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Mit neuen Trikots und viel Mut gegen Kamerun

Bei der Premiere der neuen signalroten Trikots fordert Jürgen Klinsmann gegen Kamerun einen leidenschaftlichen Angriffswirbel, bei dem er selbst eine höchst riskante „Bubi-Abwehr“ wagt. Debütant Moritz Volz (21), Robert Huth (20) und Philipp Lahm (21) sind gesetzt.

dpa LEIPZIG. Bei der Premiere der neuen signalroten Trikots fordert Jürgen Klinsmann gegen Kamerun einen leidenschaftlichen Angriffswirbel, bei dem er selbst eine höchst riskante "Bubi-Abwehr" wagt. Debütant Moritz Volz (21), Robert Huth (20) und Philipp Lahm (21) sind gesetzt.

Womöglich wird der auch nur 20-jährige Per Mertesacker die Viererkette komplettieren, wenn er tatsächlich den Vorzug vor dem zwölf Jahre älteren Christian Wörns erhält. "Das ist gut möglich, dass wir mit einer sehr jungen Abwehr starten", erklärte der Bundestrainer vor dem letzten Heimspiel des Jahres in Leipzig.

Der passende Mut zum aggressiven und offensiven Rot des neuen adidas-Trikots, das mit einer pompösen Show präsentiert wurde, soll für alle deutschen Talente ein Zeichen sein: "Wenn wir das nicht machen würden, würden wir etwas falsch machen", betonte Klinsmann. Mit Konsequenz setzt die neue sportliche Führung in ihrem vierten Spiel die Linie fort, die der Bundestrainer mit den Schlagworten "Aggressivität, Leidenschaft und positive Energie" beschrieb und damit Parallelen zur Farbe Rot aufzeigte. Die hatte eine Mannschaft des Deutschen Fußball-Bundes zuletzt 1938 getragen.

Für seine "Junioren-Abwehr", die in der Formation Volz, Mertesacker, Huth und Lahm auf nur 16 Länderspiel-Einsätze kommt und komplett noch für die U 21 auflaufen könnte, hatte der Bundestrainer beim Abschlusstraining im neuen Zentralstadion noch einen Härtetest angesetzt. Nach den letzten Eindrücken will er dann entscheiden. Der Dortmunder Wörns steht trotz einer angebrochenen Nase als Alternative bereit.

"Wir haben höchsten Respekt vor Kamerun, weil sie bestückt sind mit Ausnahmespielern", sagte Klinsmann, der genau wie DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder vor 44 200 Fans im erstmals ausverkauften neuen Zentralstadion keinesfalls einen Spaziergang erwartet. "Bei der WM hätten wir auch verlieren können", erinnerte der Verbandschef an das erste Aufeinandertreffen mit dem Team von Winfried Schäfer im Juni 2002 in Asien, als erst in der zweiten Hälfte nach dem Platzverweis von Carsten Ramelow mit zehn Mann 2:0 gewonnen wurde. Für die Bewachung von Ausnahmestürmer Samuel Eto'o vom FC Barcelona hat Klinsmann schon eine Lösung im Kopf: "Ich stelle ihm Robert Huth gegenüber, da kann ich ruhig schlafen."

Der Bundestrainer bringt der neuen Generation, von denen Huth (FC Chelsea), Volz (FC Fulham) und Thomas Hitzlsperger (Aston Villa) in England den Durchbruch schafften, großes Vertrauen entgegen. "Wenn sie schon als 16- oder 18-Jährige in das Land gekommen sind und sich dort durchboxen, sind die Spieler unglaublich weit für ihr Alter." Er selbst habe als Spieler dieses Selbstbewusstsein und diese Zielstrebigkeit erst mit 23 oder 24 Jahren erreicht. "Das stimmt uns sehr zuversichtlich, und diese jungen Spieler werden in den nächsten Monaten bis zur WM einen weiteren Schub bekommen. Dafür müssen sie aber ab und zu bei uns spielen", erklärte Klinsmann.

Der 40-Jährige erwartet im 750. Länderspiel einer DFB-Elf aber auch, dass die erfahrene Fraktion mit Torwart Jens Lehmann (Oliver Kahn sitzt auf der Bank) und vor allem Michael Ballack Hilfestellung leistet. "Als Kapitän bin ich vielleicht noch mehr eine Anlaufstation für die jungen Spieler", weiß Ballack um seine Verantwortung. Er selbst vollzieht im Mittelfeld wieder den pikanten Rollentausch mit seinem Bayern-Kollegen Torsten Frings. Während Ballack beim Rekordmeister zuletzt immer die defensivere Rolle einnahm, soll er im roten Nationaltrikot wieder hinter den Spitzen agieren. "Torsten und ich können beides spielen, das ist kein Problem", unterstrich der gebürtige Sachse vor seinem Heimländerspiel.

Erst das dritte Mal nach 1992 in Dresden (1:1 gegen Mexiko) und 2002 in Rostock (4:2 gegen die USA) gibt der dreimalige Weltmeister in den neuen Bundesländern seine Visitenkarte ab. "Wir wollen, dass die Leute ein großes Erlebnis haben. Das ist vielleicht auch ein kleiner Motivationsschub bei allen Problemen, die sie haben", erklärte Klinsmann. Bei ihrem bisher letzten Auftritt in Leipzig hatte eine DFB-Auswahl 1940 gegen Finnland aufhorchen lassen - mit einem 13:0.

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