Mit Präsident Franz Beckenbauer hat Elber noch eine Rechnung offen
Gegen die Vergangenheit

Giovane Elber trifft heute mit seinem neuen Verein Olympique Lyon zum ersten Mal auf Bayern München.

BERLIN. Ob Giovane Elber, dieser lustige Giovane, der sich schon mal zum Torjubel in Teppich-Auslegeware wickelt und auch ansonsten für allerlei Scherzchen zu haben ist - ob dieser Giovane Elber nun ein freundlicher, höflicher, redseliger Mensch ist? Man weiß es nicht. Kürzlich hat Senhor Elber einen deutschen Journalisten zum Interview nach Lyon geladen. "Kommen Sie, gerne, am Montag um zehn Uhr auf die Trainingsanlage in Gerland, das ist ein Stadtteil von Lyon. Da haben wir viel Zeit."

Der Journalist war daraufhin nach Zentralfrankreich gereist, verbrachte den Sonntag in der Stadt zwischen Saone und Rhone und war am Montag zum verabredeten Zeitpunkt am verabredeten Ort. Nur, wo war der lustige Giovane? Nach zahlreichen vergeblichen Anrufen auf Elbers Handy meldete sich Herr Elber gegen Mittag. "Oh, in Lyon sind Sie", sagte er, "das ist aber dumm, ich bin in Glasgow. Wir sind früher geflogen." Und vergessen habe er, die Terminverschiebung anzukündigen. "Aber ich bin ja Donnerstag wieder in der Stadt, bleiben Sie doch so lange." Womit auf jeden Fall feststeht, dass Giovane Elber keine Ahnung hat von den Dienst- und Freizeiten eines deutschen Journalisten.

Als Giovane Elber noch in Deutschland stürmte, erst für den VfB Stuttgart, dann für den FC Bayern München, insgesamt neun Jahre, erwarb er sich den Beinamen "der Deutsche". Für einen Brasilianer wie ihn ist dieser Verweis auf Korrektheit und Disziplin eigentlich rufschädigend - ein brasilianischer Fußballspieler hat per Definition ein Hallodri zu sein, der unpünktlich zum Training erscheint, in der Sonne brilliert mit Artistik und Wärme braucht in der Kälte. Als Elber noch in Deutschland stürmte, war er indes ganz stolz auf die deutschen Tugenden, am Ende bekundete er sogar, dass er Edmund Stoiber wählen würde, wenn er wählen dürfte. Aber nun stürmt Elber für Olympique Lyon und am Dienstag auch in der Champions League gegen seinen letzten Arbeitgeber, Bayern München, von dem sich der Abschied in leichtem Groll vollzogen hatte.



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