Mitbestimmung als Geldsegen für die Gewerkschaften: Wer die Tantiemen nicht abführt, wird angeprangert

Mitbestimmung als Geldsegen für die Gewerkschaften
Wer die Tantiemen nicht abführt, wird angeprangert

Die Mitbestimmung im Aufsichtsrat hat den deutschen Gewerkschaften einen Geldsegen beschert, den Arbeitnehmervertreter zum Beispiel in Österreich gar nicht kennen: Deren Vergütung ist bisher gesetzlich auf eine Entschädigung begrenzt. Die Vergütungen der - geschätzt - gut 7 000 Arbeitnehmervertreter in deutschen Aufsichtsräten lassen sich dagegen auf einen mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag pro Jahr hochrechnen.

dc DÜSSELDORF. Zwar füllt das Geld nicht die Streikkassen von IG Metall & Co. - mehr als 20 Mill. Euro jährlich fließen jedoch an die Hans-Böckler Stiftung - - Mitbestimmungs- und Studienförderungswerk des DGB. In ihrem 40-Millionen-Euro-Etat für das Geschäftsjahr 2001/2002 weist sie 24,8 Mill. Euro an Zuwendungen durch Förderer aus. Dieser Posten speist sich laut Referatsleiter Roland Köstler bis auf Bruchteile aus Aufsichtsratsbezügen, die haupt- und ehrenamtliche Gewerkschafter abgeführt haben.

Nach den Regeln des DGB dürfen die Aufseher pro Mandat maximal 4 600 Euro im Jahr für sich behalten. Zum Vergleich: Laut einer Studie der Kienbaum-Vergütungsberatung zahlen die Unternehmen jährlich 12 200 Euro pro Aufsichtsrat. Dieser Durchschnitt bezieht sich indes auf 2 000 größere und kleinere Gesellschaften, während die Gewerkschaften stärker bei den großen Gesellschaften mit höheren Tantiemen vertreten sind.

Die DGB-Regeln gleichen einer Steuer mit drastischer Progression: Zwar dürfen die Aufseher von den ersten 3 500 Euro in jedem Fall 90 % behalten. Jenseits davon müssen sie aber 95 % abgeben; und was über 32 500 Euro hinausgeht, ist komplett zu überweisen. Falls alles mit rechten Dingen zugeht, profitiert von der jüngsten Anhebung der Bezüge bei Daimler-Chrysler (von 51 000 auf 75 000 Euro) allein die Böckler-Stiftung.

Und die bei Daimler-Chrysler zuständige IG Metall steht im Ruf, sie fordere die Solidarität besonders rigoros ein: Wer sich stur verweigert, wird mit vollem Namen in der Mitgliederzeitschrift angeprangert. Die Zahl derer, die zumindest eine interne Ermahnung brauchen, liege stets zwischen 100 und 150, heißt es auf Anfrage - und damit bis zu 9 % aller Mandatsträger. Verdi will statt der schwarzen Schafe lieber die edlen Spender publik machen und rühmt sich - wie auch die Chemiegewerkschaft IG BCE - trotzdem einer "fast hundertprozentigen" Zahlungsmoral.

Der Hauptgrund für die moralische Diskrepanz scheint freilich profan zu sein - es ist die besonders verlockende Höhe der Tantiemen in der Metallindustrie. Zwar kommen erstaunlicherweise alle drei Gewerkschaften auf jeweils rund 1 600 Aufsichtsräte in ihren Reihen. Die Zuwendungen an die Böckler-Stiftung, so heißt dort hinter vorgehaltener Hand, bestreite allerdings beinahe zur Hälfte die IG Metall.

Quelle: Handelsblatt

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