Mit seiner M-Plattform will Nokia den Mehrwert mobiler Internetanwendungen fördern
Bandbreite allein genügt nicht

Der Umschwung zur mobilen Informationsgesellschaft ist in vollem Gang. Die technischen Voraussetzungen liefern integrierte mobile IP-Zugangslösungen. Damit wird es in Zukunft möglich, zu jeder Zeit und an jedem Ort auf IP-basierte Informationen zuzugreifen.

DÜSSELDORF. Freitagmorgen, irgendwo in Süddeutschland. Die Sonne lacht und lädt in die schöne Natur ein, doch Thomas Hoppe hat nachmittags noch einen wichtigen Termin mit Herrn Schubert, für den er extra aus dem hohen Norden angereist ist. Warum eigentlich nicht mit dem Kunden vorab eine Runde Golf spielen, schön essen und dann zum Geschäftlichen übergehen? Ein kurzer Anruf genügt, und schon ist Schubert überzeugt: In anderthalb Stunden will man sich auf dem Golfplatz treffen. Nur auf welchem?

Hoppe wählt sich mit seinem Mobilfunkgerät ins Internet ein und ruft die Clubs der näheren Umgebung auf, klickt dann auf "T-time" und erhält einen Überblick zu den freien Startzeiten. Ein Club hat zur gewünschten Zeit noch etwas frei. Rasch schreibt er Herrn Schubert eine Mail, der reagiert prompt und ist mit der Planung einverstanden. Hoppe reserviert also die T-time und erhält kurz darauf eine Bestätigung - parallel dazu erscheint der Termin automatisch in seinem digitalen Kalender.

Währenddessen klickt er sich weiter: Ein Werbebanner machte ihn auf einen Leihservice für Golf-Equipment aufmerksam. Was will man mehr? Ach ja, ins Club-Restaurant, das auf Grund seines guten Rufs allerdings schon ausgebucht ist. Auf der Suche nach Alternativen erhält Hoppe vier Vorschläge mit kompletten Menükarten und bunten Kurzvideos. Bei einem Restaurant mit französischer Küche bucht er zwei Plätze - seine Kreditkartennummer braucht er dafür nicht einzugeben, da sie beim Provider gespeichert ist und von einem Passwort geschützt übertragen wird.

Auch beim nachmittäglichen Verhandlungsgespräch wählt sich der Reisende wieder ins Netz ein - diesmal allerdings ins Intranet. Er ruft die Kundendatei sowie das Buchhaltungssystem seiner Firma auf und wirft einen Blick auf den aktuellsten Auftrag. Eine Teillieferung hat Herr Schubert bereits erhalten, doch der andere Teil ist noch unterwegs.

Über GPS (Global Positioning System) ortet er den zuständigen Spediteur und kann seinem Kunden nun genau sagen, wann die Ware eintreffen wird. Schubert ist jetzt zwar beruhigt, beharrt aber noch auf Sonderkonditionen für künftige Aufträge, über die Hoppe nicht allein entscheiden kann. Per Videokonferenz schaltet er daher seinen Geschäftsführer in das Gespräch mit ein, so dass alle offenen Punkte direkt vor Ort geklärt werden können.

Man ahnt es: Die Geschichte von Herrn Hoppe ist eine Zukunftsvision. Erzählt wird sie von Ralf Wiesmann, Chief Technical Officer (CTO) von Nokia Networks, der auf der Suche nach dem Mehrwert mobiler Internetanwendungen ist. Schließlich darf sich der Flop von Wap nicht noch mal wiederholen, denn dafür sind die Investitionen in 3G, die kommende dritte Generation des Mobilfunks, zu hoch.

"Bei Wap wurde dem Anwender eine Technik verkauft", so Wiesmann. "Die ist für den Verbraucher jedoch völlig irrelevant. Was ihn interessiert, sind die Möglichkeiten, die ihm dadurch eröffnet werden." Und natürlich die damit verbundenen Kosten, denn das Benutzen des mobilen Internets - so viel steht fest - ist zunächst wesentlich teurer, als der Zugriff über das Festnetz.

Nokia richtet daher sein Augenmerk auf Dienste mit hoher persönlicher Relevanz: Seien es attraktive Entertainment-Angebote für Jugendliche wie Animationen, Klingeltöne, Musikstücke und Spiele, Online-Banking und Videokonferenzen für Geschäftsleute oder Dienste, die mobil Sinn machen wie Location-based-Services, zu denen Hotelführer, City-Guides und Ticket-Reservierungen zählen.

Auch schnelllebige Applikationen wie ein Veranstaltungskalender speziell zum Düsseldorfer Karneval haben nach Meinung von Wiesmann eine Chance. Ganz wichtig: "Der Nutzer muss stets im Voraus wissen, was ihn die folgende Transaktion kostet", betont er. Wap ist jedoch nicht nur gescheitert, weil die Technik zu sehr betont und die persönliche Relevanz dabei vergessen wurde, sondern auch, weil der Umgang damit viel zu umständlich und zeitaufwendig war.

Das heißt: Wenn die so genannten Value-Added-Services ihrem Namen wirklich Ehre machen wollen, muss der Mehrwert deutlich über die eigentliche Anwendung hinausgehen. Mit GPRS (General Packet Radio Service), dem Vorreiter von UMTS (Universal Mobile Telecommunication System), geht man bereits einen Schritt in diese Richtung: Die GPRS-Übertragungstechnik sorgt für wesentlich mehr Tempo im mobilen Internet und schont so durchaus die Nerven der Anwender.

Nokia will darüber hinaus mit ineinander greifenden Anwendungen für mehr Komfort sorgen. Wer beispielsweise über das Handy einen Fahrplan nach Garmisch-Patenkirchen aufruft, soll bei seiner anschließenden Suche nach einem Stadtplan und dem Wetter automatisch besagtes Städtchen vorgeschlagen bekommen, ohne den Namen nochmals eingeben zu müssen. Dabei sollen sowohl temporäre, als auch dauerhafte persönliche Präferenzen und Daten wie die Miles-and-More- oder die Kreditkartennummer des Nutzers gesichert werden können.

Damit die Anwendungen auch wirklich die Daten untereinander weitergeben und mit den verschiedensten Sicherheits- und Abrechnungsverfahren sowie den unterschiedlichsten Netzwerken und Endgeräten kompatibel sind, ist ein einheitlicher Standard Voraussetzung. Denn ohne den bleibt die Vision vom mobilen Internet nur ein Wunschtraum. Den für die mobile Informationsgesellschaft notwendigen technischen Standard will Nokia mit der M-Plattform anbieten - einer offenen Betriebsplattform, auf der Dienste und Anwendungen entwickelt werden. Als Partner haben die Finnen dafür zum einen kleine, stark spezialisierte Content-Anbieter gewinnen können, zum anderen auch große wie Amazon, AOL, und Viva TV. Ferner nutzen Software- und Systemlieferanten wie HP, IBM und SAP sowie Netzbetreiber wie die France Télécom die neu geschaffene Basis. Für letztere ist insbesondere der modulare Aufbau des Systems interessant, da sie sich hier die Rosinen rauspicken können, auf die ihre Anwender gerade Appetit haben, und sie so weder ein Unter- noch ein Überangebot an Content anbieten.

Die Zusammenarbeit mit Entwicklern wird durch Nokias Mobile Internet Center in Düsseldorf unterstützt: Hier werden die Netzinfrastruktur, die Endgeräte und die Applikationen der dritten Mobilfunkgeneration im nationalen Zusammenspiel getestet und bis zur Marktreife weiterentwickelt. Wann alle im Einklang miteinander spielen und die Visionen von Nokia Wirklichkeit werden, bleibt allerdings abzuwarten. Schließlich ist noch so manche technische und rechtliche Hürde zu nehmen, wie die Verschiebung des Netzstarts von UMTS in Japan zeigt. Herr Hoppe und Konsorten müssen also noch etwas Geduld haben - aber das sind sie ja schon vom Wappen gewöhnt.

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