Mitarbeiter sollen auf Alternativen zurückgreifen
US-Firmen reduzieren Dienstreisen

Bei amerikanischen Unternehmen ist nach den Anschlägen die Unsicherheit groß, wie viele Reisen künftig den Mitarbeitern zuzumuten und für die Geschäfte wichtig sind. Insbesondere auf Flüge wird derzeit verzichtet. Stattdessen soll das Internet oder Videokonferenzen persönliche Treffen ersetzen.

HB NEW YORK/SAN FRANCISCO. Bei Texas Instruments dürfen die Mitarbeiter nur noch in Ausnahmefällen fliegen. "Wir haben allen Mitarbeitern eine Nachricht geschickt, um sie an Alternativen zu Reisen zu erinnern wie Technologien, die zur Verfügung stehen." Die interne Homepage des Unternehmens aus Dallas, Texas, das weltweit 38 000 Mitarbeiter beschäftigt, erklärt, wie Videokonferenzen und Internet-Übertragung funktionieren.

Amerikanische Unternehmen reduzieren ihre Geschäftsreisen. Nach den Terroranschlägen herrscht allgemeine Angst vorm Fliegen. Viele Firmen wollen ihren Mitarbeitern daher das Reisen ersparen.

Auch der Rüstungskonzern Lockheed Martin, Bethesda (Madison), änderte seine Politik. Nach Angaben der Sprecherin können die Beschäftigten wählen, auf welche Weise reisen wollen. "Es gibt Anlässe, bei denen die Präsenz unumgänglich ist, aber wir fragen derzeit immer nach, ob eine Reise wirklich nötig ist."

Sun Microsystems rät von Geschäftsreisen ab, bis sich die Situation stabilisiert hat

Das Online-Auktionshaus Ebay will die Mitarbeiter ebenfalls lieber in der Nähe des Firmensitzes in San Jose, Kalifornien, wissen, um ihre Sicherheit zu gewährleisten. Bis Ende dieser Woche sind alle Flugreisen gestrichen. Danach wird nach strengeren Kriterien als bisher entschieden werden, was nötig ist und was nicht. Der Serverhersteller Sun Microsystems aus Palo Alto in Kalifornien, der durch die Angriffe der Terroristen einen Mitarbeiter verlor, rät seinen Angestellten, keine Geschäftsreisen zu unternehmen, bis sich die Situation stabilisiert hat. Das Technologieunternehmen On Semiconductor Corp. aus Phoenix im Bundesstaat Arizona, das weltweit 12 000 Menschen beschäftigt, hat dazu aufgerufen, Treffen oder Verkaufspräsentationen im Internet abzuhalten.

Nach einer Umfrage des Industrieverbands Business Travel Coalition in der vergangenen Woche wollten fast 9 % der 187 teilnehmenden Reisemanager von Unternehmen die Zahl der Flüge zurückfahren. Eine andere Studie der National Business Travel Association fand heraus, dass 35 % ihrer Mitglieder die Reisen reduzieren. 36 % gaben an, dass von Fall zu Fall entschieden werden sollte, ob eine Reise wirklich nötig sei.

Zahl der Reisen schon vor dem Terroranschlag extrem niedrig

Andrew Watterson, Unternehmensberater von Mercer Management Consulting, ist jedoch optimistisch, dass nach einigen Wochen die Sorgen wieder vergessen sind: "Wenn die Angst nachlässt, werden auch die Geschäftsreisen langsam wieder zunehmen." Er gibt jedoch zu bedenken, dass die Zahl der Reisen bereits vor dem Terroranschlag auf einem extrem niedrigen Niveau war. Die Unternehmen hätten schon in den vergangenen Monaten gespart. Derzeit würde er keinem Unternehmen raten, seine Mitarbeiter zum Fliegen zu zwingen. Aber während Touristen auf ihre Flüge verzichten können, seien Unternehmen häufig auf den direkten Kontakt angewiesen. "Im Handel hängt so viel vom persönlichen Kontakt ab, das können Videokonferenzen nicht ersetzen", ist Watterson überzeugt. Sein Arbeitgeber Mercer habe in dieser und der letzten Woche von keinem Mitarbeiter verlangt, in ein Flugzeug zu steigen. Ab der nächsten Woche soll sich dies aber wieder ändern.

Die Aktienmärkte scheinen dagegen überzeugt zu sein, dass Videokonferenzen das Medium der Zukunft sind. Während die Aktien der Fluggesellschaften bis zur Hälfte ihres Wertes verloren, stehen Hersteller von Systemen für Videokonferenzen derzeit hoch im Kurs. Die Aktie von Polycom, einem Unternehmen aus Milpitas in Kalifornien, das die Technologie dafür herstellt, legte bereits am Montag 30 Prozent zu.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%