Mit zunehmender Dauer der Kämpfe wird in verschiedenen Branchen ein Nachfragerückgang spürbar
Irak-Krieg drückt auf die Stimmung

Die Hoffnungen auf ein schnelles Ende des Irak-Feldzuges sind verflogen. Die Verunsicherung der Kunden nimmt zu. Besonders konsumorientierte Branchen leiden unter Umsatzeinbußen. Je länger der Krieg dauert, um größer ist die Gefahr, dass die Krise auch Automobilhersteller und Anlagenbauer erfasst.

hof/mjh FRANKFURT/M. Mit einer wachsenden Zahl an Negativmeldungen aus dem Irak schwindet in vielen Branchen die Hoffnung, von den Wirkungen des Krieges verschont zu bleiben. Die Tourismus- und die Konsumgüterbranche melden bereits Umsatzeinbußen. Die Verkäufe der US-Automobilhersteller gingen seit Kriegsbeginn um 8 % gegenüber dem Vorjahr zurück.

Arg gebeutelt sind die großen Hotelbetriebe in Deutschland. Sie verzeichnen Einbußen von bis zu einem Fünftel ihres Umsatzes, teilte der Hotelverband Deutschland gestern mit. Grund seien vor allem Absagen für Veranstaltungen oder Tagungen aus dem Ausland, insbesondere aus den USA. Der wirtschaftliche Schaden von bislang 10 Mill. Euro sei allerdings geringer als unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September.

Auch bei Europas zweitgrößtem Reisekonzern Thomas Cook liegt der gebuchte Umsatz wegen der Irak-Krise aktuell um 6,1 % unter Vorjahr. Für die seit November laufende Wintersaison lägen die Buchungsumsätze knapp auf Vorjahresniveau, für die doppelt so umsatzstarke Sommersaison dagegen noch um 9,2 % unter 2002, teilte Thomas Cook am Mittwoch mit.

Der niederländische ElektronikKonzern Philips bekommt ebenfalls die ersten Auswirkungen zu spüren. In den USA sei das Geschäft im Einzelhandel in den vergangenen Tagen um fast 10 % rückläufig gewesen, sagte Vorstandschef Gerard Kleisterlee. Dies könne sich zwar schnell wieder ändern. Aber "wenn der Krieg länger dauert, wird sich das für uns in einigen Sparten bemerkbar machen".

Auch die deutschen Anlagenbauer spüren erste Rückschläge im Nahost-Geschäft. "Die Nachbarn des Irak halten sich spürbar mit Aufträgen zurück", teilte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mit. 2002 kam jede zehnte ausländische Bestellung der deutschen Maschinenbauer aus dieser Region.

Ausgerechnet im für die Branche extrem wichtigen Frühjahr drücken die Kämpfe im Irak auf die Laune der Autokäufer. Bei einer länger andauernden Auseinandersetzung könnte die Nachfrage sogar auf den niedrigsten Stand seit eineinhalb Jahrzehnten fallen. Das prognostizieren die Marktexperten von Global Insight Dri Automotive und das Prognose-Institut Autofuture.

Die Hersteller selbst halten sich - mit Ausnahme von Volkswagen - noch mit pessimistischen Aussagen zurück. Im Gegensatz zu den USA, wo nach Erhebungen von CNW Marketing & Research bereits jetzt 30 % weniger Kunden einen Autohändler aufsuchen, ist in Deutschland nach Meinung des Branchenverbandes VDA ein Rückgang noch nicht erkennbar.

Der März, der wahrscheinlich nur leicht hinter dem allerdings schwachen Vorjahresmonat liegt, scheint den VDA zu bestätigen. Doch es mehren sich die Stimmen, die daran zweifeln, dass die Modelloffensiven von VW oder BMW die Bilanz des Gesamtjahres retten kann. "Wenn in verkaufsstarken Monaten der Krieg die Stimmung drückt, können das auch die vielen neuen Modelle im Herbst nicht mehr ausgleichen", betonte Christoph Stürmer, Analyst bei Global Insight Dri Automotive. Er erwartet für Deutschland einen weiteren Rückgang der Nachfrage um knapp 2 % - unter der Voraussetzung, dass der Irak-Krieg schnell endet.

Bei kriegerischen Auseinandersetzungen, die länger als acht Wochen dauern, zeichnet das Unternehmen ein noch düsteres Szenario. Dann würde der Automobilmarkt in Deutschland für Jahre zurückgeworfen. Einem Rückgang der Nachfrage in diesem Jahr um 5,6 % auf nur noch knapp drei Millionen Fahrzeuge würde nach den Modellrechnungen von Analyst Philipp Rosengarten 2004 ein weiterer Einbruch um 6,2 % auf unter 2,9 Mill. Autos folgen. Das wäre das erste Mal seit 15 Jahren, dass in Deutschland weniger als drei Millionen Fahrzeuge neu zugelassen werden.

Ferdinand Dudenhöffer, Geschäftsführer bei Autofuture, sieht in seinen Negativ-Szenarien diese Marke schon in diesem Jahr unterschritten. Bei einem schnellen Kriegsende ist er dagegen optimistisch, dass die Nachfrage in Deutschland noch in diesem Jahr wieder steigt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%