Mit Telematik in die Zukunft der automobilen Kommunikation
Vernetzte Autos

Das Zukunftsszenario ist denkbar einfach: Man stelle sich vor, Otto-Normalverbraucher ist auf dem Nachhauseweg. Nach der Arbeit ruft man im Auto via E-Mail den Einkaufszettel des Kühlschrankes ab, und anschließend fährt man noch kurz beim Supermarkt vorbei.

HB DÜSSELDORF. Parallel dazu wird von unterwegs die Heizung zu Hause auf gemütliche Temperaturen eingestellt, Stauwarnungen werden abgerufen, und man lässt sich die Kurse der Wall Street, von Xetra oder dem Dax-Index ansagen.

Dabei muss niemand mehr Angst haben, einen Auffahrunfall zu riskieren. Ein Tempomat misst mittels Radarsensoren kontinuierlich den Abstand, beschleunigt sanft bei einer Lücke und wird langsamer, wenn der Verkehr ins Stocken gerät. Man bedient keine Tasten oder Knöpfe mehr, sondern gibt nur noch Sprachkommandos ein. Auf diesem Weg werden auch die gewünschten Informationen an den Autofahrer wiedergegeben. Kein futuristisches Szenario, sondern schon bald Realität. Denn das Auto der Zukunft ist nicht mehr nur Fortbewegungsmittel, sondern intelligente Kommunikationsplattform.

Clevere Mikrochips machen die genannten Anwendungen möglich. Schon heute sind Autos mit einer Vielzahl von Elektronikkomponenten bestückt. Und richtig Revolutionäres rollt erst noch an. Rund 80 Prozent aller neuen Funktionen von Neuwagen basieren auf intelligenten Mikroprozessoren, unter anderem auch für Telematiksysteme. Diese Fahrer-Informationssysteme auf der Basis mobiler Kommunikationstechnologie tragen dazu bei, den steigenden Wunsch der Autofahrer an allgegenwärtigen Kommunikationsmöglichkeiten zu erfüllen.

Internet im Auto? Keine Zukunftsmusik mehr. Schon bald ist es möglich, naht- und drahtlos zu kommunizieren und auch im Auto jederzeit Internet-Informationen abzurufen. Um während der Fahrt eine einfache Handhabung zu gewährleisten, lassen sich die persönlichen Präferenzen am Heim-PC über das Internet konfigurieren. Unterwegs informiert das System den Fahrer auf Nachfrage mittels Sprachausgabe zu ausgewählten Themen - aktuell, zu jeder Zeit, an jedem Ort.

Der erste Schritt in die automobile Kommunikation ist bereits getan: Das Mobiltelefon hält mit großen Schritten Einzug in das Auto. Um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer nicht zu gefährden, ist zum 1. Februar 2001 ein neues Gesetz in Kraft getreten: Telefonieren während des Autofahrens ist seitdem strafbar, sofern man dies ohne Freisprecheinrichtung tut. Noch mehr sind deshalb intelligente Telefone gefragt, die eine komfortable Kommunikation bieten, dabei den Fahrer nicht vom Verkehr ablenken und die Sicherheit nicht gefährden. Einbautelefone für das Auto entsprechen diesen Anforderungen, denn sie werden über Spracheingabe und-ausgabe bedient und verfügen über eine Freisprechfunktion, die während eines Gesprächs störende Geräusche unterdrückt. Auch Telefone, die das Abrufen von Telefonbuch- und Organizerdaten ermöglichen, treiben die Entwicklung der automobilen Kommunikation weiter voran.

Bislang informieren Navigationssysteme den Autofahrer darüber, wie er theoretisch am schnellsten an sein Ziel kommt. Praktisch kann es allerdings passieren, dass er trotzdem im Stau steht. Mit dynamisierten Navigationssystemen lassen sich Staus umfahren, denn sie machen die Routenführung von der aktuellen Verkehrslage und den persönlichen Präferenzen des Fahrers abhängig. Mit modernen Telematiksystemen können laufend aktualisierte Verkehrsinformationen, Umleitungsempfehlungen, Informationen über Staulängen und Fahrzeiten im Auto empfangen werden. Möglich machen dies in Deutschland nicht nur die von der öffentlichen Hand zur Verfügung gestellten Verkehrsinformationen, sondern unter anderem auch die mehr als 4 000 Infrarot-Sensoren privater Betreiber. Diese entlang der Autobahnen installierten Systeme werden mit Solarenergie betrieben. Sie messen rund um die Uhr das Volumen und die Geschwindigkeit des Verkehrs und liefern aktuelle Informationen über die Verkehrslage.

Eine Reihe von Beispielen zeigt, dass Telematik nicht nur für einfache Navigationssysteme steht, sondern umfassende Sicherheits-, Kommunikations- und Informationsfunktionen bietet. Automobilhersteller und Systemlieferanten entwickeln Telematiklösungen bereits seit einigen Jahren. Motorola beispielsweise hat im Jahr 1996 als einer der Vorreiter im Telematikmarkt Ford bei der Entwicklung und Implementierung des "Sicherheits-Systems" RESCU unterstützt. Und auch in Zukunft werden Telematiklösungen bei der Entwicklung des Automobils eine wichtige Rolle spielen. Diesen Trend bestätigen auch aktuelle Prognosen für das weltweite Volumen des Telematikmarktes von zirka 22 Milliarden US-Dollar in 2003 und sogar zirka 45 Milliarden US-Dollar in 2006. Ein Fahrzeug der Mercedes-S-Klasse kann bereits heute auf bis zu 80 intelligente Mikoprozessoren verweisen.

Bernhard Läpke, Corporate Vice President und General Manager Europe, Middle East and Africa des Unternehmensbereiches "Integrierte Elektroniksysteme" bei Motorola, Wiesbaden.

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