Mit kleinen Schritten zur EM-Form
Eine Brillenfrage

Die EM-Kandidaten sehen sich nach dem ebenso glatten wie unspektakulären Erfolg gegen harmlose Belgier auf gutem Weg, Rudi Völler freut sich die Fortschritte seiner "Pflegefälle". Die Kommentare der Beobachter fielen dagegen ganz anders aus - und sorgten wieder einmal für Unmut bei der DFB-Elf.

HB KÖLN. Vor allem angesichts der Hoffnungsschimmer bei den Problemkindern Michael Ballack und Kevin Kuranyi sowie reaktivierter Stärken bei den Standard-Situationen ordnete der DFB-Teamchef den 3:0 (1:0)-Erfolg als Mutmacher ein. "Das war eine ordentliche Leistung. Und in der zweiten Halbzeit haben wir auch einige herrliche Kombinationen gezeigt", analysierte Völler nach dem zweithöchsten Sieg seiner Elf seit der Weltmeisterschaft 2002. Er schloss aber sofort an: "Wir werden jetzt nicht alles durch eine rosa-rote Brille sehen."

Die kompromisslosen ARD-Kommentare wollten die Beteiligten aber so nicht stehen lassen. "Wir haben gut gestanden, keine Torchance zugelassen und vorn eine ganze Menge Chancen gehabt. Das war ein gutes Länderspiel. Jedes positive Ergebnis ist wichtig für uns", erklärte Ersatz-Kapitän Christian Wörns. "Wir können darüber streiten, wie stark der Gegner war. Aber wir können nicht mehr tun, als klar zu gewinnen", betonte Dietmar Hamann, der als Stratege des deutschen Spiels mit seiner Cleverness und Erfahrung nicht nur den vorentscheidenden Freistoß zum 2:0 setzte. Der Wahl-Engländer sorgte mit seiner Präsenz auch dafür, dass besonders Ballack mit Biss und teilweise Wut seine Fähigkeiten wieder stärker andeuten konnte. Sein 15. Länderspieltor wollte der 27-jährige Münchner - er steigerte sich und erzwang den Treffer.

Dass vor allem ARD-Chefkritiker Günter Netzer seine schon zur Pause geäußerte scharfe Kritik an Ballack am Ende nur wenig relativiert hatte, sprach sich im Kabinentrakt ebenso herum wie die harte Spielbewertung. Netzer bestätigte dem Bayern-Profi zwar, aktiver geworden zu sein und sich gewehrt zu haben, ohne jedoch Glanzlichter gesetzt zu haben. "Von einem Ballack muss man doch mehr erwarten, er sollte ein strahlender Mittelpunkt sein", schloss der Ex-Nationalspieler aber an. Der Kritisierte verließ wortlos das Kölner Stadion, auch am Donnerstag wollte er in München nicht sprechen.

Völler zeigte sich von Ballacks Steigerung angetan: "Vor allem in der zweiten Halbzeit hat er ein paar tolle Aktionen gehabt. Da konnten wir schon wieder den Michael Ballack erkennen, den wir sehen wollen. Er hat das Heft des Handelns in die Hand genommen." Natürlich lief nach den frustrierenden Wochen zuvor beim Mittelfeldspieler längst noch nicht alles rund, aber das Zusammenspiel mit Hamann tat ihm sichtbar gut. "Ich habe ja schon in der Vergangenheit gesagt, dass das meine wichtigsten Spieler sind", betonte der Teamchef. "Die Art und Weise ihres Zusammenspiels hat mich ein bisschen an Zeiten erinnert, wie sie bei der WM harmoniert hatten."

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