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Mitglied der Kaplan-Gruppe festgenommen

Auf dem Frankfurter Flughafen haben die Sicherheitsbehörden einen Mann festgenommen, in dessen Gepäck sich nach einem Zeitungsbericht für Anschläge nutzbares Material befand.

rtr FRANKFURT. Ein Sprecher der Frankfurter Staatsanwaltschaft bestätigte am Dienstag, das der Mann am vergangenen Mittwoch festgenommen wurde. Gegen ihn sei inzwischen Haftbefehl erlassen worden. Zu Einzelheiten wollte sich der Sprecher nicht äußern, da die Bundesanwaltschaft das Verfahren an sich gezogen habe. Nach einem Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers" handelt es sich bei dem Festgenommenen um den Türken Harun A., der ein Schwager des selbst ernannten Kalifen von Köln, Metin Kaplan, sei.

A. sei aus einem Flugzeug mit Ziel Teheran geholt worden. In seinem Gepäck hätten die Sicherheitsbehörden einen Kampfanzug, eine Sturmhaube und einen Abschiedbrief an seine Familie gefunden. Zudem hätten sie eine CD-ROM gefunden, die das Ausbildungsprogramm zum terroristischen Gotteskrieger enthalte, hieß es in dem Zeitungsbericht weiter. Des weiteren hätten die Behörden einen Flakon mit einer quecksilberartigen Flüssigkeit beschlagnahmt, das nach Ansicht der Frankfurter Staatsanwaltschaft zur Herstellung eines Zündmechanismus eines Sprengkörpers gebraucht werde. Der Haftbefehl laute unter anderem auf Verdacht der Anleitung zu einer Straftat, der Bildung einer kriminellen Vereinigung und des versuchten Mordes. A. habe dem Haftbefehl zufolge offenbar auf Seiten der Kämpfer des Moslem-Extremisten Osama bin Laden und der afghanischen Taliban-Regierung am Kampf gegen die westliche Welt teilnehmen wollen. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft wollte dazu nichts sagen.

Die Zeitung zitierte den Anwalt des Verhafteten mit der Aussage, bei der Festnahme seines Mandanten handele es sich um eine Verquickung unglücklicher Umstände. Sein Mandant habe sein Gepäck mit einem ihm bekannten Fluggast geteilt, der ihm offenbar die Tasche mit dem brisanten Inhalt untergeschoben habe.

Die USA machen Bin Laden für die Anschläge von New York und Washington verantwortlich. Deutschland war nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden Ruheraum für einige der Selbstmord-Attentäter. 1996 und 1997 hatte es nach Angaben der Bundesanwaltschaft auch Kontakte zwischen Anhängern der in Köln ansässigen radikalen Moslem-Gruppe um Kaplan und Bin Laden über die Errichtung eines gemeinsamen "Kalifenstaats" gegeben. Kaplan war im vergangenen Jahr wegen des Aufrufs zum Mord an einem religiösen Widersacher zu vier Jahren Haft verurteilt worden.

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