Mit Turbo-Zertifikaten können Anleger Kursverluste auffangen
Auch für Aktien gibt es eine Versicherung

Ob Diebstahl, Unfall, Krankheit oder Berufsunfähigkeit: Mittlerweile kann man sich gegen fast alle Gefahren des täglichen Lebens absichern. Angesichts der massiven Verluste an den Aktienmärkten wünscht sich so mancher Investor wohl auch eine Versicherung gegen einen Börsencrash. Was wenige wissen: Solche Policen existieren bereits. In der Sprache der Börsianer heißen sie Put-Optionsscheine oder Short-Turbo-Zertifikate. Allerdings ist der Einsatz solcher Papiere in der Praxis nicht einfach.

DÜSSELDORF. Die Instrumente funktionieren nach dem gleichen Grundprinzip. Sie legen überproportional an Wert zu, wenn die zu Grunde liegende Aktie oder der Index ins Minus rutscht. Verliert beispielsweise der Dax an einem Tag 3 % an Wert, gewinnt mancher Schein etwa 12 %. Die Absicherungsidee: Wer eine Aktie besitzt, kauft sich für den Bruchteil des Kurswertes Puts oder Short-Turbos. Sinkt die Aktie tatsächlich, kompensiert der Zugewinn dieser Papiere den Verlust. Steigt sie dagegen über eine bestimmte Schwelle, muss der Anleger die Kosten der Titel als Versicherungsprämie abschreiben.

In der aktuellen Börsensituation eignen sich allerdings nur Short-Turbos dazu, Depotwerte abzusichern. Denn Optionsscheine sind zurzeit zu teuer. Dies liegt daran, dass neben der Entwicklung des Underlyings bei ihnen auch die Schwankungsbreite am Aktienmarkt (Volatilität) in die Bewertung einfließt. Je stärker die Börsen Achterbahn fahren, umso teurer sind die Scheine. Wer bei der derzeitigen Volatilität Optionsscheine kauft, riskiert einen schnellen Wertverlust, wenn die Volatilität wie erwartet zurückgeht.

Turbo-Zertifikate sind jedoch fast frei von dem Einfluss anderer Parameter - außer dem Kurs des Underlyings. Sie eignen sich momentan zur Absicherung. Allerdings weisen sie eine andere wichtige Besonderheit auf: Steigt die Aktie oder der Index über eine bestimmte Stopp-loss-Marke, werden sie fast wertlos ausgebucht. Bei der Wahl des richtigen Absicherungspapiers sollten Anleger die Schwelle nicht zu eng setzen - obwohl Papiere mit einer Stop-Loss-Marke nahe am aktuellen Kurs der Aktie eine hohe Hebelwirkung haben. Vor allem bei einem Zickzackkurs der Börsen können sie gefährlich werden: Wenn die Kurse kurz über die Stop-Loss-Schwelle steigen, wird die Versicherung ausgebucht, was bei einem anhaltenden Trend kein Problem darstellt - die Aktien verzeichnen ja Zugewinne. Fallen die Notierungen danach jedoch, steht der Anleger ohne Absicherung da. "Das ist dann dumm gelaufen", urteilt Stefan Armbruster von ABN Amro.

Wenig Sinn macht es, bei der Absicherung jeden Depotwert einzeln zu berücksichtigen. "Dabei verliert man schnell den Überblick", sagt Thorsten Michalik von der Deutschen Bank. "Wer mindestens vier Dax-Werte im Depot hat, sollte sich lieber ein Index-Papier auf den Dax kaufen." Die Banken bieten mittlerweile eine große Auswahl verschiedener Papiere.

Als alternative Absicherungsform für einen Einzelwert können Anleger auch zur "Cash Extraction" greifen. Die Idee dabei: Die Aktien werden verkauft und das Geld dann zum größten Teil in sicheren Anlageformen angelegt. Der Rest wandert in Turbo-Papiere auf eben diese Aktie. Sie sind sozusagen die Versicherung, wenn die Aktie doch steigt. Hierbei greift der Investor zu Titeln, die genau entgegengesetzt zu Shorts funktionieren. Durch ihre Hebelwirkung kompensieren sie den entgangenen Kursgewinn. Fallen die Aktien, hat der Verkauf der Aktien den Anleger vor Verlusten bewahrt. Den Wertverlust der erworbenen Turbos muss er dabei hinnehmen, die Position ist dafür in beide Richtungen gut abgesichert. Auch hierbei gilt wieder der Grundsatz, dass die Abdeckung mehrerer Aktien über ein Index-Papier in der Regel effizienter ist als die Einzeltitel-Absicherung.

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