Mit Humor durch die Krise
Lächeln hebt die Leistung

Deutschlands Angestellte haben wenig zu lachen. Dabei wäre Humor gerade in der Krise wichtig. Abhilfe versprechen Humortrainer: Durch sie sollen Mitarbeiter lernfähiger, kreativer und kommunikativer werden.

KÖLN. Konflikte einfach wegkalauern? Klingt zu schön, um wahr zu sein. Ist aber wahr. Eine Hand voll Humortrainer bereist Unternehmen, um zu zeigen, dass das funktioniert. Ingrid Ernst von der Kaufhof-Hauptverwaltung in Köln hat es in einem Pilotseminar mit Führungskräften probiert: "Für uns ist der Ansatz interessant, weil wir für unsere Mitarbeiter nach eingängigen, emotionalisierenden Seminarmethoden suchen", sagt sie. Und so hat sie mit Spaß gelernt, wie man augenzwinkernd kritischen Kunden begegnet, ohne arrogant zu wirken. Es genügt der leichte schlagfertige Witz.

"Jeder hat im Seminar gelernt, über sich selbst zu lachen, was wiederum der Kommunikation dient", erzählt Ernst. Anfangs war sie eher skeptisch, weil die Sache doch etwas luftig klang. Doch der Humor und die spielerische Form der Vermittlung überzeugten sie.

Für diese Erkenntnis hat Humortrainer Alfred Gerhards gesorgt. Für ihn ist Humor ein handfester Produktivitätsfaktor: "Humorvolle Menschen sind leistungsbereiter und teamfähiger. In Krisen und Konfliktsituationen sind sie belastbarer und flexibler. Außerdem entwickeln sie ungewöhnliche Denkansätze und finden überraschende Lösungen." US-Studien hätten ergeben, dass der Krankenstand deutlich abnehme, wenn Humor bei den Mitarbeitern zum Thema gemacht werde.

Lachen stärkt Immunsystem

Dahinter steht die medizinische Erkenntnis, dass Lachen die Immunabwehr stärkt und bestens geeignet ist, Spannungen zu lösen. Mediziner wollen herausgefunden haben, dass eine Minute herzhaft lachen einer halben Stunde Entspannung entspricht.

Soweit so gut. Doch in der Praxis macht Gerhards oft die Erfahrung, dass Chefs keinen Spaß verstehen. "Ich bekomme immer mehr Anfragen aus der mittleren Führungsebene, aber meist sagt die Geschäftsleitung nein zu einem Seminar, weil ihr das zu lächerlich erscheint." Er vermutet dahinter auch die Befürchtung, dass Hierarchien angetastet werden oder der Respekt leidet, wenn sich das Topmanagement in Rollenspielen lustig geben soll. Gerhards kann dieser zwanghaften Seriosität nicht viel abgewinnen: "Zu oft wird Heiterkeit in Unternehmen als Bedrohung wahrgenommen."

Die Erfahrung seines Berufskollegen Thomas Holtbernd ist ähnlich. Er ist Trainer und seit 15 Jahren in Sachen Humor auf dem Marsch durch die Institutionen: "Sicher kann Herr Schrempp nicht mit roter Nase zur Bilanzpressekonferenz erscheinen. Und es hat auch keinen Sinn, zwanghaft humorvoll zu sein." Allerdings sei es auf unteren Ebenen durchaus erwünscht, Hierarchien mit Humor zu lockern. Aber das will gelernt sein: "Der Spaß darf nicht verletzend oder schadenfroh sein. Als Vorgesetzter braucht man ein Gespür dafür, wann und wie man mitlachen darf", sagt Holtbernd.

Konflikte vermeiden

In der Audi-Akademie in Ingolstadt dagegen ist Humor eine gängige Methode, um Konflikte zu vermeiden. "Wir lehren keinen Humor, weil dazu nicht jeder geeignet ist. Als leicht provokatives Interventionsinstrument ist er aber sehr hilfreich", sagt Personalentwickler Helge Bader.

Als zum Beispiel drei Unternehmensbereiche fusionieren sollten, wurde jeder Mitarbeiter gebeten, die Kollegen des jeweils anderen Bereichs zu beschreiben - dabei heraus kamen zum Teil verletzende Vorurteile. Also verwandelten die Audi-Trainer die Aussagen in Karikaturen. Eine gelungene Provokation: "Die Teilnehmer lachten über ihre eigenen Vorurteile. Dadurch wurden sie besprech- und korrigierbar", berichtet Bader. Für ihn ein Beleg, dass es mit einem Ordner voller Witzfolien nicht getan ist.

"Beim Humor in der Personalentwicklung geht es um vieles - und um vieles geht es nicht. Es geht nicht um Witzelei, um Gags oder seminaristischen Karneval", macht Bader deutlich. Wesentlich sei eine vorsichtige Konfrontation des anderen mit seinen Eigenschaften. Geeignet seien am besten spontane Analogien, Überzeichnungen oder überraschende Verneinungen, damit sich der Angesprochene schonend selbst erkenne.

Per Arbeitsvertrag zum Lächeln gezwungen

Auch Daimler-Chrysler will die Kommunikation heiter entkrampfen, weswegen das Unternehmen kürzlich Führungskräfte auf Holtbernds Seminar "Der Humorfaktor" schickte. In den USA gilt Humor längst als Schlüssel zum Unternehmenserfolg. Die Bank of America brüstet sich damit, den Krankenstand reduziert zu haben, seitdem jeder Mitarbeiter für einen täglichen Witz sorgen muss, die Supermarktkette "Safeway" verpflichtet Mitarbeiter sogar per Arbeitsvertrag zum Lächeln.

So viel Zwang ist natürlich fragwürdig. Der amerikanische Entwicklungspsychologe und Humorforscher Paul McGee bringt Unternehmen seit Jahren bei, wie gezieltes Lachen die Mitarbeiter-Motivation steigert, Stress abbaut und die Leistung verbessert. Weil der Druck angesichts der schwierigen Wirtschaftslage und der Globalisierung immer höher wird, dient der Lacher zwischendurch in immer mehr US-Unternehmen als Ventil.

In Deutschland ist Spaß dagegen eine ernste Sache. Gerhards muss seine Seminare "seriös" tarnen, so dass statt von Humor etwa von Kommunikationstraining die Rede ist. "Es herrscht immer noch die Meinung, dass wer Spaß hat nicht effizient arbeiten kann", ist Gerhards Beobachtung.

Kein Allheilmittel

Holtbernd hat festgestellt, dass viele Manager zwar Humor haben, ihn aber nicht ausleben, aus Angst, ihre Autorität zu verlieren. Deswegen zitiert der Humorberater stets wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema und verweist auf die Effizienzsteigerung durch gute Laune. Aber er weiß: "Der Erfolg ist nicht exakt messbar." Auch deshalb herrscht hierzulande noch große Skepsis.

Trotzdem ist Holtbernd gerade dabei, der jungen Trainingsmode ein solides Fundament zu verpassen: Er erarbeitet eine Humortrainerausbildung, weil er fest von dem Bedarf überzeugt ist. "Das Thema wird mit Sicherheit in Deutschland auf der Agenda stehen, auch wenn es etwas länger dauert."

Allerdings werden künftig wohl kaum Rollkommandos des Frohsinns durch deutsche Unternehmen touren, denn Lachen beflügelt nur, wo es tatsächlich etwas zu lachen gibt. Holtbernd: "Lustigkeit kann auch Probleme im Unternehmen verdecken. Für die ist Humor kein Allheilmittel."

Infos über Humortrainer finden Sie im Internet auf den Seiten www.HumorCare.de und www.humor.ch

Quelle: Handelsblatt

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