Mit Innogy an Eon vorbei
RWE stemmt drei dicke Brocken

Nach den großen Akquisitionen folgt bei RWE nun die Phase der Integration. Zudem wurden erstmals Zeiträume für die Verkäufe der Finanzbeteiligungen Hochtief und Heideldruck genannt. Bis Ende 2003 ist die Trennung geplant. Zwischen vier und fünf Milliarden Euro könnten dadurch in die Kasse fließen.

ews ESSEN. Die Essener RWE AG hat seit Mitte vergangenen Jahres Akquisitionen mit einem Unternehmenswert von 22 Mrd. Euro getätigt. Darin sind 8 Mrd. Euro Schulden enthalten, so dass 14 Mrd. finanziert werden müssen. Neben einigen kleineren strategischen Beteiligungen an deutschen Stadtwerken zählen zu den Neuerwerbungen mit dem Wasserkonzern American Water Works, dem tschechischem Gasunternehmen Transgas sowie dem britischen Energieversorger Innogy drei dicke Brocken.

Bei den Käufen setzt der Energieriese auf Fremdfinanzierung und will "schon bald" ein weiteres Anleihenprogramm auflegen, wie RWE-Chef Dietmar Kuhnt bei der Vorlage der Bilanz für das Rumpfgeschäftsjahr 2001 (Juli bis Dezember) erklärte. Trotz dieser Belastungen - die Netto-Finanzposition (liquide Mittel minus kurzfristige Schulden) ist in den vergangenen anderthalb Jahren von plus 15 Mrd. auf minus 1 Mrd. Euro zurückgegangen - , ist Kuhnt stolz, bei den internationalen Ratingagenturen "weiterhin ein starkes A-Rating" zu erhalten: "Dafür ist unser ausgewogenes, Cash-flow-starkes Kerngeschäfts-Portfolio einer der ausschlaggebenden Faktoren." Die Börse schloss sich offensichtlich diesem Votum an: Der Kurs der RWE-Aktie legte gestern leicht zu.

Wegen der Konzentration auf die vier Säulen Strom, Gas, Wasser und Umweltdienstleistungen (Multi Utility) sollen bis spätestens Ende 2003 die schwächelnden Finanzbeteiligungen Hochtief und Heidelberger Druckmaschinen abgegeben werden. Die Bewertung für diese beiden Töchter setzt Finanzchef Klaus Sturany zwischen 4 und 5 Mrd. Euro an, wobei Analysten Hochtief derzeit wegen der Baukrise im Inland als unverkäuflich ansehen.

Das Kerngeschäft, das nun nach der Expansion in die Phase der Integration geht, muss in den nächsten Jahren seine Stärken beweisen. Bis 2003 erwartet Kuhnt einen absoluten Wertbeitrag von 1 Mrd. Euro. Dabei ist Innogy noch nicht mit einbezogen. Zum Vergleich: Im Rumpfgeschäftsjahr war der Wertbeitrag gegenüber Juli bis Dezember 2001 von 498 auf 307 Mill. Euro gesunken. Schuld daran waren eine Verschlechterung bei Heideldruck und die hohe Firmenwertabschreibung (Goodwill) für Thames Water.

Für 2002 rechnet RWE mit einem betrieblichen Ergebnis von rund 4 Mrd. Euro und damit mehr als im gesamten Jahr 2001. Dazu soll das Kerngeschäft 90 nach 85 % beitragen. Beim Strom, wo zu Anfang des Jahres die Preise für Privatkunden um 5,7 % angehoben wurden, steht eine zweistellige Ergebnissteigerung in der Planung. Ein Plus soll auch das Geschäftsfeld Wasser beitragen. Dagegen wird das Gas leicht unter dem Vorjahresniveau abschließen.

Ohne die Eon AG aus Düsseldorf konkret zu nennen, wies Kuhnt darauf hin, dass RWE durch die Zukäufe den Konkurrenten überholt hat. Bei Strom sind die Essener nach eigener Berechnung die Nummer eins in Deutschland und drei in Europa hinter den Staatskonzernen Electricité de France (EdF) und der italienischen Enel. Beim Gas liegt RWE auf Rang 2 in Deutschland und auf Platz 5 in Europa.

Beim Wasser sind weltweit nur die beiden Franzosen Suez und Vivendi besser aufgestellt. Insgesamt versorgt RWE 58 Millionen Wasserkunden. Auf dem Abfall-Entsorgungssektor sieht sich RWE als führend in Deutschland und drittgrößter in Europa.

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