Mit Vollgas aus der Flaute
US-Autobranche: Auf der Erfolgsstraße durchs Konjunkturtal

Die US-Autoindustrie vermeldet grandiose Verkaufszahlen, die nicht zuletzt zu einem 200-Punkte-Umschwung im Dow beitrugen. Analysten haben mittlerweile ihre Schätzung für das Gesamtmarktvolumen angehoben. Der Grund: Der Kunde kauft wieder.

Er ist der König der Wall Street, der Retter der Märkte. Seit Monaten schauen Konjunktur-Auguren nur auf ihn. Sie beobachten ihn, wenn er morgens ins Auto steigt und wenn er mittags zum Einkaufen geht. Sie schauen auf seinen Lohnzettel und fragen ihn abends im Restaurant, wann er einen Kredit aufnimmt, sein Haus bezahlt und in den Urlaub fliegt. Und in den letzten Wochen hat er fast nur für Freude gesorgt - der Verbraucher.

In den letzten Monaten machte der Verbraucher viele froh, und zuletzt vor allem die Automobilindustrie. Selten wurden im April so viele Wagen abgesetzt wie in diesem Jahr. Selten hat die Industrie den König Kunden aber auch so umgarnt wie in den Monaten seit dem 11. September, der das Verbrauchervertrauen zeitweise zerstörte und die Nachfrage verstummen ließ.

Mit patriotischen Slogans wie "We Keep America Rolling" appellierten Firmen an den ungebrochenen Nationalstolz der Amerikaner, mit Super-Schnäppchen und Null-Prozent-Finanzierungen schafften sie Kauflust. Über die margenerschütternden Sonderangebote waren nicht alle Analysten froh - sie sahen die Nachfrage künstlich angefacht und warnten vor einem dramatischen Einbruch spätestens im Frühjahr.

Doch der blieb aus: Am Mittwoch meldete die US-Autoindustrie grandiose Verkaufszahlen, die nicht zuletzt zu einem 200-Punkte-Umschwung im Dow beitrugen. Analysten haben mittlerweile ihre Schätzung für das Gesamtmarktvolumen angehoben.

Laut dem Branchendienst Ward?s hat die Industrie seit Jahresbeginn 8,4 % mehr Autos abgesetzt als im gleichen Zeitraum 2001. Für die drei großen Hersteller stellt sich die Situation so dar: General Motors hat die US-Absätze im April um 13 % gesteigert - der Markt hatte mit einer flachen Entwicklung seit März gerechnet.

DaimlerChrysler setzte 3 % mehr Wagen ab als im Vergleichsmonat, und allein Ford fährt weiter auf holprigen Wegen: Man verkaufte 7 % weniger Autos als im Vormonat. Insgesamt hat der US-Markt, auf dem in 2002 16,5 Mio. Wagen abgesetzt werden sollen, im April 3 % mehr Autos aufgenommen als im Vorjahreszeitraum - deutlich Marktanteile gewinnen konnten neben GM aber vor allem die europäischen Wagen.

Einen US-Manager freut das besonders: den Chrysler-CEO Dieter Zetsche. Denn der hat sich als Sanierer und Kostensenker einen Namen gemacht und das Unternehmen in die schwarzen Zahlen geführt. Eigentlich hatte er nur noch ein Imageproblem. Schon dass ein Daimler-Chef Schrempp einen Deutschen an die Spitze der US-Tochter stellte, verdross die Amerikaner, die nähere Zusammenarbeit mit Mitsubishi setzte noch in Sachen Angst vor Entfremdung noch eines drauf - und dann erteilte der Konzernchef in Stuttgart auch noch dem alten Chrysler-Star Lee Iaccoca eine Absage, der als Berater wieder hatte einsteigen wollen.

Angestellte und Kunden waren auf den Kleinsten der "Großen Drei" nicht mehr gut zu sprechen. Doch wie die Verkaufszahlen belegen, hat Zetsche dem Verbraucher klar gemacht, dass nicht zwei unterschiedliche Firmenkulturen aufeinandergeprallt sind sondern ein amerikanischer Konzern deutsches Know-How gewonnen hat.

"Wir sind durch Tiefen gegangen und auch konzernintern gab es Spannungen, doch die haben wir hinter uns gelassen", sagt Zetsche nun und ist in Gedanken ohnehin schon einen Schritt weiter - nämlich im Herbst, wenn Chrysler mit den Gelände-SUV Dodge Ram den Markt ein weiteres Segment erobern will. Für 2003 sind weitere Modelle aller drei Chrysler-Marken angesetzt, nur an eines denkt man nicht: an Kleinwagen. Den Markt sieht Zetsche nicht, und vielleicht hätte er sich genau deshalb nicht mit dem großen Iaccoca vertragen. Der bastelt schon seit Jahren an kleinen, umweltverträglichen Formaten und experimentiert sogar mit Elektromotoren.

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