Mit zwei Lancia-Modellen will der neue Autochef Boschetti einen Neuanfang wagen
Fiat setzt auf strenges Kosten-Management

Trotz tiefroter Verluste glaubt Autochef Giancarlo Boschetti an einen Neubeginn. Mit drastischen Kostensenkungen will er das angeschlagene Unternehmen wieder auf Kurs bringen.

zel/kri TURIN. Niemand bei Fiat streitet den Ernst der Lage mehr ab: "Wir sind ein Unternehmen mit vielen Problemen", sagte Fiat-Autochef Giancarlo Boschetti gestern in Turin bei der Präsentation der beiden neuen Lancia-Modelle "Thesis" und "Phedra". Im ersten Quartal 2002 standen in den Büchern von Fiat-Auto Verluste von 429Mill. Euro - fast so viel wie im gesamten Jahr 2001. Nun drückt Boschetti, der seit Dezember im Amt ist, auf die Kostenbremse. Man werde die Zahl der aktuell verfügbaren Pkw-Versionen um rund ein Drittel senken. Und anstatt auf renditeschwache Mietwagen-Verkäufe konzentriere sich Fiat wieder auf die lukrativeren Geschäfte mit Privatkunden.

Der neue Sparkurs geht auch an der Belegschaft nicht vorbei: Noch in dieser Woche verhandelt Fiat mit den Gewerkschaften über einen Abbau von 3 000 Jobs in Italien. Boschetti rechnet damit, dass die Autosparte von Fiat in gut einem Jahr, spätestens aber 2004 wieder schwarze Zahlen schreiben wird.

Auch die Mailänder Bank Unicredito Italiano beteiligt sich nun an dem Sanierungsprogramm für Fiat. Man sei überzeugt vom Rettungsplan des Konzerns, heißt es in einer Mitteilung, in der die Bank aber keine Zahlen nennt. Die anderen drei großen italienischen Banken, Intesa BCI, San Paolo IMI und Banco di Roma hatten Fiat jüngst Unterstützung in Höhe von 3 Mrd. Euro zugesagt. Die Großbanken Monte dei Paschi und Banca Nazionale del Lavoro sollen dazu kommen.

Einen Großteil der Einsparungen will Boschetti mit Hilfe seines Allianz-Partners General Motors (GM) erreichen. Immer häufiger soll Fiat Fahrzeug-Architekturen ("Plattformen") gemeinsam mit GM und dessen Europa-Töchtern Opel und Saab nutzen. 2005 und 2006 wird laut Boschetti die Hälfte aller Autos auf Basis dieser Plattformen produziert. Zu Spekulationen über eine mögliche Übernahme durch GM sagte Boschetti nichts. Der US-Konzern hält seit zwei Jahren 20 % der Anteile von Fiat Auto und hat eine Option auf den Kauf der restlichen Teile.

Einen ersten Neubeginn will Fiat nun mit zwei Autos der Luxusmarke Lancia starten. Der "Thesis" tritt als Wettbewerber gegen Modelle wie den Audi A6, die Mercedes E-Klasse und den 5er-BMW an. Der "Phedra" soll sich im Markt für luxuriös ausgestattete Minivans durchsetzen. Die Autos kommen in den nächsten Wochen in den Handel.

In Börsen- und Finanzkreisen herrscht allerdings große Skepsis. "Lancia hat es außerhalb Italiens nie geschafft, eine nennenswerte Rolle zu spielen", zweifelt Henrik Lier, Auto-Analyst bei der WestLB, an den Erfolgsaussichten. Albrecht Denninghoff von der Hypovereinsbank hält die jährlichen Produktionszahlen von Lancia für viel zu niedrig, um Kosten und Ertrag in einer vernünftigen Relation zu halten. Fiat produziert im Schnitt gerade 150 000 Lancia pro Jahr, BMW und Mercedes kommen auf etwa eine Million.

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