Mit „V-Power“ steigert Shell seinen Marktanteil von Super-Plus
Edelsprit lockt Raser an die Zapfsäule

Für den ungetrübten Fahrspaß ist dem deutschen Autofahrer kein Sprit zu teuer. Nach diesem Motto hat Shell jetzt seinen Super-Plus-Kraftstoff aufgemöbelt und hofft mit seinem "V-Power" vor allem die Kunden zu gewinnen, die mit ihrem Auto gerne etwas schneller fahren.

HAMBURG. Der neue Kraftstoff bietet jetzt garantiert 100 Oktan. Ein spezieller Zusatz soll außerdem die Reibung zwischen Kolbenring und Zylinder reduzieren und dafür sorgen, dass der Motor besser beschleunigt. Ob das neue Super-Plus jedoch wirklich besser ist als der entsprechende Sprit der Wettbewerber, ist umstritten.

Denn gegenüber den Super-Plus-Sorten der Konkurrenten hat "V-Power" lediglich zwei Oktan mehr. Die Konkurrenzprodukte bieten im Schnitt 99 Oktan, produktionsbedingt können es auch 100 bis 102 Oktan sein. Doch garantiert werden nur 98. Mit steigender Oktanzahl wird die Klopffestigkeit des Motors erhöht. Bei Benzinmotoren wird das Kraftstoffgemisch von einer Flammenfront verbrannt, die sich von der Zündkerze aus im Verbrennungsraum ausbreitet. Ist der Oktanwert für einen Motor zu niedrig, kann das Benzin-Luft-Gemisch bereits vor der geplanten Zündung entflammen. Die Druckwelle schlägt dann gegen den noch aufwärts strebenden Kolben und kann schlimmstenfalls den Motor schädigen. Zu hören ist das metallische Klopfen.

Mit neuem Sprit spritziger

Shell-Sprecher Rainer Winzenried, nach eigenem Bekunden selbst Besitzer eines Altertümchens, hat die belebende Wirkung der Mixtur bei seinem eigenen Auto verspürt. "Der Wagen zog richtig kräftig an. Ein ganz neues Gefühl", versichert Winzenried.

Der Shell-Sprecher wäre somit der ideale Kunde für den Edelsprit. Profitieren können von dem neuen Benzin nach Einschätzung von Shell-Forscher Gerd Hagenow vor allem ältere Motoren ohne ausgefeiltes Motormanagement. Denn wenn sich im Lauf der Zeit Ablagerungen gebildet haben, die die Verdichtung erhöhen, neigen diese Motoren bei zu geringer Oktanzahl zum Klopfen. Profitieren könnten aber auch Motoren mit aktiven Klopfsensoren, die sich an die höhere Oktanzahl herantasten und damit die Leistung besser ausnutzen.

Nach Flottentests spricht Shell von einer um bis zu 10 % gesteigerten Beschleunigung. Dabei wird indes verschwiegen, dass die Verbesserung gegenüber Superbenzin mit 95 Oktan und nicht gegenüber Super-Plus mit 98 Oktan gemessen wurde. Darüber hinaus liegt der Mittelwert der Shell-Messungen eher bei 5 bis 6 %.

Das neue Super-Plus ist deutlich teurer

Obwohl "V-Power" pro Tankfüllung im Schnitt 7,50 Euro mehr kostet als Superbenzin, scheint das Konzept des Ölkonzerns aufzugehen. Es gibt Kunden, glaubt Winzenried, denen nach dem Motto "Man gönnt sich ja sonst nichts" für den Fahrspaß nichts zu teuer ist. So ist der Absatz bei Shell für Super-Plus von vorher 7 % auf 10 % gestiegen. Im Branchendurchschnitt liegt der Anteil an Super-Plus nur bei 3,7 %.

Die kraftstrotzenden Werbesprüche des niederländisch-britischen Ölmultis haben zwar die Marketing- Strategen der Wettbewerber aufgeschreckt. Die Forscher in den anderen Konzernen zeigen sich hingegen unbeeindruckt. "Wir haben den neuen Kraftstoff gegen das bisherige Shell-Produkt ,Optimax? getestet und sind ganz relaxed", kommentiert der Aral-Kraftstoffexperte Wolfgang Dörmer. Selbst das Additiv zur Reibungsminderung (Friction Reducer) sei ein alter Hut. Das benutze Aral nach Dörmers Worten bereits seit 1999. Anders als bei Shell werde der Kraftstoffzusatz nicht nur dem Top-Produkt beigemischt, sondern allen Benzinsorten - angefangen beim Normal. Von daher: "Schön, aber keine bewegende Innovation", sagt Dörmer.

Und wie schlägt sich das neue Shell-Plus in den Autotests? Im Auftrag von Autozeitungen und des TV-Senders Sat.1 hat die Dekra einen Toyota und einen Ford mit dem neuen Stoff aufgetankt und um den Sachsenring gescheucht. Das Resultat: Gegenüber dem marktüblichen Euro Super wurden Leistungssteigerungen zwischen einem und etwas über 3 % gemessen. Das liege, wie Aral-Experte Dörmer kommentiert, im normalen Streubereich von Super Plus gegen Super.

Autohersteller geben sich skeptisch

Auch die Automobilindustrie zeigt sich auf Nachfrage skeptisch. "Das neue Super bringt bei unseren Motoren definitiv nicht mehr Leistung", betont Daimler-ChryslerSprecher Florian Moser. "Wir haben das untersucht." Moderne Motoren seien so abgestimmt, dass sich ihnen das zusätzliche Potenzial von "V-Power" nicht erschließt. Die Klopfsensoren in den Motoren reagieren auf zu niedrige Oktanwerte und reduzieren die Verdichtung. Sie reagieren aber nicht auf erhöhte Oktanzahlen. Ähnlich argumentiert Porsche.

BMW-Sprecher Wieland Bruch umschreibt es diplomatisch: "Wir können uns vorstellen, dass es bei hohen Umgebungstemperaturen und einigen wenigen Fahrbedingungen zu einer graduellen Leistungssteigerung kommt."

Im Klartext: Der Dauerraser mit einem Hang zum Kavalierstart kann unter mediterraner Sonne die Leistung seines Autos geringfügig verbessern. Da hat Shell mit Michael Schumacher den idealen Werbepartner gewählt.

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