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Mit Glasaugen und Fönfrisur: Tiere für die Ewigkeit

Wittstock (dpa) - Einen «Abschied in Würde» verspricht das Schild am Tierfriedhof Alt Daber bei Wittstock (Brandenburg). «Chico von Wunderland» war vor zwei Jahren als erster auf dem idyllischen Gartengrundstück beigesetzt worden.

Wittstock (dpa) - Einen «Abschied in Würde» verspricht das Schild am Tierfriedhof Alt Daber bei Wittstock (Brandenburg). «Chico von Wunderland» war vor zwei Jahren als erster auf dem idyllischen Gartengrundstück beigesetzt worden.

Der verstorbene Rottweiler wurde feierlich mit Holzsarg und Rosen beerdigt, erinnert sich Friedhofsbesitzer Marco Scharf. Der gelernte Forstwirt bietet nicht nur Grabstätten für Haustiere an. «Von der Mücke bis zum Elefanten» richtet er Säuger, Insekten und Fische auf Wunsch auch für die Ewigkeit her.

In dieses Handwerk sei er regelrecht «hineingewachsen», erzählt der 29-Jährige. Als Sohn eines Jägers habe er von klein auf ganz selbstverständlich Umgang mit toten Tieren gehabt. Seit dem Ende der DDR gebe es jedoch den speziellen Lehrberuf für Präparationstechnik nicht mehr. So ging er zunächst ins Forstwesen, kam dann aber als Zivildienstleistender und später als angestellter Sektionsassistent in die Pathologie des Krankenhauses Neuruppin. Seine ganze Freizeit indes widmet Scharf seit 1997 dem Präparieren von Tieren.

Nach Angaben des Verbandes Deutscher Präparatoren (Nierstein/Rheinland-Pfalz) arbeiten bundesweit etwa 500 «Präparationstechnische Assistenten» in der Fachrichtung Biologie. Auch Scharf kann sich vor Aufträgen kaum retten. Vor allem Angler und Jäger bringen ihre Trophäen zum «Ausstopfen»: den Hecht ihres Lebens oder einen kapitalen Hirsch. Im Schnitt bekommt Scharf jeden Tag ein Tier auf den Tisch. Die Wochenenden reichen dafür längst nicht mehr aus. So denkt der junge Mann daran, sich mit seiner Werkstatt selbstständig zu machen.

Ob Vogel oder Vogelspinne, Waschbär, Marder, Reh oder Fuchs, der Dornhai vom Angelurlaub in Schweden oder sogar die Antilope vom letzten Jagdausflug in Afrika: Für Scharf sind zumindest handwerklich alle Tiere gleich. Aufträge, die geschützte Arten betreffen, übernimmt er grundsätzlich nur mit Sondergenehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde. Als «Souvenir» mitgebrachte Tiere müssten vom Zoll abgenommen und verplombt angeliefert werden, betont der Präparator.

Das Verfahren zum Haltbarmachen der toten Geschöpfe läuft immer nach dem selben Schema ab: Haut, Fell oder Federkleid werden abgezogen, gereinigt und konserviert, das Fleisch vom Skelett entfernt. Die äußere Hülle des Tieres wird später über den aus Holzwolle oder Kunststoff maßgerecht nachgeformten Körper gezogen. Farben sowie dem Original entsprechende Glasaugen und schließlich eine «Fönfrisur» vervollständigen das Präparat.

Für das Deutsche Schweinemuseum Teltow solle er jetzt einen großen Keiler als Ganz-Präparat herrichten, erzählt der Handwerker. Für einen Straußenzüchter aus Mecklenburg fertigte er gerade einen Nandu. Schwer indes tut sich Scharf damit, ein verstorbenes Haustier zu «verewigen»: Nie werde das Präparat so aussehen wie der einst lebendige Vierbeiner. In solchen Fällen rate er zu einer würdevollen Bestattung: «Ein Grab ist doch preiswerter als ein Präparat und allemal eine Alternative zum herzlosen Entsorgen.»

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