Mit neuem Management und verändertem Geschäftsmodell soll die Gewinnzone erreicht werden
Neue-Markt-Firmen proben Wendemanöver

Am Wachstumssegment der Deutschen Börse tummeln sich eine Reihe von Unternehmen, die bereits auf Todeslisten als Pleitekandidaten gehandelt wurden. Doch mit veränderter Geschäftsführung und der Konzentration auf der Kerngeschäft wollen Cybernet, Lobster und Brain International in die schwarzen Zahlen.

DÜSSELDORF. Ganze vier Jahre ist der Neue Markt jetzt jung, und einige Gesellschaften nehmen bereits den zweiten Anlauf, um mit ihrem Geschäftsmodell profitabel zu werden. Beflügelt von den Millionen aus dem Börsenstart, gingen die alten Vorstände erst auf Expansionstour und anschließend baden. Veränderungen im Management, Beschränkung auf die Kernkompetenzen und Kostensenkungen sollen jetzt zum Beispiel bei Cybernet, Lobster und Brain International die Wende bringen.

Nach Meinung von Analysten ist es für einen Einstieg in die Werte noch zu früh. Aber es lohne sich, die Entwicklung bei den Unternehmen zu verfolgen, um zu sehen, ob dem neuen Management der Sprung in die Gewinnzone gelingt.

"Cybernet ist für mich ein solcher Turnaround-Kandidat", urteilt Oliver Drebing, Analyst bei SES Research. Das Unternehmen baut und betreibt Rechenzentren, in denen Kunden ihre Internet-Server auslagern können, stellt ein Breitband-Datennetzwerk zur Verfügung und bietet Beratung für E-Commerce-Projekte an.

Im Dezember 1999, zum Ende des Geschäftsjahres, stand es um Cybernet gar nicht gut: Bei 21 Mill. Euro Umsatz erwirtschaftete das deutsch-amerikanische Unternehmen einen Verlust von 48 Mill. Euro. Daraufhin wurde das Management umgebaut, das fortan mit Personalabbau und dem Streichen von Randaktivitäten auf die Kostenbremse trat. Seit Anfang 2000 sind die Verluste rückläufig. "Das dritte oder vierte Quartal des Geschäftsjahres 2001 könnte bereits profitabel sein", sagt Bernd Buchholz, Vorstand für Vertrieb und Marketing, der im Zuge der Restrukturierung ins Management von Cybernet kam.

Vor allem das Geschäft mit den Data Centern gilt als Hoffnungsträger - beträgt hier die Marge laut Buchholz doch satte 75 %. "Wir sehen große Nachfrage, dass Unternehmen ihre Server auslagern wollen", erklärt er. An Cybernet stört Analyst Drebing noch die hohe Verschuldung von nominal 150 Mill. $. Die ausstehenden Anleihen sind aber am Markt zurzeit nur noch 30 Mill. $ wert. "Wir wollen bis Ende des dritten Quartals dieses Jahres schuldenfrei sein", gibt Buchholz als Ziel vor. Sollte Cybernet seine Versprechen einhalten, spricht Analyst Drebing dem Unternehmen gute Aussichten zu.

Die Neuausrichtung greift

Operativ möchte zum Ende 2001 auch Hans-Peter Eitel, Vorstandsvorsitzender von Brain International, dem Markt schwarze Zahlen vorweisen und das Minus beim Ergebnis vor Zinsen, und Steuern (Ebit) auf?s Jahr gerechnet in den einstelligen Millionenbereich zurück führen. "In 2002 werden wir auf das Gesamtjahr gesehen Gewinne ausweisen", gibt sich der neue Brain-Chef optimistisch. Er führt seit Ende Januar das Software-Unternehmen. Brain produziert Software zur Steuerung von Unternehmensprozessen (ERP-Software) vor allem für die Automobilzuliefer- und Textilindustrie. Nach vorläufigen Zahlen für das Jahr 2000 erwirtschafte Brain bei einem Umsatz von 118,6 Mill. Euro (Vj: 130 Mill. Euro) einen Verlust vor Zinsen und Steuern von 40,8 Mill. Euro. (12,3 Mill. Euro). "Im ersten Quartal werden wir unsere Planzahlen mindestens erreichen. Das zeigt, dass unsere Neuausrichtung greift", erklärt Eitel. Er strich von 1 400 Stellen ganze 400 und entschlackte das Produktangebot. "Wir haben zum Beispiel den Bereich Finanzapplikationen abgegeben", sagt Eitel. "Um im Bereich E-Business schneller marktreife Produkte anbieten zu können, setzen wir jetzt auf Kooperationen, statt alles selbst zu machen." Analysten bescheinigen dem Unternehmen zwar eine solide Kundenbasis, stehen der Aktie aber noch skeptisch gegenüber.

Die Aktie vom Anbieter für Speicherlösungen Lobster hat sich bereits von ihrem Rekordtief im Juli von 5,50 Euro gelöst und notiert derzeit um 9 Euro. Seit Februar 2000 leitet Alleinvorstand Thomas Strobl das Berliner Unternehmen und räumt auf: Das alte Management hatte sich in der Akquisionspolitik verzettelt und wollte mit der Tochter Mention in den Softwarebereich expandieren - was schief ging. Mention ist bereits verkauft, jetzt will Strobl noch die Lobster-Tochter Novotec loswerden, ein Unternehmen, das Designs für individuelle Speicherhardware-Lösungen entwirft. "Hier kann ich mir auch einen Spin-off an der Börse vorstellen", sagt Ströbl. Im Ende März auslaufenden dritten Quartal will er mit Lobster beim Ergebnis "in die Nähe der Null" kommen. Von der Rezession bei Technologieinvestitionen würde Lobster bislang nichts merken. Da Strobl sein Unternehmen bereits für finanziell stabilisiert hält, hegt er schon wieder Pläne für eine "sanfte Expansion". So will er ein kleines Systemhaus aus der Medienbranche übernehmen. "Aber zunächst müssen wir gute Zahlen liefern."

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