Mit Zwitterpapieren zu höheren Renditen
Steuern sparen mit Genussscheinen

Genussscheine bieten hohe Renditen und haben Steuervorteile. Trotz oft schlechter Liquidität sollten Privatanleger die Papiere direkt kaufen, denn Fonds auf Genussscheine sind teuer.

FRANKFURT/M. Sie haben einen seltsamen Namen, keinen eigenen Index und werden von ausländischen Investoren verschmäht - Genussscheine sind die Mauerblümchen des Kapitalmarkts. Dabei bieten die Papiere, die Elemente von Aktien und Anleihen in sich vereinigen, schöne Renditen: Ihr Aufschlag gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen liegt bei 1 bis 1,1 %. Und das bei einem mäßigen Risiko.

Momentan ist der Einstieg in die Papiere günstig: Denn wenn die Aktiengesellschaften zur Hauptversammlung laden, bricht die Genussscheinzeit an. Im Anschluss an die Versammlung des Emittenten erfolgt bei Genussscheinen im Regelfall die Ausschüttung - eine laufende, jährliche Zahlung an den Inhaber des Papiers. "Bei den meisten Genussscheinen ist dies im Juni oder Juli", sagt Werner Fey, Analyst bei der BHF-Bank. Die Ausschüttung unterscheidet sich deutlich von der Zinszahlung bei Anleihen - denn bei den Zwitterpapieren werden die Stückzinsen nicht getrennt ausgewiesen. Sie wachsen dem Kurs zu. Deshalb ist es wichtig, steuerliche Modelle durchzuspielen.

Fey hält so momentan Papiere mit einem "überlangen Kupon" für interessant. Das sind Papiere, deren nächste Ausschüttung erst in über einem Jahr erfolgt. Somit ist es möglich, den Genussschein außerhalb der Spekulationszeit und vor der ersten Ausschüttung zu verkaufen. Bei überlangen Kupons kann der Anleger die Rendite im ersten Jahr steuerfrei mitnehmen - wenn er vor der Ausschüttung verkauft. Denn unmittelbar danach verzeichnen Genussscheine Kursrückgänge; wie Aktien nach einer Dividendenzahlung.

Fey rät zum Kauf zweier Papiere mit überlangem Kupon. Das erste ist ein Genussschein der Landesbank Baden-Württemberg mit einer Laufzeit bis 2012 und dem Ausschüttungstermin 1. Juli 2003. Der Genussschein bringt eine Rendite von 6,17%. Das zweite ist ein Papier der Aareal Bank. Dieses rentiert mit 6,49% und hat seinen Ausschüttungstermin am 2. Juli 2003. "Anleger sollten jetzt kaufen und die Papiere Mitte Juni 2003 wieder abstoßen", sagt Fey. Dann könnten sie die Rendite steuerfrei mitnehmen.

Allerdings sollten Anleger, die diese Strategie verfolgen, sich liquide Papiere mit hohem Volumen aussuchen. Sonst bekommen sie den Genussschein eventuell nur zu schlechten Kursen wieder los. Am besten eignet sich das Papier der LBBW, denn es hat ein Emissionsvolumen von 300 000 Euro. Der Genussschein der Aareal Bank kommt lediglich auf 150 000 Euro. Den bis 2012 laufenden Genussschein der deutschen Industriebank IKB sollten Anleger nach dem Kauf bis zur Fälligkeit halten: Er hat nur ein Volumen von 74 500 Euro.

Auch sollten Anleger auf die Bonität des Emittenten der Genussscheine achten, sagt Oliver Kastner, Fondsmanager bei der Investmentgesellschaft Deka. Denn sie können bei der Ausschüttung leer ausgehen, wenn der Emittent Verluste macht. In der Praxis komme dies "äußerst selten" vor, schreibt die Landesbank Baden-Württemberg in einer neuen Genussschein-Studie. Die Banken als mit Abstand wichtigste Emittentengruppe hätten schließlich ein sehr großes Interesse daran, Gewinne vorzuweisen. Es habe jedoch Fälle gegeben, in denen Genussscheine nicht bedient wurden - die mittlerweile insolvente Gontard & Metallbank habe dies im Geschäftsjahr 2000/01 nicht getan. Und im Falle eines Konkurses des Emittenten haben die Anleger schlechte Karten, ihr Geld wieder zu bekommen: Sie werden erst nach den anderen Gläubigern bedient.

Sind also Fonds die bessere Alternative für Genussschein-Fans? BHF-Bank-Analyst Fey rät ab: "Das Problem bei Genussschein-Fonds ist, dass sie im Schnitt Ausgabeaufschläge von 3 % haben", sagt er. Im vergangenen Jahr hat der beste Fonds in der Kategorie, der DWS Inter Genuss, eine Wertsteigerung von 6,6 % erzielt. Die meisten erreichen nicht einmal 5 %.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%