Mitglied im Aufsichtsrat der Bertelsmann AG
Liz Mohn: Die starke Frau von Bertelsmann

Längst steht die Ehefrau von Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn nicht mehr im Schatten ihres Mannes. Liz Mohn redet mit im Konzern und kämpft für den Erhalt der Werte.

Sie steht hinter Reinhard Mohn, lächelt brav in die Kamera und legt dem Bertelsmann-Patriarchen, der vor ihr auf einem Stuhl sitzt, eine Hand auf die Schulter. Nicht forsch und besitzergreifend, sondern diskret und sanft. So mag eine Frau aussehen, die ihren Mann unauffällig unterstützt und dabei selbst ein wenig im Schatten seiner Sonne steht - es gibt solche Fotos von Liz Mohn.

Auf ihnen nimmt sie ganz die Rolle der liebenden Gattin ein, die bereits mit 28 Jahren zum dritten Mal Mutter wurde. Sie ist die Frau, die sich mit der von ihr gegründeten Stiftung um Schlaganfallpatienten kümmert und ein Buch mit dem rührenden Titeln "Liebe öffnet Herzen" geschrieben hat.

Aber es gibt auch die andere Seite der ersten Dame im Hause Bertelsmann - die resolute. Seit der 81-jährige Verleger nicht mehr vor die Kameras tritt, hat Liz Mohn nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit die Verpflichtungen und die Macht, die der Familienname Mohn mit sich bringen, übernommen.

Ganz Geschäftsfrau, im eng anliegenden Kostüm mit ein wenig dezentem Goldschmuck, empfängt sie Besucher in ihrem großzügigen Büro in der Zentrale der Bertelsmann AG in Gütersloh. Sie sitzt im Aufsichtsrat des Medienkonzerns und vertritt dort die Interessen der Eigentümer. Als Nachfolgerin des neuen Bertelsmann-Vorstandsvorsitzenden Günter Thielen übernimmt sie zudem den Vorsitz in der Bertelsmann-Verwaltungsgesellschaft. Damit hat Liz Mohn Kontrolle über die Aktienmehrheit.

Strebsam im positiven Sinne

Die Geschäftsfrau begrüßt ihre Gäste mit zupackendem Händedruck, wechselt kurz noch ein paar Worte mit ihren Vorzimmerdamen und stellt sich dann voll konzentriert auf ihr Gegenüber ein - eine präsente, wachsame Gesprächspartnerin, die nachfragt, bevor sie Antworten gibt, die mehrdeutig sein könnten. Ob sie ehrgeizig ist? "Doch, ich glaube", sagt sie. "Aber was ist ehrgeizig?" Das möchte sie genauer wissen. Strebsam im positiven Sinne. "Ja", das kann sie gelten lassen.

Seitdem sie bei der Benefizgala "Rosenball" gesehen wurde, wie sie besonders herzliche Gespräche mit dem designierten Middelhoff-Nachfolger Thielen führte, spekulieren viele über ihren Einfluss im Konzern. Bertelsmann-Mitarbeiter ergehen sich in Andeutungen, wenn es um die Macht der First-Lady geht. Sollte sie daran mitgewirkt haben, den einst gefeierten Bertelsmann-Chef, Thomas Middelhoff, vorzeitig zu verabschieden?

Zumindest eines ist klar: Die viel zitierte "Dame im Hintergrund" ist längst nicht mehr nur die Ehefrau von Reinhard Mohn. Und sie steht auch nicht mehr im Hintergrund. "Die Familie achtet darauf, dass die Unternehmenskultur fortgeschrieben und in ihren Grundzügen bewahrt wird", betont sie. "Das ist jetzt meine Verantwortung." Liz Mohn redet im Konzern mit.

Vieles hat sich verändert, seit die junge und ein wenig schüchterne Sekretärin auf einem Bertelsmann-Betriebsfest auf den wesentlich älteren Konzernchef traf. Man spielte die Reise nach Jerusalem und der große Medienmann und die kleine Angestellte - die eigentlich Kinderärztin oder-krankenschwester hatte werden wollen - tanzten Walzer. Ein modernes Märchen nahm seinen Anfang.

Ihren Mann bewundert sie. Von ihm lernte sie, ohne Betriebswirtschaft studiert zu haben, den Duktus der Unternehmenslenker. "Führen heißt behüten", glaubt die einstige Pfadfinderin. Und das klingt ebenso als spräche sie über Kindererziehung, Bildungspolitik oder eben Unternehmensskultur. "Der Erhalt der Werte" - das ist ihr Thema.

In ihrem Buch "Liebe öffnet Herzen" idealisiert Liz Mohn den Führungsstil des Weltkonzerns ganz so, wie ihn sich die Verlegerfamilie wünscht. Das Unternehmen und sein Erfolg seien geprägt von Tradition, Treue und Familienwerten, schreibt sie. Dem Shareholder-Value widmet sie dagegen kaum ein Wort, was Ex-Chef Middelhoff wohl kaum behagt haben dürfte.

Noch weniger dürfte ihm aber gefallen haben, was enge Mitarbeiter über sie berichten: Bei Menschen, die sie mag, kann sie äußerst charmant sein. Den anderen präsentiert Liz Mohn ihre resolute Seite.

Vita

Liz Mohn ist 1941 in Wiedenbrück geboren. Als Sekretärin lernt sie bei einem Betriebsfest den 20 Jahre älteren Bertelsmann-Konzernchef kennen, den sie aber erst 1982 heiraten wird. Gemeinsam haben sie drei Kinder. Heute leitet sie den Bereich Medizin und Gesundheit der Bertelsmann Stiftung, die von ihr gegründete Deutsche Schlaganfall Stiftung und ist Mitglied im Club of Rome. Seit November 2000 ist sie Mitglied im Präsidium der Bertelsmann Stiftung und im Aufsichtsrat der Bertelsmann AG. Nun rückt sie an die Spitze der Verwaltungsgesellschaft.

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