Mit Tricks aus dem Computer peppen Studios ihre Kinofilme auf
Linux-Rechner lösen Spezialcomputer von Silicon Graphics ab

Linux erobert neue Märkte: In den neuen Kinofilmen wie "Jurassic Park", "Shrek" und "Planet der Affen" sorgen computergenerierte Landschaften und Akteure erst für die richtige Spannung. Bisher waren dafür teure Spezialrechner notwendig. Dank Linux bekommen die Studios jetzt mehr Rechenleistung für weniger Geld.

PALO ALTO/DÜSSELDORF. Kein großer Kinofilm kann heute mehr ohne die Hilfe von Computern fertig gestellt werden. Die Anforderungen der Drehbuchautoren und Regisseure an die Bildersprache steigt. Vieles, was Filme erst aufregend macht, ist mit herkömmlichen Tricks nicht mehr realisierbar. Dabei geht es nicht nur um die spektakulären Dinosaurier, die nur im Rechner leben, sondern auch um Effekte, die man als solche nicht wahrnimmt. Sei es ein Himmel, der nachbearbeitet wird, um die richtige Stimmung zu erzeugen, oder Nebel, der nachträglich erzeugt werden muss. Teams von über 50 Mann arbeiten monatelang daran, dem Film Spezialeffekte und Kreaturen mit digitaler Bildtechnik hinzuzufügen. Bild für Bild wird digitalisiert, und in Netzwerken mit Hunderten und Tausenden von Prozessoren - Renderfarmen genannt - werden die von Animateuren erzeugten Arbeiten hinzugefügt.

Die Rechner für die Erstellung digitaler Effekte waren bisher eine Domäne von Silicon Graphics (SGI), dem Computerhersteller, der sich sehr früh auf dreidimensionale Grafik, also die realistische Darstellung von räumlichen Szenen spezialisiert hatte. Diese Vorherrschaft scheint nun gebrochen. Dreamworks hat sich nach langem Überlegen für Linux entschieden.

Als Vorteil nennt Jeffrey Wike, Projektleiter bei dem Filmstudio, dass Linux auf allen Hardware-Plattformen läuft und man nun nicht mehr von einem Lieferanten abhängig sei. Neben der teuren Hardware kann damit preiswertere Rechnerhardware mit Intelprozessoren eingesetzt werden, die mittlerweile ebenfalls über ausreichende Rechenleistung verfügen. Die Wahl fiel auch deshalb auf Linux, weil die bisherigen Rechner ebenfalls mit einem Unix-System betrieben wurden.

Die Verwandtschaft von Linux und Unix ist so groß, dass die selbstentwickelte Software mit überschaubarem Aufwand auf die neuen Rechner übertragen werden kann. Das ist ein wichtiger Punkt, da eigene Software bei den Filmfirmen immer noch etwa 50 % der eingesetzten Programme ausmacht. Zudem wird Nachwuchsrekrutierung erleichtert, weil eine Linux-Ausbildung an den Universitäten zum Standard gehört.

Die schrittweise Umstellung betraf nicht nur das Studio in Glendale, einem Vorort von Los Angeles, sondern auch die eng mit Dreamworks liierte Spezialfirma Pacific Date Image (PDI), die im Silicon Valley in Palo Alto zu Hause ist. Dort wurden sogar während der Produktion des Zeichentrickfilms "Shrek" Rechner sukzessive auf Linux umgestellt. Der erste Film, den PDI ausschließlich auf Linux produzieren wird, ist der Trickfilm "Spirit", der im Mai 2002 in die Kinos kommen wird.

Die Entscheidung für Linux haben nun auch andere Firmen wie Disney oder Digital Domain gemeldet. "Innerhalb der nächsten zwei Jahre werden die meisten der großen Studios mit Linux arbeiten", ist Wike fest überzeugt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%