Mitarbeiter wollen Pläne nicht begleiten
Deutsche Bank: Heftiger Widerstand gegen IT-Auslagerung

Die geplante Auslagerung der IT-Infrastruktur der Deutschen Bank in Kontinentaleuropa, speziell in Deutschland, schlägt intern bereits jetzt hohe Wellen.

FRANKFURT/M. "Die Mitarbeiter haben das Vertrauen gegenüber diesem Vorstand verloren. Erst vor drei Monaten hat Vorstandsmitglied Hermann-Josef Lamberti die Informationstechnologie zur Kernkompetenz erklärt, nun will man sie wieder aus der Hand geben", sagt der Betriebsratsvorsitzende des IT-Standortes Eschborn, Peter Müller, dem Handelsblatt.

Die Deutsche Bank plant unter dem Projektnamen "Summer", ihren Bereich Informationstechnologie (IT) mit einem jährlichen Budget von rund 440 Mill. Euro an einen externen Dienstleister zu übertragen. Betroffen wären 750 Mitarbeiter in Deutschland und weitere 200 Beschäftigte an Standorten in Belgien, Italien, Luxemburg, Spanien, Portugal und Polen. Sollte das Joint Venture mit Siemens, Sinius, ebenfalls mit ausgelagert werden, würde sich die Zahl der Mitarbeiter um 1 000 und das jährliche Budget um 180 Mill. Euro erhöhen.

Hauptgrund für die Pläne der Deutschen Bank sind die Einsparmöglichkeiten, die in einem internen Papier auf 1,2 Mrd. Euro in 10 Jahren beziffert werden. Lamberti und Clemens Jochum wollen das Projekt bis Oktober abschließen. Mit diesen Plänen folgt die Deutsche Bank einem Branchentrend: JP Morgan Chase und Banca di Roma aber auch die Bank of Scotland haben bereits ihre gesamten IT-Bereiche ausgelagert.

Der Betriebsrat wendet sich gegen die Auslagerungspläne. "Entscheidungen über Risiken werden dann nicht mehr von der Bank getroffen, sondern von einem externen Dienstleister, aber von der Bank verantwortet", so Müller. Auf einer Betriebsversammlung hätten spontan 600 von 700 Anwesenden verdeutlicht, dass sie nicht bereit seien, zu einem neuen Partnerunternehmen zu wechseln. Als denkbare und akzeptable Alternativen sieht der Betriebsrat eine komplette Ausgründung des IT-Bereichs oder die Auslagerung lediglich der Infrastruktur ohne Personal an. "So könnten etwa vier Fünftel der Kosten eingespart werden," sagt Müller.

Bis 24. Mai haben die fünf Bewerber CSC Ploenzke, Accenture, T-Systems, IBM und EDS noch Zeit, ihre Bewerbungen abzugeben. Dann beginnt der interne Ausleseprozess, der bis spätestens 4. Juli abgeschlossen sein soll. Nach einer Prüfung der Bücher (Due Diligence) der beiden potenziellen Partner sollen im September die Vertragsverhandlungen gestartet werden, so dass mit der Auslagerung Anfang des vierten Quartals begonnen werden kann. Beste Karten haben IBM und EDS. EDS würde durch das Mandat der Deutschen Bank in eine marktführende Stellung vorrücken. Für IBM, das bereits in einigen Bereichen mit der Deutschen Bank zusammenarbeitet, wäre ein Verlust des Mandats sehr schmerzhaft.

Quelle: Handelsblatt

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