Mit Massenstart vor UMTS ist nicht vor 2003 zu rechnen
UMTS startet auf der Isle of Man

Auf der Isle of Man hat gerade das erste UMTS-Netz in Europa seinen Betrieb gestartet. Nun blickt eine ganze Branche nervös auf die Insel, die bekannt ist für ihre Märchen und Sagen.

DOUGLAS. Auch Dennis glaubt irgendwie an Geister und Kobolde. Wie eben die meisten Einwohner auf der Isle of Man. Und so winkt der Busfahrer beim Passieren der "Feen-Brücke" schnell mit einer Hand den alten Steinen am Wegesrand zu. Das ist hier Tradition, sagt der Mann am Steuer und kichert ein Kobold-Lachen: "Bringt sonst Unglück." Willkommen im Märchenland, willkommen auf der Isle of Man.

Die Insel mit den verwitterten Kirchen und alten Friedhöfen, auf denen der Sturm über Jahrhunderte die Grabtafeln gebeugt hat, ist nicht nur eine begehrte Filmkulisse für Sagenfilme. Auf das Eiland in der Irischen See schaut die Telekom-Welt. Denn diese Woche wurde hier ein Handy-Märchen Wirklichkeit: Das erste UMTS-Netz in Europa hat den Testbetrieb gestartet.

200 Insulaner werden vom regionalen Anbieter Manx Telecom dieser Tage mit Multimedia-Handys ausgerüstet. Nicht nur Banker und Insel-Repräsentanten sollen die Geräte des japanischen Herstellers NEC testen, sondern auch Schulkinder und andere Ottonormalverbraucher. "Es ist entscheidend, dass wir herausfinden, was die Kunden wollen", sagt der eigens zum Start aus London eingeflogene Peter Erskine, Chef von O2, zu dem Manx gehört.

Wegen technischer Probleme und hoher Kosten ist weltweit der UMTS-Start von allen Telekomkonzernen verschoben worden. Trotz dieser Rückschläge sieht Erskine einen Milliardenmarkt. Er ist überzeugt, dass sich die Menschen bald vom Handy in der Hosentasche den Weg zur Kneipe zeigen lassen und sie ihre Kinokarte für den Abend online vom Auto aus buchen werden. Skeptikern hält Erskine vor, dass sie in Sachen Mobilfunk stets falsch gelegen hätten. "1980 hat McKinsey vorhergesagt, dass zur Jahrtausendwende weltweit 900 000 Handys im Einsatz sein dürften", sagt er lächelnd. Heute gebe es allein in Großbritannien 40 Millionen.

Im Bus, der die Strandpromenade des Insel-Seebads Douglas entlangrollt, hat die UMTS-Zukunft tatsächlich schon begonnen. Es ist ein Testfahrzeug des Münchener Siemens-Konzerns, der das neue Telefonnetz auf der Isle of Man mit dem Partner NEC aufgebaut hat. Auf der Rückbank gibt ein Techniker Einblicke in die neue Handy-Welt. "Das Gerät weiß immer, wo wir sind, und bietet uns alle Infos in einem Radius, den wir selber wählen", erklärt er. Schon bald meldet sich der örtliche Tesco-Supermarkt mit einem Sonderangebot, bei der Vorbeifahrt am alten Theater ist der Spielplan abrufbar. Schließlich lockt ein uriger Insel-Pub mit Bild zur Einkehr - "gutes Essen und faire Preise!"

Der Rest der Welt wird indes noch einige Zeit warten müssen, bevor er die UMTS-Technik derart nutzen kann. Wie die gesamte Branche geht der britische Mobilfunker O2 davon aus, dass mit einem Massenstart nicht vor 2003 zu rechnen ist. Denn auch wenn das Netz auf der Isle of Man steht - Hersteller wie NEC können bislang die nötigen Handys nicht in großen Mengen liefern. Die Frage der Gebühren ist ebenso ungeklärt.

"Wir müssen einfach gute Geräte und gute Angebote haben", ahnt 02-Sprecher William Ostrom, dass die wirkliche Bewährungsprobe noch bevorsteht. Deswegen ist der Insel-Test für seinen Konzern so wichtig. Sein Arbeitgeber baut darauf, dass er mit den Tests einen großen Vorsprung an Erfahrung gegenüber der Konkurrenz bekommt. Der 25-jährige James etwa gehört zu diesen Starthelfern. Die Finger des Mitarbeiters von Manx Telecom fliegen regelrecht über das aufgeklappte Handy. Für den Video-Clip des einzigen Insel-Popstars Frank ist die Anzeige dann aber doch zu klein. Ebenso wie für das Videospiel, bei dem sich James mit einem Freund auf der anderen Seite der Insel ein virtuelles Duell liefert. Der UMTS-Einsatz werde erst mal nur Sinn mit einem Laptop-Bildschirm machen, dämpfen die Firmen denn auch allzu große Hoffnungen.

"Aber es funktioniert", jubelt auch James. Und das zähle nach den vielen Pannen. Der Mann verkürzt sich gern die Zeit mit seinem neuen Spielzeug. Die Kosten für die Videos und Spiele kann er jederzeit abfragen - per Knopfdruck. "Sehen Sie, das Pop-Video hat 50 Pence gekostet, egal wie oft wir es ansehen", sagt er. Doch was werden "echte" Kunden in Deutschland oder Holland bereit sein, für UMTS-Dienste zu zahlen? Und was müssen die Anbieter verlangen, um ihre Milliardeninvestitionen in die Lizenzen zu rechtfertigen? Hier versagt die Testinsel, denn die Lizenz auf der Isle of Man gab es für O 2 kostenlos.

Als der Bus wieder das Hauptquartier von Manx ansteuert, steht so viel fest: Das Internet im Hosentaschenformat ist technisch möglich, doch bis zum Einsatz wird noch viel Zeit vergehen. Auch auf der Insel müssen sich viele in Geduld üben. "Wir könnten die zehnfache Menge an Handys verteilen", heißt es bei O2, einige Geräte sollen darum verlost werden.

Da würde auch Busfahrer Dennis gern einen "Zauberknochen" ergattern, seine Chancen schätzt er aber gering ein - es sei denn, der Feen-Gruß nutzt ihm doch.

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