Mit Zuckerbrot und Peitsche
Tausende von Amerikanern halten Tiger

Viele Tiger werden als junge, niedliche Tiere gekauft und wachsen dann schnell heran. Sie fressen bis zu 20 Pfund Fleisch pro Tag und werden gefährlich. Wenn sie dann lästig werden, werden sie ausgesetzt oder eingeschläfert.

dpa/HB TYLER. Vier Tiger spielen ausgelassen in einem hellen, kleinen Gehege. In ihrer Mitte bewegt sich Terri Block ohne Furcht. Die blonde Texanerin streichelt ihre Schützlinge, spricht sanft mit ihnen und wirft ihnen Spielzeug zu. Nur Gunther ist schlechter Laune, der prachtvolle Tiger will trotz Zuredens nicht aus seinem Käfig auf die Spielwiese kommen. Die anderen Raubkatzen amüsieren sich unterdessen im Wasser einer Badewanne. Diese friedliche Szene spielt sich im "Tiger Creek Wildlife Refuge" ab, einem Asyl für Raubtiere im Nordosten von Texas.

"Wir haben zur Zeit 21 Tiger, fünf Löwen und zwei Pumas hier", sagt Terri Block, die Managerin des Tigerheims, das im grünen Farmland liegt. Die aus privaten Spenden finanzierte Zufluchtstätte ist randvoll. Vor knapp einem Jahr nämlich änderte der US-Bundesstaat Texas seine Bestimungen zur Haltung von Raubtieren. Seitdem ist die Haltung von Tigern und anderen Wildkatzen in zwei Dritteln der texanischen Bezirke illegal. Immer mehr Tiger werden ausgesetzt, abgegeben oder heimlich getötet.

Niemand kennt die genaue Zahl der Tiger, die in den USA privat gehalten werden. Tierschutzverbände sprechen von rund 5 000 - mehr also als weltweit in freier Wildbahn leben. In Texas gibt es die meisten Tiger, vermutlich mehr als 2 000. Bis vor kurzem konnte hier jeder, der einen Tiger haben wollte, seinen Wunsch erfüllen. "Tiger sind nicht teuer", erklärt Terri Block. "Sie vermehren sich in Gefangenschaft rasant und problemlos, und es gibt viele Züchter in den USA, viele davon skrupellos und profitgierig."

Das Tiger-Haus nördlich der Kleinstadt Tyler bietet Raubkatzen, die die oft eine furchtbare Vergangenheit haben, eine neue Heimat. Amara zum Beispiel wurde von klein auf von ihrem Besitzer mit Knüppeln geschlagen und musste mit Hunden kämpfen. Noch heute schreckt sie vor Männern zurück, die wie ihr ehemaliger Halter eine Baseballkappe tragen. Simon wurden wie vielen anderen Tigern die Klauen operativ entfernt. Aber Tiger benötigen sie zum Auftreten und können ohne sie nicht mehr richtig laufen.

Viele Tiger werden als junge, niedliche Tiere gekauft und wachsen dann schnell heran. Sie fressen bis zu 20 Pfund Fleisch pro Tag und werden gefährlich. Lexie war ein solches Haustier und sollte später eingeschläfert werden. Doch der Tierarzt brachte den Tiger zum Asyl von Tyler. Hier leben auch Accolon und Sierra, einst die Haus-Tiger von Popstar Michael Jackson. Als Jackson nicht mehr für die Raubtiere sorgen konnte oder wollte, kamen sie ins Heim nach Texas. "Michael Jackson spendete uns 4000 $, davon konnte wir gerade einen Käfig bauen", erzählt Terri Block.

Das Halten von privaten Tigern ist in den US-Bundesstaaten unterschiedlich geregelt. Einige verbieten es grundsätzlich, in anderen braucht man eine Genehmigung, und in manchen gibt es kaum Aufsicht. Tierschutzvereine meinen, Tiger gehören auf die freie Wildbahn und sollten keine Haustiere sein. Sie weisen auf die vielen verwahrlosten, misshandelten, ausgesetzten und eingeschläferten Tiere hin. Und Raubkatzen sind natürlich gefährlich: Allein in Texas wurden in den letzten drei Jahren zwei kleine Kinder von privat gehaltenen Tigern getötet.

Im Kongress von Washington liegt jetzt ein Gesetzentwurf vor, der zum ersten Mal auf Bundesebene die private Haltung von Raubkatzen und Bären einschränken würde. "Wir wollen gar nicht, dass Tiger verboten werden", meint Terri Block. "Die Haltung müsste nur genau geregelt werden. Mit strengen Sicherheitsvorschriften und Kontrollbesuchen, wie sie es in der Agrarwirtschaft gibt." Zur Zeit sind Aufnahmestationen wie Tiger Creek vollbelegt. Noch reichen die Spenden aus, um die 300 Pfund Fleisch pro Tag und die angestellten Helfer zu bezahlen.

Am Wochenende kommen rund 100 Besucher, wochentags auch ganze Schulklassen. "Meine Tiger sehen mich als ihre Mutter an", sagt Terri Block. "Wir sind hier seit 1996, und ich hatte praktisch nie Urlaub. Man muss mit dem Herzen dabei sein."

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