Mit Zinssenkung Inflationsdruck berücksichtigt
EZB rechnet auf kurze Sicht mit schwachen Konjunkturdaten

Die EZB rechnet auf kurze Sicht mit weiter schwachen Konjunkturdaten für die Euro-Zone, sieht aber die Rahmenbedingungen für eine konjunkturelle Erholung im Verlauf des nächsten Jahres als gegeben an.

Reuters FRANKFURT. "Das gegenwärtige, von großer Unsicherheit geprägte Umfeld wird voraussichtlich zu Verschiebungen von Investitionen führen und in gewissem Maße auch das Wachstum des privaten Verbrauchs im Eurogebiet beeinträchtigen", stellt die EZB in ihrem am Donnerstag vorgelegten Monatsbericht für Oktober weiter fest. Bei der Zinssenkung vom 8. November um 50 Basispunkte auf 3,25 im Schlüsselzins habe die Notenbank auch den zuletzt nachgelassenen Inflationsdruck berücksichtigt. Im Jahresverlauf 2002 werde die Inflationsrate sicher wieder unter die Toleranzgrenze von 2,0 % fallen.

Nach der vierten Leitzinssenkung des Jahres sei die Preisstabilität auf mittlere Sicht gewährleistet, was wiederum eine konjunkturelle Erholung begünstigen dürfte. Angesichts der zu erwartenden weiter schwachen Konjunkturdaten dürften die Prognosen und Projektionen höchstwahrscheinlich nach unten revidiert werden. Inzwischen werde auch damit gerechnet, dass das reale BIP-Wachstum im nächsten Jahr teilweise hinter dem Produktionspotenzial zurückbleiben werde. Das Produktionspotenzial hat die EZB mit 2,0 bis 2,5 % beziffert. Insgesamt gebe es keine größeren Ungleichgewichte und die Fundamentaldaten der Euro-Zone seien solide, heißt es in dem Bericht weiter. Weitere positive Wachstumsimpulse erwartet die EZB davon, dass sich die verfügbaren Einkommen im Zuge der rückläufigen Inflation erhöhen.

Im September hatte die Inflation in der Euro-Zone 2,5 (August 2,7) Prozent betragen, nachdem sie im Mai auf bis zu 3,4 angestiegen war. Das Europäische Statistikamt Eurostat schätzt für Oktober eine Jahresteuerung von 2,4 % im Währungsgebiet.

Die EZB bekräftigte zudem, die Geldmengenentwicklung sei durch Sonderfaktoren nach oben verzerrt und signalisiere deshalb keine Inflationsgefahr. "Unter Berücksichtigung des anhaltenden Rückgangs der Wachstumsrate der Kreditgewährung an den privaten Sektor zeigen die derzeitigen monetären Entwicklungen keine Risiken für die Preisstabilität auf mittlere Sicht", heißt es in dem Bericht. Nach wie vor sei die M3-Wachstumsrate wegen der von Ansässigen außerhalb der Euro-Zone gehaltenen Geldmarktpapiere und Schuldverschreibungen um etwa einen drei viertel Prozentpunkt nach oben verzerrt. Mit den M3-Daten für Oktober werde die EZB offizielle, um die Verzerrung bereinigte Zeitreihen zur Verfügung stellen.

Im Dreimonatsdurchschnitt Juli bis September war das Geldmengenwachstum auf 6,9 % und damit deutlich über den Referenzwert von 4,5 % angestiegen.

Die EZB forderte die Regierungen in der Euro-Zone erneut auf, die Strukturreformen voranzutreiben. Dies werde sich auf das Wachstum der Beschäftigung in der Euro-Zone auswirken und die Anfälligkeit der Wirtschaft bei zukünftigen Schocks vermindern. "In einem Umfeld schwächerer Wirtschaftstätigkeit sollte die Notwendigkeit, strukturellen Rigiditäten entgegenzuwirken, noch augenfälliger sein als in Zeiten lebhaften Wachstums", heißt es in dem Bericht. Dies bedeute, Reformen müssten eher früher als später angegangen werden.

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