Mitglied will wechseln
Star Alliance gerät im Pazifik unter Druck

Air New Zealand, südlichster Eckstein der Allianz, flirtet mit dem Nachbarn Qantas. Sollte das Werben Erfolg haben, müsste die Linie das Luftfahrtbündnis verlassen.

SINGAPUR. Dem Luftfahrt-Bündnis Star Alliance droht der Verlust eines wichtigen Mitglieds. Wackelkandidat ist die neuseeländische Air New Zealand Ltd. (AirNZ), der südliche Eckstein der Allianz im hart umkämpften Asien-Pazifik-Markt. John Palmer, Chairman der AirNZ, bekräftigte bei der Vorlage des Jahresergebnisses in Wellington sein Interesse an einer strategischen Allianz mit dem australischen Konkurrenten Qantas Airways. Dann müsste die Fluggesellschaft allerdings vermutlich die Star Alliance verlassen.

Die gewinnstarke Qantas umgarnt den kleineren Vetter AirNZ bereits seit Monaten. Neben der Allianz lockt sie mit einer Kapitalbeteiligung von 25 %. Nichts kann AirNZ dringender gebrauchen als eine Kapitalinfusion. Seit dem vergangenen Jahr fliegt die Gesellschaft in heftigen Turbulenzen. Im Geschäftsjahr 2001/02 (zum 30. Juni) verbuchte sie bei einem Konzernumsatz von 3,7 Mrd. neuseeländischen Dollar (1,8 Mrd. Euro) einen Verlust von 318,5 Mill. NZ$ (153 Mill. Euro). Im Vorjahr hatte das Unternehmen noch mit einem Reingewinn von 82 Mill. NZ$ und einem Umsatz von 4,1 Mrd. NZ$ geglänzt.

Die Chancen der AirNZ, auf Dauer ohne einen kapitalstarken Partner ihre Selbständigkeit retten zu können, werden von Luftfahrtexperten kritisch beurteilt. "In der Ehe mit Qantas und der Mitgift von Kapitalbeteiligung und technischer Zusammenarbeit dürften die Aussichten der AirNZ sehr viel besser sein", sagt Derek Saduben vom Centre for Asia Pacific Aviation in Sydney. Die Konsequenz ist für ihn klar: "Dann dürfte AirNZ der One World beitreten" - für die Star Alliance um die Deutsche Lufthansa würde damit das Kriegsbeil ausgegraben. Ihr schärfster Konkurrent One World wird von British Airways (BA) und Qantas, an der BA wiederum mit 17% beteiligt ist, angeführt.

"Wir sind besorgt", räumt Alastair Carthrew, Star-Alliance-Sprecher für die Region Asien-Pazifik in Bangkok ein, "AirNZ hat wertvolle Beiträge in unser globales Netzwerk eingebracht". Der Austritt der AirNZ träfe die Star Alliance in einer äußerst prekären Lage: Das Wachstum stagniert und das US-Mitglied United Airlines steckt in Turbulenzen.

Palmers Vorgänger als AirNZ-Chef, Jack Dixon, hatte sich noch gerühmt, nicht der One World anzugehören. Die Star Alliance hat im attraktiven Markt Ozeanien mit dem Niedergang der AirNZ aber an Boden verloren. Zudem hat der Star-Alliance-Partner Singapore Airlines (SIA) seine einstige Viertelbeteiligung an der AirNZ auf strategisch wertlose 4,5 % reduziert.

AirNZ, Mitglied im Bündnis seit drei Jahren, musste 2001 nach der Pleite ihrer australischen Tochter Ansett 1,3 Mrd, NZ$ abschreiben, die größte Wertberichtigung in der neuseeländischen Unternehmensgeschichte. Gerettet wurde sie durch eine staatliche Finanzspritze von 885 Mill. NZ$. Seitdem ist die Regierung größter Aktionär. Auch wenn Palmer in diesem Jahr einen operativen Gewinn von 100 Mill. NZ$ erwartet, weiss er doch: "Unsere jetzige Form ist keine langfristige Option".

Ohnehin steht die Star Alliance, der mit Abstand größte Dienstleistungsverbund der zivilen Luftfahrt, in Asien unter Spannung: SIA und Thai Airways International - Thailands nationaler Carrier gehört mit der Deutschen Lufthansa zu den Gründungsmitgliedern der Star Alliance - beäugen sich mit Mißtrauen. Beide zusammen bestreiten 20 % des Weltpassagiermarktes.

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