa Fidelity. Daher hat sich der HDI für eine Kooperation im Bereich Asset Management mit Putnam Investment entschieden, eines der ältesten und größten Investmenthäuser der Welt, das insgesamt 302 Mrd. Dollar verwaltet. Putnam ist jetzt mit 30 Prozent an Ampega beteiligt.

Mit dieser Beteiligung hat der HDI gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Jetzt können die Hannoveraner mit einem Markennamen werben; dazu haben sie Zugriff auf die Investmentexpertise von Putnam.

Genau daran hapert es nach Einschätzung von KPMG-Experte Engel bei den meisten Versicherungs-KAGs: "Im Wettbewerb um instutionelle Gelder haben es kleine und mittlere Versicherer schwerer; ihnen fehlen meist die prominenten Fondsmanager-Persönlichkeiten." Daher hat sich der Münsteraner Versicherer LVM gar nicht erst in das teure Abenteuer der Gründung einer eigenen KAG gestürzt: Der Versicherer, der vor allem stark im Kfz-Geschäft ist, hat eine Vertriebskooperation mit dem US-Invesmenthaus Federated Investors.

Doch der Ehrgeiz, immer alles selbst zu machen, herrscht bei den meisten Versicherern immer noch vor. Asset-Management-Experte Engel hält es aber gerade bei kleineren Adressen für sinnvoll, dass diese sich zusammenschließen, um eine gemeinsame Fondsgesellschaft zu betreiben. In der Bankenwelt gibt es mit dem Fondshaus Universal dazu ja bereits ein Vorbild.

Vielleicht sorgt die derzeitige Börsenkrise und der damit verbundene Sparzwang sowie der bisherige Absatzflop für ein Umdenken in den Vorstandsetagen der Versicherer. Denn in einem Punkt sind sich Experten wie Haas und Engel einig: Der Rückzug von Gerling wird nicht der letzte Ausstieg eines Versicherers aus dem Angebot von Asset Management für Dritte bleiben.

Quelle: Handelsblatt

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