Mit Sturmgewehren gegen Panzer
Nachschub ist mögliche Schwachstelle der US-Armee

Die langen Lastwagenkolonnen mit Nachschub für die US-Truppen im Irak vermitteln den Eindruck, eine verletzliche Stelle der mit Waffen modernster Technologie ausgerüsteten Invasionstruppen zu sein. So haben zuletzt einige offenbar nur leicht bewaffnete Iraker mit einer Guerilla-Taktik einen US-Konvoi von etwa 80 Fahrzeugen vorübergehend aufgehalten.

Reuters NÖRDLICH VON NASSIRIJA. In dem etwa 30-minütigen Gefecht nördlich der Stadt Nassirija zwangen die etwa zehn Unbekannten mit Sturmgewehren die von Panzern, Hubschraubern und gepanzerten Fahrzeugen begleitete Kolonne zum Anhalten. Als die Schüsse aus der Richtung von nebelverhangenen Bäumen neben der Straße krachten, suchten die US-Marine-Einheiten Schutz hinter ihren Fahrzeugen, bis am Ende Panzer in das Unterholz fuhren und die Angreifer jagten. "Wir konnten nicht sehen, wer auf uns schießt", sagte der 19-jährige Obergefreite John Grimes. "Die Kugeln sind nur Zentimeter neben uns eingeschlagen."

Irakische Guerilla-Taktik

Der Angriff machte deutlich, dass eine Hand voll Männer in der Lage ist, einen bewaffneten Konvoi zumindest über einige Zeit aufzuhalten und zu beschäftigen. Verluste gab es in diesem Fall offensichtlich auf keiner der beiden Seiten. Aber das halbstündige Gefecht strapazierte die Nerven der Fahrer, von denen viele noch nie in Kampfhandlungen verwickelt waren. Auch ein anderer Vorfall der vergangenen Tage zeigt, wie anfällig der Nachschub sein kann. Am Sonntag hatte eine andere US-Fahrzeugkolonne bei einem Gefecht nahe Nassirija offensichtlich eine falsche Abfahrt genommen. US-Angaben zufolge gerieten die amerikanischen Soldaten in einen Hinterhalt und einige von ihnen anschließend in Gefangenschaft.

Die Bedrohung durch einen Hinterhalt ist nicht nur für die Marine-Soldaten, die in langsam fahrenden Lastwagen in der Wüste kilometerweit zu erkennen sind, beängstigend. Auch den Planern im US-Verteidigungsministerium dürfte sie Kopfschmerzen bereiten. Logistik ist in jedem Krieg wichtig, aber bei dieser Invasion der von den USA angeführten Truppen hat sie eine besondere Bedeutung. Gesicherter Nachschub ist entscheidend für das rasche Tempo, mit dem die Invasionstruppen in den ersten Tagen in Richtung Bagdad vorgerückt sind. Da die irakischen Truppen mit ihren Waffen die M-1A1 Kampfpanzer der US-Armee nur schwer gefährden können, wird der amerikanische Nachschub für sie zu einem relativ leichten Ziel. Ohne Nachschub können aber auch nahezu unbesiegbare Panzer nicht lange kämpfen.

Sandstürme oder Nebel im Anschluss von Wüstenregen bieten irakischen Guerilla-Kämpfern, womöglich durch Zivilkleidung getarnt, guten Schutz. Kleine Einheiten können dann an Panzer- und Hubschrauberpatrouillen vorbeigelangen. "Sorgen müssen wir uns vor allem um kleine Gruppen. Denn die können sich leicht an uns heranschleichen", sagte Leutnant Colleen Cauley, die die Verteidigung des angegriffenen Konvois mitorganisierte. "Wenn wir auf die nicht vorbereitet sind, können die uns kaputtmachen."

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