Mit Hochdruck arbeiten die Manager an der Fusion mit Compaq – In den nächsten Monaten stehen tausende Entlassungen an
HP hat die schwersten Stunden noch vor sich

Während die Schlammschlacht um die Fusion zwischen HP und Compaq noch tobte, entstand in genauen Plänen bereits der neue Konzern. Jetzt geht es um den schwierigen Weg von der Theorie zur Praxis.

BÖBLINGEN. Im nagelneuen Produktzentrum von Hewlett-Packard (HP) Deutschland in Böblingen herrscht an diesem Nachmittag Hochbetrieb. Zwischen Großformatdruckern und Servertürmen sind Erfrischungsgetränke aufgebaut. In Gruppen strömen die Mitarbeiter in einen der Konferenzsäle. Zwei Vertreter des neuen Top-Managements sind an diesem Nachmittag gekommen, um ihnen die Strategie des fusionierten Konzerns zu erklären. An der Wand verkündet ein Poster die Botschaft aus den USA: "We are Ready" steht dort in dicken schwarzen Lettern, vervielfältigt vermutlich auf einem Drucker von HP.

"Die Pläne für das neue Unternehmen sind fertig, das Produktportfolio liegt auf dem Tisch. Jetzt geht es darum, diese möglichst schnell in die Tat umzusetzen", erläutert HP-Top-Manager Peter Blackmore die Botschaft im Gespräch mit dem Handelsblatt. Blackmore ist einer von vier Geschäftsbereich-Managern, der direkt an Konzernchefin Carly Fiorina berichtet. Blackmore wird im zweitgrößten IT-Konzern der Welt künftig die Enterprise Systems Group leiten, die sich vor allen Dingen um das umkämpfte Servergeschäft und Geschäftskunden kümmern wird.

Die monatelangen Auseinandersetzungen mit Walter Hewlett, dem Spross einer der beiden Gründerfamilien, der die Fusion des rund 60 Jahre alten Branchen-Urgestein HP aus Kalifornien mit dem PC-Emporkömmling Compaq aus Texas um jeden Preis verhindern wollte, hat das Management viel Kraft und Zeit gekostet. Zumal die Vorbehalte bei Analysten und Marktforschern gegenüber dem Zusammenschluss nicht gerade klein sind. Doch der turbulente Auftakt hatte auch sein Gutes: Während HP-Altaktionäre und Management öffentlich aufeinander eindroschen, entstanden im Hintergrund akribisch ausgearbeitet Pläne, wie die Zusammenlegung der Unternehmen im Erfolgsfall ablaufen soll. "Viele strittige Entscheidungen konnten vor der Fusion getroffen werden", sagt Blackmore. "Die Zahl der Mitarbeiter in den abgeschirmt arbeitenden Clean-Rooms stieg von anfänglich 200 auf über 1 500 in der Endphase", erzählt Blackmore.

Als endlich die Nachricht von der Zustimmung der HP-Aktionäre durchsickerte, begann die eigentliche Arbeit der Integration. Seit Wochen ist das Top-Management auf Achse: 20 Länder habe er in den letzten zwei Wochen besucht, sagt Blackmore. Doch immer noch drängt die Zeit: "Sechs Monate" bleibe dem Unternehmen, um sich am Markt zu etablieren, glaubt der frühere Compaq-Chef und jetzige Konzern-Vize Michael Capellas.

Doch die größte Gefahr für ein Scheitern liegt nicht außerhalb des Unternehmens. "Die Kunden haben sich bisher sehr loyal verhalten", sagt Blackmore. Das sei auch einer klaren Produktpolitik zu verdanken; denn bereits zum Start am 7. Mai stand die künftige Produkpalette fest.

Schwieriger dürfte die Verschmelzung beider Unternehmen auf den operativen Ebenen werden. So ist zwar in den meisten Ländern seit letzter Woche bereits die mittlere Managementebene in Amt und Würden. Doch noch immer ist unklar, in welchen Bereichen die von HP-Chefin Carly Fiorina gestern angekündigten 10 000 Stellen bis November gestrichen werden. Insgesamt sollen zehn Prozent der Belegschaft gehen. "Es ist klar, dass es im Vertrieb große Überschneidungen gibt", sagt ein Mitarbeiter. Allerdings will das Management die Gefahr eines Gegeneinanders der Abteilungen im Ansatz verhindern: "Wir werden im Zuge der Zusammenlegung beider Unternehmen keine politischen Spielchen dulden", stellt Europa-Chef Kasper Rorsted klar.

Doch dürfte es eine Weile dauern, bis alle Mitarbeiter diese Botschaft verinnerlicht haben. So trauern HP-Mitarbeiter insgeheim der Atmosphäre früherer Tage nach, als gemeinsame Kaffeepausen und firmeneigene Tennisclubs die Firmenkultur prägten. Die Compaq-Mitarbeiter müssen dagegen erst einmal die Quasi-Übernahme verdauen.

Quelle: Handelsblatt

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