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Mit spitzem Bleistift

Rund 20 größere Private-Equity-Deals werden zurzeit in Deutschland verhandelt, schätzen Brancheninsider. Bei manch einem Deal war schon beinahe alles klar, doch jetzt wird nachverhandelt.

Das Geschäft mit Private Equity, dem privaten Beteiligungskapital, lebt vom Risiko. Private-Equity-Fonds übernehmen aus Familienhand gut geführte, aber kapitalschwache Unternehmen oder von Großkonzernen Unternehmensteile, die nicht mehr zum Kerngeschäft passen. Sie päppeln die gekauften Unternehmen auf, strukturieren sie um, installieren neue Manager, vergrößern sie durch Akquisitionen - und verkaufen mit Gewinn an strategische Investoren oder über die Börse an kleine und große Anleger.

Der Gewinn der Private-Equity-Gesellschaften ergibt sich also aus der Spanne zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis. Somit ist die erste wichtige Grundlage für satte Renditen ein günstiger Einkaufspreis. Doch was ist günstig, welche Bewertung ist angemessen? In einer von Unsicherheit geprägten Atmosphäre wie der gegenwärtigen reichen die üblichen Bewertungsformeln nicht aus. Die künftige wirtschaftliche Entwicklung ist unsicher, die Kurse an der Börse sind weitaus tiefer als noch vor einem oder gar zwei Jahren - da fordern Private-Equity-Investoren einen Risikoabschlag.

Rund 20 größere Private-Equity-Deals werden zurzeit in Deutschland verhandelt, schätzen Brancheninsider. Bei manch einem Deal war schon beinahe alles klar, doch jetzt wird nachverhandelt. Bei einem Milliardenverkauf dieser Tage haben die Private-Equity-Firmen nach eigenen Angaben noch kurzfristig runde zehn Prozent Preisnachlass rausgeholt. Doch nicht nur die Beteiligungsfirmen schätzen die Risiken jetzt höher ein als noch vor den Terroranschlägen in den USA. Vor allem die Banken werden nervös. Sie finanzieren in der Regel den Löwenanteil eines Management-Buyouts und bekommen die Kredite dann über einige Jahre hinweg zurückgezahlt. Viele Banken rechnen jetzt noch einmal mit spitzem Bleistift nach - und verzögern oder gefährden so die Private-Equity-Deals.

Ein prominentes Opfer dieses Nachrechnens war die Übernahme der Siemens-Tochter MPM durch Apax Partners. Sie platzte offenbar, weil die Banken nicht mehr mitspielen wollten. Siemens reagierte darauf mit Unterstellungen, Apax habe Finanzierungsprobleme - obwohl die Gesellschaft noch locker vier Milliarden Euro in ihrem aktuellen Fonds gebunkert hat. Mit solchen Fouls nach geplatzten Deals ist dem gerade aufblühenden Private-Equity-Markt Deutschlands nicht gedient.

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