Mit Verspätung liefert der Bundestrainer eine Erklärung für die Defizite im deutschen Spiel
Herr Skibbe und die trockene Theorie

Der Bundestrainer, der zweite Mann hinter Rudi Völler also, war mal wieder dran. Und er hatte endlich die Neuigkeiten mitgebracht, auf die alle gewartet hatten. Vier Tage nach dem 1:0 der deutschen Nationalelf im WM-Achtelfinale über Paraguay war es Michael Skibbe vorbehalten, das Rätsel der dürftigen Leistung zu lösen.

SEOGWIPO. "Der Gegner", so der 37-Jährige, "hat fast nur mit langen Bällen operiert, da konnte gar kein Mittelfeldspiel entstehen." Vor allem aber: "Auf dem trockenen Platz war es schwer, spielerische Elemente zu betonen."

Oh Mann, die Weltmeisterschaft dauert offenbar schon zu lange, der Lagerkoller schränkt die Fähigkeit ein, klare Gedanken zu fassen. Auch und vor allem bei den Deutschen. Denn der Rasen in Seogwipo war tadellos, wahrlich nicht schlechter als in Bundesliga-Stadien, und er bot beste Voraussetzungen für ein richtig gutes Spiel. Wenn der Bauer nicht schwimmen kann...

Dass es auch anders geht, bewiesen die Südkoreaner bei ihrem Sieg über Italien. Sie riskierten viel, spielten immer nach vorne, griffen frühzeitig an, waren schnell, wendig und motiviert. Folge dieser Performance: beste Unterhaltung, die in einem nationalen Jubelschrei in der Verlängerung mündete. Vieles, was die WM-Gastgeber haben, hat die deutsche Mannschaft nicht. Was nicht zwangsläufig bedeutet, dass die Asiaten unterm Strich erfolgreicher sein werden als Völlers Auswahl. Aber der quirlige Clown bekommt im Zirkus in der Regel mehr Applaus als der Dompteur behäbiger Bären.

Miroslav Klose, jener Mann, der von der sportlichen Leitung ein Interview-Verbot erhielt, weil er zu viele Tore geschossen hat, gehört nicht zu den schwerfälligen Vertretern im Kader. Rein körperlich betrachtet. Gleichwohl fiel ihm auf, "dass die Koreaner auf dem Platz wie Bienen sind". Gestern waren auch die koreanischen Medienvertreter im DFB-Pressezentrum zahlreicher als sonst vertreten, sie stellen sich wohl schon auf ein Halbfinale Südkorea - Deutschland ein.

Dafür müssen die einen zunächst einmal Spanien und die anderen die USA besiegen. Letzteres ist laut Skibbe ohnehin beschlossene Sache. "Unser Team ist stärker als das der Amerikaner, also werden wir sie auch schlagen", mimte der Trainer erneut den "Die anderen sind sowieso nur Statisten"-Prediger. Wenn die Spieler ähnlich forsch zu Werke gehen wie Skibbe in Pressekonferenzen, würde es gewiss seltener Grund zur Kritik geben.

Möglicherweise aber ging der Bundestrainer auch deswegen so vehement in die Offensive, weil es in Südkorea am Mittwoch wie aus Kübeln goss. Seine Erfolgsformel ist schlicht: je feuchter der Platz, desto besser die Leistung.

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